Wien im Eurovision-Fieber: Die Hotellerie zwischen Vorfreude und Herausforderungen
Der 70. Eurovision Song Contest steht vor der Tür und Wien wird wieder einmal zum Schauplatz eines musikalischen Spektakels. Doch die Stimmung in der Wiener Hotellerie ist gemischt. Während die Vorfreude auf die Veranstaltung groß ist, bleiben viele Hotelzimmer, insbesondere in den günstigeren Preiskategorien, momentan ungebucht. Felix Neutatz, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wiener Wirtschaftskammer, berichtet von überdurchschnittlichen Buchungszahlen in Zwei- bis Dreistern-Betrieben. Aber die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels? Da sieht es ganz anders aus.
Die Auslastung liegt derzeit bei etwa 70 Prozent, was für ein Mai-Wochenende mit Feiertag eher untypisch ist. Normalerweise sind die Hotels zu dieser Zeit gut gefüllt. Ein Grund könnte sein, dass vor allem ein jüngeres Publikum zum Song Contest strömt, während die Gäste aus dem hochpreisigen Segment anscheinend ihre Reisen auf andere Destinationen verlagern oder gleich ganz verschieben. Die Buchungslage für den Juni zeigt hingegen das gewohnte Bild, als wäre der Eurovision Song Contest fast schon vergessen.
Die Hotellerie im Fokus
Wien Tourismus hat jedoch betont, dass es mit über 42.000 Zimmern in 450 Hotels aller Kategorien ausreichend Unterkünfte gibt. Die Sorge vor einer Bettenknappheit wird von der Hotelvereinigung als unbegründet bezeichnet. Trotzdem gibt es unorthodoxe Werbeaktionen, bei denen sogar Möbelhäuser als Quartiere angeboten werden. Das klingt schon fast nach einer kreativen Lösung, um die Gäste unterzubringen!
Die Herausforderungen für die Hotellerie sind vielfältig. Während niedrigere Hotelkategorien voraussichtlich stark gebucht werden, könnten Kongressgäste und Businessreisende ihre Termine verschieben. Das könnte die Hotels der gehobenen Kategorien in eine etwas verzwickte Lage bringen. Martin Stanits, Kommunikationschef der ÖHV, äußert Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Auslastung. Er geht davon aus, dass die Logistik – Personalengpässe und dergleichen – ebenfalls eine Rolle spielen könnten.
Ein Blick in die Zukunft
Der Eurovision Song Contest findet vom 12. bis 16. Mai 2026 in der Stadthalle in Wien statt. Mit JJ, der den Contest 2025 in Basel mit dem Lied „Wasted Love“ gewann, könnte die Veranstaltung auch für Wien eine Art Aufbruchsignal sein. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ECO Austria prognostiziert einen Nachfrageimpuls von 57 Millionen Euro für die Wiener Wirtschaft. Voraussichtlich werden rund 88.000 zusätzliche Besucher nach Wien kommen und das bringt einen weiteren Nachfrageimpuls von 21 Millionen Euro.
Die Gesamtausgaben der Veranstaltung betragen lediglich 36 Millionen Euro – und das, obwohl der globale Werbewert auf stolze 730 Millionen Euro geschätzt wird. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat die langfristigen wirtschaftlichen Vorteile für Österreich hervorgehoben, während die Hotellerie den Song Contest als langfristige Werbung für Wien sieht. Es bleibt abzuwarten, wie sich das gesamte Event auf das Image Wiens als Kulturmetropole auswirken wird. Auch wenn der Effekt schwer messbar ist, kann man den Optimismus förmlich spüren.
Am Ende bleibt die Frage, ob der Eurovision Song Contest tatsächlich die erhoffte Welle an Gästen mit sich bringt oder ob die Wiener Hotellerie mit kreativen Lösungen auf die veränderten Buchungsgewohnheiten reagieren muss. Eines ist sicher: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Stadt ist bereit, ihren internationalen Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten.
