In Hamburg blüht das Leben, doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Über 900 Baustellen prägen das Bild der Hansestadt und sorgen bei Gastronomen und Händlern für Frustration. Lärm, Staub und fehlende Planungssicherheit – das sind nur einige der Herausforderungen, mit denen die örtlichen Unternehmer täglich kämpfen müssen. Bernd Aufderheide, Präsident von Dehoga Hamburg, bringt es auf den Punkt: „Wir stehen morgens oft vor neuen Baustellen, ohne vorher informiert worden zu sein.“ Und das, wo vor allem in der Innenstadt und in den beliebten Szenevierteln die kurzfristigen Bauarbeiten sprießen. Der Wegfall von Parkplätzen, wie etwa an der Elbchaussee, schlägt den Gastronomen zusätzlich ins Kontor, denn weniger Parkplätze bedeuten weniger Kundschaft.

Leider ist die Kommunikation der Stadt alles andere als optimal. Annett Rabe, Sprecherin des Handelsverbands Nord, bemängelt die unklaren Zuständigkeiten der Behörden. Langfristige Projekte werden zwar besser kommuniziert, doch die Stimmen und Bedürfnisse der Händler scheinen oft nicht gehört zu werden. Ein digitales Verzeichnis für Baustelleninformationen – das wäre eine Forderung, die viele unterstützen. Die neue U-Bahn-Linie 5 sorgt insbesondere für Sorgenfalten, wenn es um die großen Krater geht, die an den Haltestellen entstehen könnten. Der Senat hingegen verweist auf die neu verabschiedete Strategie „Zukunft Tiefbau“, die verspricht, die Anzahl der Baustellen zu reduzieren, indem kleinere Vorhaben zu größeren Projekten gebündelt werden. Ein ambitioniertes Ziel, das Hoffnung weckt.

Engagement der Bürger

Doch nicht nur die Unternehmer sind betroffen. Auch die Bürgerinitiative „Stand up Winterhude“ kämpft gegen die Baustelle der U-Bahn-Linie 5 im Hamburger Stadtpark. Sie setzen sich für den Erhalt der Kleingärten ein, die mit ihrer Nähe zum Goldbekkanal für viele Anwohner von unschätzbarem Wert sind. Peter Hartkopp, ein leidenschaftlicher Kleingärtner, beschreibt die Parzellen als wertvoll und ist fest entschlossen, für deren Erhalt zu kämpfen. Die Bürgerinitiative hat bereits die erste Stufe des Bürgerentscheids im Bezirk gewonnen, und die Frist für den nächsten Entscheid wurde verlängert. Ein Schritt, der Hoffnung gibt – auch wenn ein unlösbarer Interessenskonflikt zwischen Neubauprojekten und dem Erhalt der Natur besteht.

Die Bezirksregierung plant, auf der Fläche der Kleingärten Wohnungen und eine öffentliche Grünanlage zu schaffen. Martin Albers von der SPD sieht hierin einen echten Konflikt, der schwer zu lösen sein wird. Gespräche zwischen der Hochbahn und den Interessengruppen sind im Gange, wobei die Vorteile einer großen zusammenhängenden Fläche für die Baustelle betont werden. Ein Kompromiss ist angestrebt, aber ein gleichwertiger Ersatz für die verlorenen Gartenflächen ist noch nicht in Sicht. So bleibt abzuwarten, wie es weitergeht.

Neue Wege der Bürgerbeteiligung

Inmitten all dieser Herausforderungen gibt es auch Lichtblicke. Der neu aufgelegte Leitfaden „Hamburg gemeinsam gestalten“ von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen bietet eine Plattform zur Aufklärung über verschiedene Beteiligungsformate in der Stadtplanung. Die Stadtwerkstatt, die seit 2012 als Stabsstelle für Bürgerbeteiligung fungiert, zeigt, dass das Engagement der Bürger nicht nur gewünscht, sondern auch notwendig ist. Mit mehr als 100 Seiten Informationen zu den Möglichkeiten der Mitwirkung, den Grundlagen und den Zuständigkeiten, gibt es viele Anreize, aktiv zu werden.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der Leitfaden behandelt Kriterien für erfolgreiche Beteiligung, zeigt Strategien und Methoden auf und stellt acht Fallbeispiele vor. Darunter sind spannende Projekte wie das „freiRaum Ottensen“, ein autoarmes Quartier, und „Füreinander Schanze“, ein ergebnisoffener Dialogprozess im Schanzenviertel. Es ist an der Zeit, die Stimme zu erheben und aktiv an der Stadtgestaltung teilzunehmen. Wer weiß, vielleicht gibt es bald eine Lösung für die unzähligen Baustellen, die unseren geliebten Stadtteil prägen. Die Zukunft bleibt spannend!