In Norddeutschland steht die Tourismuswirtschaft vor einer Herausforderung, die nicht unterschätzt werden darf. Ein starker Personalmangel und anhaltender Kostendruck machen den Betrieben zu schaffen. Doch trotz dieser Widrigkeiten zeigt sich, dass viele Unternehmen versuchen, optimistisch in die Zukunft zu blicken. AHGZ berichtet, dass eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) die sorgenvollen Prognosen der Branche untermauert.
Der Geschäftsklimaindex ist ein wichtiger Indikator für die Stimmung in der Branche. Im Gastgewerbe verbleibt er mit 88 Punkten nahezu unverändert im Vergleich zum Frühjahr 2024 (89 Punkte). Die Reisewirtschaft verzeichnete jedoch einen Rückgang von 111 auf 107 Punkte. Insgesamt bewerten 70 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder befriedigend, während 30 Prozent sich in einer weniger rosigen Situation befinden. Die Erwartungen sind ebenfalls geteilt: 16 Prozent der Betriebe setzen auf eine günstige Entwicklung, während 33 Prozent sich auf eine Verschlechterung einstellen.
Risiken und Herausforderungen
Die größten Herausforderungen in der norddeutschen Gastronomie sind klar umrissen. IHK Niedersachsen hebt hervor, dass 84 Prozent der Betriebe die Arbeitskosten als bedeutendes Risiko ansehen. Dies wird unterstrichen durch steigende Beträge für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe, die von 72 Prozent der Befragten genannt werden, sowie von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die 60 Prozent der Betriebe Sorgen bereiten. Ein weiteres drängendes Thema ist der Fachkräftemangel, der von 53 Prozent der Teilnehmer als Problem laut genannt wurde.
Die aktuelle Geschäftslage bleibt generell einfach zufriedenstellend; laut der IHK Nord bewerten 81 Prozent der Gastronomieunternehmen ihre Situation als gut oder befriedigend. Dennoch ist die Stimmung auch hier verhalten. Immerhin 46 Prozent erwarten in der nächsten Saison eine Verschlechterung der Geschäftslage, was die Unsicherheiten in der Branche nochmals verdeutlicht.
Saisonale Entwicklungen
Der Start in die Tourismussaison in Niedersachsen war durch gutes Wetter über Ostern und die Maifeiertage positiv beeinflusst, sollte sich aber nicht überschätzen. Die Saisonumfrage der IHK Niedersachsen zeigt, dass die Betriebe vorsichtig bleiben. Der Konjunkturklimaindex stieg zwar leicht auf 90,6 Punkte, trotzdem bleibt die Stimmung angespannt. 25 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, während 28 Prozent von einer schlechten Situation berichten. Viele Unternehmen planen zudem Preiserhöhungen für die kommende Saison, was auf die stark steigenden Arbeitskosten zurückzuführen ist.
Zusammengefasst zeigt sich ein Bild von zwar steigenden Übernachtungszahlen und einem Wachstumspotenzial in der Branche, doch ist dies von der Notwendigkeit begleitet, strukturelle Probleme zu lösen und den Fokus auf Nachhaltigkeit zu legen. Die IHK Nord ruft zur Handlung auf und weist darauf hin, dass langfristige Strategien zur Schaffung attraktiver Arbeitsplätze dringend notwendig sind. Alexander Anders, Geschäftsführer der IHK Nord, betont die Dringlichkeit einer klaren politischen Rahmenbedingungen, um die Unsicherheiten in der Tourismuswirtschaft zu minimieren.
Um den Herausforderungen entgegenzuwirken, wird die vierte norddeutsche Tourismuskonferenz am 28. Februar 2025 in Neumünster veranstaltet. Hier soll der künftige Weg für Investitionen und Fachkräftesicherung besprochen werden, um die Branche nachhaltig zu stärken und die Zukunftserwartungen positiv zu gestalten. Es bleibt abzuwarten, ob die erhofften Impulse durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder eine Unternehmenssteuerreform in naher Zukunft eintreten werden.



