In den letzten Jahren hat sich der Tourismus in Europa stark gewandelt. Während die Hotelbranche stagniert, stehen Kurzzeitvermietungen, insbesondere durch Plattformen wie Airbnb, Booking und Expedia, hoch im Kurs. Diese Entwicklung hat tiefgreifende Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und die Ressourcen lokaler Gemeinschaften. Wenn man die Daten von Hotelinside betrachtet, zeigt sich, dass die Übernachtungen über solche Plattformen seit 2019 um 67 % gestiegen sind. Besonders kleinere Reiseziele, wie in Griechenland und Kroatien, spüren den größten Druck. So verzeichnet Santorin beeindruckende 46 Übernachtungen pro Einwohner.

Doch wohin führt diese Entwicklung? Der Overtourism bringt nicht nur überfüllte Straßen, sondern auch steigende Mieten und Wasserknappheit mit sich. Städte wie Barcelona sehen sich gezwungen, mit Vermietungsverboten und strengeren Vorschriften zu reagieren. Analysten schlagen Alarm: Es ist höchste Zeit für ein neues, nachhaltiges Tourismusmodell.

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Der Anstieg der Kurzzeitvermietungen

Der Boom der Kurzzeitvermietungen ist klar erkennbar. Im Jahr 2024 wurden über vier große Online-Plattformen in der EU beeindruckende 854,1 Millionen Nächte gebucht, was einen Anstieg von 18,8 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dies stellt einen neuen Rekord dar, wie Europäisches Parlament berichtet. Im August 2024 beispielsweise wurden 152,2 Millionen Übernachtungen gebucht – eine deutliche Steigerung von 96,9 Millionen im August 2019.

Die Städtereiseziele Paris (23,5 Millionen), Rom (15,7 Millionen) und Barcelona (12,5 Millionen) führen die Liste der beliebtesten Destinationen an. Dabei wird der Druck auf lokale Wohnungsmärkte immer deutlicher spürbar: Städte wie Florenz, wo bereits 20 % der Stadtwohnungen über Airbnb angeboten werden, haben Kurzzeitvermietungen als ernstzunehmendes Problem identifiziert.

Regulierungen und Herausforderungen

Angesichts der dramatischen Veränderungen sind einige Städte und Regionen dran, lokale Vorschriften einzuführen, um den Zugang zu Kurzzeitmietdiensten einzuschränken. Dies geschieht jedoch in einem fragmentierten Rechtsrahmen, der die Synchronisation und Durchsetzung erschwert. Studien zeigen zudem, dass kommerzielle Anbieter in Städten wie Lissabon und Barcelona mehr als 70 % des Angebots verwalten, was das Problem weiter verschärft.

Die EU hat nun einen Legislativvorschlag vorgestellt, der einen klaren Rechtsrahmen für diese Kurzzeitvermietungen schaffen soll. Dieser unterscheidet zwischen nichtgewerblichen und gewerblichen Gastgebern und erlaubt es den Mitgliedstaaten, städtische Maßnahmen wie Nachtzeitbegrenzungen und Genehmigungsregelungen einzuführen. Mindeststandards für Sicherheit, Hygiene und Antidiskriminierung sollen ebenfalls festgelegt werden.

Insgesamt stehen die Akteure der Branche vor einer Herausforderung: Wie kann man den wachsenden Tourismus im Einklang mit den Bedürfnissen der Anwohner gestalten? Die Antwort könnte in einem ausgewogenen Ansatz liegen, der Nachhaltigkeit großschreibt und die Interessen aller berücksichtigt.