Bürokratie als Bremsklotz: Die Hotellerie der DACH-Region im Spannungsfeld zwischen Vorschriften und Gästezufriedenheit
Die Hotellerie in der DACH-Region kämpft gegen eine Welle von bürokratischen Hürden, die sich wie ein Schatten über die Branche legen. Die Anforderungen an Hoteliers wachsen stetig, und die Vielzahl an Vorschriften hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten regelrecht verdoppelt. In der Schweiz etwa müssen Unternehmen über 36.000 regulatorische Pflichten erfüllen. Das kommt einem Marathonlauf gleich, bei dem die Luft zum Atmen immer dünner wird. Kleinere, familiengeführte Hotels sind besonders betroffen, sie haben oft nicht die Kapazitäten, um sich durch das Dickicht der Bürokratie zu kämpfen. Die Zeit, die sie mit Nachweisen und Genehmigungen verbringen, fehlt für das Wesentliche: die Betreuung ihrer Gäste. Und das ist es, was in der Branche zählt.
Ein Paradebeispiel für die Schwierigkeiten, die Hoteliers durchleben, ist das Hotelprojekt Flaz in Pontresina. Über zehn Jahre hat die Genehmigung gedauert. Zehn Jahre! In einer Zeit, in der Investoren Planungssicherheit suchen und schnelle Entscheidungen erwarten. Stattdessen sehen sie sich mit endlosen Bewilligungsverfahren konfrontiert, die oft abschreckend wirken. Die hohen Grundstücks- und Baukosten tun ihr Übriges, und so wird der Traum vom neuen Hotel für viele zum Albtraum. Die Frage, die sich stellt, ist: Wie viele Projekte müssen noch aufgegeben werden, bis sich etwas ändert?
Aktuelle Marktentwicklungen in der DACH-Region
Trotz dieser Herausforderungen hat die Hotellerie in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine gewisse Widerstandsfähigkeit bewiesen. Der „Hotels & Chains Report 2025“ von Horwath HTL zeigt, dass die Übernachtungszahlen 2024 erstmals wieder über dem Niveau von 2019 lagen. Ein Plus von 2% im Vergleich zum Vorjahr ist ein Lichtblick in diesen unsicheren Zeiten. Besonders das Economy- und Upper-Midscale-Segment wächst rasant, während Serviced Apartments ebenfalls Marktanteile gewinnen. Das zeigt, dass trotz aller bürokratischen Belastungen die Nachfrage nach Hotelzimmern ungebrochen ist.
In den Großstädten wie Berlin, Wien und Zürich liegt der Anteil markengebundener Hotels sogar bei bis zu 60%. Das bedeutet, dass sich die Marktlandschaft dynamisch verändert, auch wenn viele in der Branche vor den Herausforderungen der Bürokratie und den hohen Kosten stehen. Die durchschnittliche Zimmerauslastung in Deutschland ist im Jahr 2025 leicht gestiegen, aber die Margen bleiben unter Druck. Die durchschnittlichen Zimmerpreise sind gesunken, was die Situation für viele Hoteliers nicht gerade einfacher macht.
Die Zukunft der Branche
Der Hotelverband Deutschland (IHA) hebt hervor, dass verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Branche von entscheidender Bedeutung sind. Eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wird als ein Schritt in die richtige Richtung angesehen. Gleichzeitig wird ein Appell an die Branchenverbände gerichtet, sich aktiv gegen die Überregulierung einzusetzen. Diese Forderung nach einer Entbürokratisierungsagenda geht Hand in Hand mit der Notwendigkeit, neue Vorschriften abzuwägen, um den Hoteliers Luft zum Atmen zu geben.
All das geschieht vor dem Hintergrund einer Branche, die sich weiterentwickeln und anpassen muss. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind Themen, die in der Zukunft eine zentrale Rolle spielen werden. Die Hotellerie in der DACH-Region steht also vor einer spannenden, aber auch herausfordernden Zeit. Ein erfolgreicher Hotelstandort entsteht nicht durch Bürokratie, sondern durch Engagement und die richtigen Investitionen. Man darf gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln werden.
