In der Hotellerie rumort es gewaltig. Viele Betriebe sind bestrebt, ihre Resilienz zu steigern und aktuellen Herausforderungen trotzen zu können. Dabei spielt die Fachkraftsituation eine entscheidende Rolle. Einblicke in diese Thematik gewährt das aktuelle Hochschulprojekt der International School of Management (ISM), geleitet von Prof. Dr. Martin Fontanari und Sebastian Hoffmann. Ihr Ziel: Die Resilienz der Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erforschen. Der Fokus liegt auf den Erfahrungen von Führungskräften und umfasst technologische, infrastrukturelle sowie strategische Maßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen in der Branche. Wer teilnehmen möchte, kann sich an einer anonymen Online-Befragung beteiligen, die nur etwa 12 Minuten in Anspruch nimmt. DEHOGA NRW berichtet, dass die Ergebnisse auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden.
Fachkräftemangel: Ein langjähriges Problem
Der Personalmangel in der Hotellerie ist kein neues Phänomen, sondern hat sich durch die Corona-Pandemie verschärft. Vor der Krise kämpfte die Branche bereits mit einem Fachkräftemangel, der mittlerweile umso spürbarer ist. In Deutschland haben schätzungsweise 325.000 Fachkräfte während der Pandemie die Branche gewechselt, und auch in Österreich fehlt es an rund 50.000 bis 55.000 qualifizierten Arbeitskräften. Die Aushilfskräfte, die früher häufig eingesetzt wurden, haben sich umorientiert, da sie keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld hatten. Diese Situation ist umso bedenklicher, da durch die Betriebsschließungen weniger Lehrlinge ausgebildet wurden, was fast zwei Ausbildungsjahrgänge betrifft. MRP Hotels hebt hervor, dass die Auswirkungen auf das Recruiting ernsthafte Konsequenzen haben.
Handlungsbedarf – Die Branche unter Druck
Die wenig erfreuliche Nachricht für die Hotellerie ist, dass die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen, die einen Job in der Branche suchen, auf nur die Hälfte des Vor-Corona-Werts gesunken ist. Während die Zahl offener Stellen zwar gestiegen ist, bleibt sie dennoch unter dem Niveau von vor der Pandemie. Außerdem haben weniger Menschen den Schritt gewagt, aus anderen Berufen in die Hotel- und Gaststättenbranche zu wechseln – von 126.000 im Jahr 2019 auf 74.000 im Jahr 2021. Bei den Bewerbungen um Ausbildungsstellen sieht die Lage ähnlich trist aus: Diese ist von 33.000 im Jahr 2009 auf nur 12.000 im Jahr 2022 gesunken. KOFAs Studien belegen die Herausforderungen und geben einen klaren Handlungsbedarf an.
Auswege finden: Zusammenarbeit und Innovation
Um die Herausforderungen zu meistern, sind Hotels gefordert, gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, individuelle Lösungen für Verträge sowie Gesundheitsvorsorge und Benefits zur Steigerung der Mitarbeiterbindung. Insbesondere das Employer Branding sollte klare Werte und Emotionen kommunizieren. Die Integration ausländischer Mitarbeiter könnte zudem durch bürokratische Erleichterungen gefördert werden, um den Mangel zu lindern. Die Digitalisierung gilt als Schlüssel zur Verringerung des Arbeitsaufwands und könnte langfristig zur Verbesserung der Situation beitragen.
Die Entwicklungen zeigen klar: Die Resilienz der Hotellerie hängt nicht nur von technologischen Fortschritten ab, sondern auch von einer sorgfältigen Personalpolitik und einem attraktiven Image der Branche. Werden wir in den kommenden Monaten die nötigen Veränderungen erleben? Nur die Zeit wird es zeigen.