In der Schweizer Hotellerie ist die Frage nach Innovation drängender denn je. Auch wenn die Branche in den letzten Jahrzehnten Rekorde bei Logiernächten aufgestellt hat, stehen die hiesigen Hotels im internationalen Vergleich oft im Schatten innovativer Konzeptualisierungen aus dem Ausland. Wie Hotel Inside berichtet, hat die Schweiz zwar eine lange Tradition in der Grandhotellerie, doch innovative Ideen scheinen seit den 1980er Jahren hauptsächlich aus anderen Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden zu kommen.
Genau das wirft die zentrale Frage auf: Warum sind so viele kreative Hotelkonzepte im Ausland entstanden? Das internationale Spektrum reicht von Motel One mit seinem Budget-Design bis hin zu CitizenM, das durch modulare Bauweise besticht. Auch in der Schweiz gibt es Ausnahmen wie das Stay KooooK der SV Group, das mit seinem digitalen Check-in und einem Community-Ansatz frischen Wind bringt. Dennoch bleibt der Großteil der Schweizer Hotellerie hinter den Möglichkeiten zurück.
Die Herausforderung der Digitalisierung
Ein weiterer Schlüssel zu mehr Innovation liegt in der Digitalisierung. Die Bundesbehörde SECO hat festgestellt, dass im Jahr 2017 bereits zwei Drittel aller Buchungen über digitale Kanäle generiert wurden. Online-Check-ins und digitale Schlüssel sind nicht nur praktisch, sondern auch ein Zeichen der Zeit. Eine Plattform namens www.hotel.digital soll Hotelbetrieben helfen, ihre digitale Transformation voranzutreiben. Dabei stehen Workshops und individuelle Beratungen zur Identifikation von Handlungsbedarf bereit.
Das Institut für Tourismus und Freizeit an der FH Graubünden hebt hervor, wie wichtig der Wandel durch neue Technologien für die gesamte Branche ist. Das Internet hat nicht nur die Art und Weise verändert, wie wir reisen, sondern auch, wie Hotels arbeiten und sich präsentieren. Mit den letzten Entwicklungen in den letzten 15 Jahren, von Bewertungsportalen über digitale Reiseportale bis hin zu sozialen Netzwerken, ist die Notwendigkeit für Hotels, sich anzupassen, spürbar.
Ein Blick in die Zukunft
Die Innovationsrückstände in der Schweiz sind vielfältig und häufig strukturell bedingt. Kleinere, familiengeführte Betriebe sind oft finanziell eingeschränkt und es mangelt an Mut für radikale Ideen. Diese Konstellation wird durch die lange Genehmigungsdauer von Projekten wie dem Hotelprojekt „Flaz“ in Pontresina noch verstärkt. Es zeigt sich, dass es an einer kritischen Masse an langfristigen Visionen und dem Willen zur Veränderung fehlt.
Die traditionell verankerte aber wenig dynamische Servicekultur der Schweiz ist in der Vergangenheit oft als Stärke angesehen worden. Ehemalige Größen wie Cäsar Ritz oder Johannes Badrutt prägten die Branche nachhaltig. Heute bleibt die Hoffnung, dass innovative Köpfe die nötige Inspiration bringen und die zukünftigen Trends setzen, um die Schweizer Hotellerie aus ihrer Schläfrigkeit zu reißen.
Daher bleibt die Frage, die sich viele stellen: Wo ist der nächste große Hotelgedanke „Made in Switzerland“? Mit ersten Anzeichen von kreativem Denken in der Branche besteht die Möglichkeit, dass, mit etwas mehr Pioniergeist und Wagemut, auch in der Schweiz wieder spannende Hotelkonzepte entstehen könnten.



