Meliá Hotels International meldet drastischen Rückgang des Nettogewinns und stellt kubanische Aktivitäten ein
Heute ist der 6.11.2026 und die Nachrichten aus der Hotelbranche sind so durchwachsen wie das Wetter in diesem November. Meliá Hotels International hat kürzlich seine Neunmonatszahlen veröffentlicht, und die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich. Am 3. November 2026 meldete das Unternehmen bei der spanischen Börsenaufsicht CNMV einen drastischen Rückgang des Nettogewinns – von 177,7 Millionen Euro auf 93,5 Millionen Euro. Ein Rückgang von satten 47,4 Prozent! Auch der den Aktionären zurechenbare Gewinn fiel um 55,5 Prozent auf 67,1 Millionen Euro. Aber nicht alles ist düster, denn der Umsatz ohne Veräußerungsgewinne stieg um 7,3 Prozent auf 1,707 Milliarden Euro. So weit, so gut – doch der Teufel steckt im Detail!
Ein besonders schwerer Brocken war das Kuba-Geschäft, das mit einem Verlust von 79,8 Millionen Euro zu Buche schlug. Im Vorjahreszeitraum hatte es immerhin noch 5,8 Millionen Euro beigetragen. Meliá führte diesen Rückgang auf Wertminderungen im Hotel- und Importgeschäft auf der Insel zurück. Und das trotz eines EBITDA, das um 3,2 Prozent auf 443 Millionen Euro gestiegen ist. Die kubanischen Hotels, die im ersten Quartal 2026 bereits die Hälfte ihrer Kapazität stilllegten, hatten im Schnitt eine Auslastung von nur 28,8 Prozent. Da wird einem schon ganz schwindelig!
Die Herausforderungen in Kuba
Die Gründe für diese besorgniserregende Situation sind vielfältig. Laut Meliá machen eine verschärfte Energiekrise, Treibstoffmangel und ein striktes Handelsembargo das Leben auf Kuba zur Hölle. Besonders der Mangel an Flugbenzin hat zu einer Streichung vieler Direktverbindungen geführt, was den internationalen Tourismus erheblich belastet hat. Die meisten Buchungen in den offenen Hotels stammen mittlerweile von kubanischen Touristen, aber das reicht nicht aus, um den Rückgang der internationalen Gäste auszugleichen.
Im ersten Quartal 2026 kamen nur 298.057 Besucher nach Kuba – das sind 48 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das ist ein herber Schlag und führt dazu, dass schätzungsweise 300.000 Menschen in der kubanischen Tourismusbranche ihren Job verloren haben. Die Belastungen durch die US-Sanktionen sind nicht zu unterschätzen. Diese wurden in den letzten Jahren immer wieder verschärft und beeinträchtigen nicht nur die wirtschaftliche Lage, sondern auch die grundlegenden Lebensbedingungen der Menschen auf der Insel.
Der Einfluss der US-Sanktionen
Die USA haben seit den 1960er-Jahren ein Handelsembargo gegen Kuba verhängt, das inzwischen in seiner Strenge rekordverdächtig ist. Die Sanktionen, die unter Präsident Trump erneut verschärft wurden, zielen darauf ab, die kubanische Regierung unter Druck zu setzen. Die humanitäre Lage auf der Insel ist so katastrophal wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. Energieengpässe, Stromausfälle und der Mangel an grundlegenden Lebensmitteln sind für die Kubaner zur bitteren Realität geworden. Strom wird fast ausschließlich aus Erdöl und Erdgas erzeugt, doch die Insel kann ihren Bedarf nicht decken. Das führt zu einem Teufelskreis, der sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaft in eine tiefe Krise stürzt.
Während die Meliá-Gruppe in anderen Märkten wie Spanien, wo sie von einem starken Sommer profitiert hat, besser dasteht, ist die Lage in Kuba ein wackeliges Fundament. Der Erlös pro verfügbarem Zimmer stieg in den ersten neun Monaten um 16,5 Prozent auf 106,9 Euro, aber ohne den Kuba-Effekt wäre der Anstieg nur bei 7,6 Prozent gelegen. In diesem Zusammenhang ist die Ankündigung der Gruppe, ihre kubanischen Aktivitäten zum 24. Juli 2026 einzustellen, nicht verwunderlich. Die Auslastung der Hotels in Kuba ist alarmierend niedrig, und die operativen und finanziellen Schwierigkeiten werden weiter zunehmen.
Die Zukunft bleibt ungewiss. Ein Rückkehr zur Normalität in Kuba wird von Meliá als abhängig von der Energieversorgung und der generellen Erholung der Situation beschrieben. Ein Zeitplan für eine Rückkehr zur Normalität wurde nicht genannt. Die Buchungen für das Jahresende liegen zwar zweistellig über dem Vorjahresniveau, aber die Aussichten für 2026 sind alles andere als rosig. Meliá strebt mindestens 40 neue Verträge und 24 Eröffnungen an, aber die Frage bleibt: Wie viel von diesem Wachstum wird tatsächlich realisierbar sein, wenn die Rahmenbedingungen so instabil sind?
