In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kämpft die Gastronomie aktuell mit einem akuten Personalmangel, was zu eingeschränkten Öffnungszeiten in zahlreichen Restaurants führt. Die Situation ist so ernst geworden, dass einige Lokale erst später öffnen, früher schließen und zusätzliche Ruhetage einlegen müssen. Das Restaurant „Saimons“ auf Föhr, bekannt für seine gemütliche Atmosphäre, war im Winter monatelang nur an drei Tagen der Woche geöffnet und bietet jetzt wieder täglich ab 12 Uhr seine Speisen an. Auch andere Küstenorte haben bereits ihr Mittagsangebot angepasst, da viele Gäste zunehmend später frühstücken und auf das traditionelle Mittagessen verzichten. Damit hat das Abendessen in der Gastronomie deutlich an Bedeutung gewonnen.
Wie Tophotel berichtet, ist der Fachkräftemangel ein zentrales Problem, da viele Mitarbeiter, die während der Corona-Pandemie gekündigt haben, nicht zurückkehren. In Mecklenburg-Vorpommern sank die Zahl der angestellten Personen in der Gastronomie im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent, während gleichzeitig die Gästezahlen anstiegen. Im Restaurant „Seeblick“ in Kummerow ist der Küchenschluss nach 20 Uhr bereits Realität, da nur vier Vollzeitköche für eine Sieben-Tage-Woche zur Verfügung stehen. Diese Personalengpässe führen nicht nur zu finanziellen Einbußen, sondern auch zu Unzufriedenheit bei den Gästen, die oft auf eine vollständige Speisekarte und einen reibungslosen Service hoffen.
Veränderte Lebensgewohnheiten und steigende Kosten
Die Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) weisen darauf hin, dass die geänderten Lebensgewohnheiten der Gäste einen erheblichen Einfluss auf die Gastronomie haben. Der Trend, später zu frühstücken und auf das Mittagessen zu verzichten, wird auch in Bäckereien in Schleswig-Holstein beobachtet – einige mussten sogar zeitweise schließen. In Westerland wurde als Reaktion auf die Situation eine Selbstbedienungs-Filiale eröffnet, in der Gäste bargeldlos und ohne Kassierer bezahlen können, wie SHZ berichtet.
Das Personalproblem wird jedoch nicht nur durch das veränderte Gästeverhalten verschärft. Die Branche sieht sich auch mit steigenden Kosten konfrontiert. So treiben hohe Energie-, Lohn- und Lebensmittelpreise die Ausgaben nach oben. Viele Betriebe sind bereits zu Preiserhöhungen gezwungen, da das Auslaufen der reduzierten Mehrwertsteuer auf Speisen etwa 90 Prozent aller Gaststätten trifft. Gerade in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Lage können viele Hoteliers und Gastronomen im ersten Halbjahr bereits von einem Umsatzrückgang von 11 Prozent berichten, wie eine Analyse von Zeit zeigt.
Die Zukunft der Gastronomie
Eine positive Wendung ist vorerst nicht in Sicht, denn die Personalsituation gilt als prekär. Immer mehr Betriebe setzen auf ungelernte Arbeitskräfte, was nicht nur die Servicequalität beeinträchtigt, sondern auch die Schwierigkeiten, ausgeschriebene Stellen, insbesondere für ausgebildete Köche, zu besetzen, verstärkt. In insgesamt 3.400 offenen Stellen auf dem Markt zeigt sich der Handlungsbedarf. Während die Branche sich bemüht, ihre Strukturen anzupassen, hagelt es immer wieder Warnungen seitens der Dehoga-Präsidenten – viele Betriebe stehen ohne grundlegende Veränderungen vor dem Aus.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Gastronomie in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auf einen schmalen Grat zwischen mangelndem Personal, veränderten Lebensgewohnheiten der Gäste und drückenden Kosten balanciert. Ob und wie sich die Situation bessern wird, bleibt abzuwarten, doch die aktuelle Lage ist für viele Beteiligte nicht einfach zu bewältigen.



