Urlaubssehnsucht oder Preisfalle? Die Wahrheit über Sommerreisen 2023
Die Sommerzeit steht vor der Tür, und die Gedanken vieler Deutschen schweifen schon in die Ferne – hin zu Urlaubsträumen und dem Wunsch nach Sonne, Strand und Erholung. Doch die Realität sieht für viele etwas trüber aus. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) kann sich jeder Fünfte in Deutschland keinen Sommerurlaub leisten. Hohe Lebenshaltungskosten und steigende Preise für Reisen lassen die Urlaubspläne oft platzen. Ein Beispiel gefällig? Eine Woche im guten Vier-Sterne-Hotel in Palmanova auf Mallorca schlägt mit satten 3648 Euro zu Buche – und das nur für zwei Erwachsene, inklusive Frühstück, aber ohne Flug und Transfer. Da bleibt einem die Spucke weg!
Doch nicht nur Mallorca zieht die Deutschen an – auch der Gardasee in Italien erfreut sich großer Beliebtheit, besonders bei unseren Nachbarn aus Baden-Württemberg und Bayern. Allerdings gibt es auch hier einen Trend zu steigenden Preisen. In den letzten Jahren sind luxuriöse Hotels entstanden, wo man für ein Zimmer zwischen 700 und 1000 Euro pro Nacht hinblättern muss. Wer es etwas günstiger mag, sollte Gargnano ins Auge fassen. Dieser malerische Ort gilt als Geheimtipp, weniger überlaufen und mit einem guten Drei-Sterne-Hotel, das für 200 Euro pro Nacht ein Doppelzimmer bietet. Die Preise für einfache Köstlichkeiten wie Pizza oder Gnocchi sind hier ebenfalls im Rahmen: Eine Pizza Capricciosa kostet zum Beispiel 9 Euro, und ein Limoncello Spritz schlägt mit 7 Euro zu Buche.
Preisanstieg und Luxus am Gardasee
Der Gardasee war früher ein echtes Schnäppchen, doch die Zeiten haben sich geändert. Preissteigerungen in Restaurants und Unterkünften machen die Region zunehmend zu einem Luxusziel. Eine Familie berichtete kürzlich, dass sie in Lazise für ein Abendessen 120 Euro ausgab – in Augsburg hätten sie dafür nur 80 Euro gezahlt. Auch Campingplätze, die einst als preiswerte Alternative galten, sind nun nicht mehr günstig. Ein Wohnwagenstellplatz für zwei Wochen kostet mittlerweile etwa 1.600 Euro, vor zehn Jahren waren es noch 500 Euro. In der Hochsaison sind die Preise für Hotels und Ferienwohnungen oft über 100 Euro pro Nacht, und Extras wie Frühstück sind häufig nicht inbegriffen.
Die Gründe für diese exorbitanten Preissteigerungen sind vielfältig: Gestiegene Energie-, Transport- und Personalkosten durch die Inflation, gepaart mit einer hohen Nachfrage während der Schulferien, drücken aufs Portemonnaie. Anbieter, die Luxuslagen direkt am See vermieten, nutzen ihre saisonale Preismacht aus und setzen die Preise hoch an. Wer also sparen möchte, sollte die Nebensaison ins Auge fassen. Einfachere Unterkünfte, wie Camping oder Apartments, können auch eine gute Option sein. Und vielleicht mal die Augen nach Alternativen wie Sizilien oder Rimini offen halten – dort sind die Preise nicht so überzogen.
Touristenströme und Reiseverhalten in der Post-Corona-Zeit
Nach zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen scheinen die Touristenströme wieder zu wachsen. Im letzten Jahr erreichten die Zahlen in Italien und Deutschland fast wieder das Niveau vor Covid-19. Laut der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen haben 58 % der Deutschen mindestens fünf Tage Urlaub gemacht und dabei sogar ihr Reisebudget erhöht. Deutschland bleibt das beliebteste Reiseziel der Deutschen, mit 41 % aller Reisen, während Italien mit 6,5 % auf dem zweiten Platz folgt. Es wird erwartet, dass dieser Trend auch 2023 weitergeht.
Doch während viele Deutsche bereit sind, für ihre Reisen mehr auszugeben, haben 45 % der Italiener ihr Reisebudget reduziert. Die Italienische Handelskammer für Deutschland (ITKAM) fördert die Vermarktung des Tourismus zwischen beiden Ländern mit verschiedenen Initiativen. Vielleicht also eine Gelegenheit für alle, die ein Stück Italien erleben möchten, ohne die Bank zu sprengen.
