Das Gastgewerbe in der Schweiz sieht sich aktuell mit einer brisanten Debatte konfrontiert. Der Regierungsrat des Kantons Bern hat sich entschieden, einen Vorstoß abzulehnen, der Restaurants und Hotels zur Annahme von Bargeld verpflichten wollte. Diese Initiative wurde von verschiedenen Grossratsmitgliedern der SVP, GLP, Mitte, FDP und EDU ins Leben gerufen und trifft auf gemischte Reaktionen. Immer mehr Betriebe im Gastgewerbe lehnen Barzahlungen ab und setzen stattdessen auf elektronische Zahlungsmittel. Das hat natürlich seine Gründe, aber es wirft auch einige Fragen auf, vor allem hinsichtlich der sozialen Teilhabe.

Ein zentrales Argument der Motionäre ist die potenzielle Diskriminierung von Personen, die keine digitalen Zahlungsmittel nutzen können. Das sind besonders ältere Menschen, Jugendliche ohne Kreditkarte oder Menschen ohne Bankkonto, sowie jene, die aus Datenschutzgründen lieber bar bezahlen möchten. Es ist ein interessantes Dilemma: Auf der einen Seite das Streben nach Modernität und Effizienz, auf der anderen die Notwendigkeit, niemanden außen vor zu lassen. Das Bundesgesetz sieht zwar vor, dass Schweizer Banknoten und Münzen als gesetzliche Zahlungsmittel akzeptiert werden müssen, doch viele Betriebe finden Wege, Bargeldzahlungen durch entsprechende Hinweise auszuschließen.

Bargeld als inklusives Zahlungsmittel

In Deutschland sind ähnliche Diskussionen im Gange. Die Diakonie Deutschland setzt sich zusammen mit der Bundesbank und mehreren sozialen Organisationen für den Erhalt von Bargeld ein. Ein gemeinsames Themenpapier hebt die Bedeutung von Bargeld als inklusives Zahlungsmittel hervor. Bargeld ist nicht nur ein Zahlungsmittel, es spielt auch eine zentrale Rolle im sozialen Gefüge. Ob beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt oder in Sozialkaufhäusern – Bargeld ermöglicht vielen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch bringt es auf den Punkt: Bargeld ist mehr als nur Geld, es ist ein Stück Freiheit.

Die Notwendigkeit, allen Menschen den Zugang zu bargeldlosen Zahlungsmitteln zu ermöglichen, wird ebenfalls betont. Dies ist besonders wichtig, da viele neue E-Zahlungsdienstleister es armutsbetroffenen Menschen nicht leichtmachen, Zugang zu diesen modernen Zahlungsmethoden zu erhalten. Ein Blick über den großen Teich zeigt, dass in den USA arme Menschen oft keinen Zugang zu bargeldlosen Zahlungsmitteln haben oder mit hohen Kosten belastet werden. Diese Problematik ist nicht nur eine Frage des Zugangs, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Trends im Zahlungsverhalten

Doch wie schaut es mit der Nutzung von Bargeld in Deutschland aus? Eine Studie der Deutschen Bundesbank zeigt, dass etwa die Hälfte der alltäglichen Bezahlvorgänge nach wie vor mit Bargeld getätigt wird. In den letzten zwei Jahren ist die Nutzung bargeldloser Zahlungsmethoden allerdings gestiegen. Interessanterweise hat sich der Anteil mobiler Bezahlverfahren seit 2021 verdreifacht. Die Debitkarte bleibt das beliebteste Zahlungsmittel, gefolgt von Bargeld. Was bedeutet das für die Zukunft? Die Bundesbank führt regelmäßig Studien zur Verwendung von Zahlungsmitteln durch, um die Trends im Zahlungsverhalten zu beobachten.

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81% der Befragten glauben, dass die meisten Transaktionen an physischen Zahlungsorten bargeldlos möglich wären. Dennoch empfinden 15% der Befragten den Zugang zu Bargeld als schwierig – eine Herausforderung, die sich sowohl in städtischen als auch ländlichen Regionen zeigt. Bargeld hat den Vorteil, die Privatsphäre zu schützen, während bargeldlose Zahlungsmittel vor allem durch Komfort und Schnelligkeit brillieren. Die Debatte um Bargeld und bargeldlose Zahlungen bleibt also spannend. Ob in der Schweiz oder in Deutschland, die Frage der sozialen Teilhabe und des Zugangs zu Zahlungsmethoden wird uns noch lange beschäftigen.