Gleichheit im Gehaltsdschungel: Warum Frauen weiterhin weniger verdienen
Es ist schon eine merkwürdige Sache mit den Löhnen in der Arbeitswelt. Man könnte meinen, dass die Gleichheit zwischen Männern und Frauen schon längst erreicht ist, aber weit gefehlt. Aktuelle Zahlen aus der Schweiz zeigen, dass Frauen im Jahr 2024 im Schnitt 15,7% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre anschaut, dann wird das Bild nicht gerade rosiger: 2022 lag der Lohnunterschied noch bei 16,2%, 2020 waren es 18% und 2018 sogar 19%! Diese Informationen stammen aus der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (BFS). Es ist eine klare Ansage, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, um echte Gleichheit zu erreichen.
Ein Teil des Lohnunterschieds lässt sich auf strukturelle Unterschiede zurückführen. Frauen finden sich oft in schlechter bezahlten Berufen wieder und haben seltener die Möglichkeit, Führungspositionen zu erreichen. Der unerklärte Lohnunterschied in der Gesamtwirtschaft beträgt 2024 übrigens 6,5%, was monetär gesehen 640 Franken brutto pro Monat entspricht. Ein kleiner Rückgang im Vergleich zu 2022, als dieser Unterschied noch bei 7,0% (657 Franken) lag. Aber was bedeutet das konkret für den Alltag der Frauen im Berufsleben? Im öffentlichen Sektor ist der Lohnunterschied bei 12,8%, im privaten Sektor sogar bei 17,2%. Im Gastgewerbe, wo viele von uns arbeiten, beträgt die Differenz 7,9%. Das sind alles Zahlen, die zum Nachdenken anregen.
Die Branchen im Fokus
Wenn wir uns die verschiedenen Branchen anschauen, wird das Bild noch differenzierter. Im Detailhandel liegt die Lohnlücke bei 16,9%, in der Maschinenindustrie bei 17,2% und im Kredit- und Versicherungsgewerbe sogar bei 30,6%. Man fragt sich, wie es sein kann, dass in der Maschinenindustrie und im Finanzsektor solche Unterschiede bestehen. Dabei ist der unerklärte Lohnunterschied je nach Branche sehr unterschiedlich: Im Gastgewerbe sind es nur 3,0% (191 Franken), während im Detailhandel 6,2% (606 Franken) und in der Maschinenindustrie 7,0% (829 Franken) erreicht werden. Im Kredit- und Versicherungsgewerbe liegt die unerklärte Differenz sogar bei 8,9% (1506 Franken). Das ist schon ein ordentlicher Batzen Geld, der da auf dem Tisch liegt!
Die Unternehmensgröße spielt ebenfalls eine Rolle. In kleinen Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten beträgt der unerklärte Lohnunterschied 8,6%, während große Unternehmen mit mindestens 1000 Beschäftigten nur auf 5,8% kommen. Wie sich dies auf die Kultur und die Arbeitsweise auswirkt, bleibt spannend. Ein weiterer Aspekt ist das Alter: Unter 30-Jährige haben einen unerklärten Unterschied von 2,2%, während es für über 50-Jährige bereits 8,3% sind. Hier zeigt sich, dass das Berufsleben für ältere Frauen noch herausfordernder sein kann.
Die Rolle der Bildung
Interessanterweise zeigt sich auch, dass der Bildungsweg einen Einfluss auf die Lohnunterschiede hat. Bei Personen mit einem Fachhochschul- oder pädagogischen Hochschulabschluss beträgt die Differenz 3,8%, während sie bei einer Berufsausbildung bei 6,6% liegt. Ledige Frauen haben einen unerklärten Lohnunterschied von 2,7%, während verheiratete Frauen mit 8,1% zu kämpfen haben. Das lässt einen schon ins Grübeln kommen. Wo bleibt die Gleichheit in der Entlohnung?
Das Thema ist nicht nur ein Zahlenproblem. Diskriminierungen sind nach wie vor ein großes Thema. Rund drei Viertel des Lohnabstands werden durch gesellschaftliche Strukturen erklärbar, wie die Antidiskriminierungsstelle betont. Frauen arbeiten häufig in schlechter bezahlten Berufen und haben seltener die Chance auf Führungspositionen. Überall dort, wo man von „bereinigtem“ und „unbereinigtem“ Gender Pay Gap spricht, bleibt die Frage: Was bedeutet das für die Frauen, die im Alltag kämpfen?
Der Gender Pay Gap ist ein zentraler Indikator für Verdienstungleichheit zwischen den Geschlechtern. Er spiegelt nicht nur Lohnunterschiede wider, sondern auch den Gender Employment Gap und den Gender Hours Gap. Diese drei Dimensionen sind entscheidend, um die Ursachen von Verdienstungleichheit zu verstehen. Es ist ein komplexes Geflecht aus sozialen, strukturellen und individuellen Faktoren, das oft schwer zu entwirren ist. Aber eines ist klar: Es bleibt noch viel zu tun, um die Gleichheit in der Arbeitswelt zu fördern und echte Chancengleichheit zu schaffen.
