Der Tourismus ist für die Südtiroler Wirtschaft eine unverzichtbare Säule. Dies wird nicht nur von den Hoteliers und Gastwirten, dem HGV, betont, sondern ist auch in den Zahlen deutlich sichtbar. Rund 5,15 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe jährlich. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, oder? Aber wie bei jeder Erfolgsgeschichte gibt es auch Herausforderungen. Die Balance zwischen einem wirtschaftlich starken und verantwortungsvollen Tourismus ist ein Thema, das immer wieder auf den Tisch kommt. Schließlich soll die touristische Entwicklung nicht auf Kosten der Lebensqualität der Bevölkerung oder der Landschaft gehen.

Im Villnößtal zum Beispiel ist die Situation mittlerweile angespannt. Die starke Zunahme von Tages- und Fototouristen führt zu Belastungen für die ansässige Bevölkerung und die Natur. Überfüllte Busse und stark frequentierte Wiesen sind nur einige der Herausforderungen, mit denen die Einheimischen konfrontiert sind. Die Initiative von Tourismuslandesrat Luis Walcher zur Besucherlenkung wird daher von vielen begrüßt. Klar, dass der HGV auch hier wirksame Maßnahmen und klare Regeln fordert, um den ungesteuerten Tagestourismus in den Griff zu bekommen.

Besucherlenkung und nachhaltige Lösungen

In einer Sitzung in Bozen hat Walcher die Idee einer eigenen Initiativgruppe ins Leben gerufen. Das Ziel? Vorhandenes Wissen bündeln und konkrete Maßnahmen entwickeln, die nicht nur die Besucherströme besser steuern, sondern auch nachhaltige Mobilitätslösungen und ein effektives Parkplatzmanagement umfassen. Dabei stehen auch der Schutz sensibler Naturräume und die klare Information der Gäste im Fokus. Die Herausforderungen sind vielfältig. In Santa Maddalena und an den Panoramapunkten mit Blick auf die Geisler haben sich die Touristenströme derart verdichtet, dass Einheimische teilweise nicht mehr in die überfüllten Busse einsteigen können. Ein Umstand, der die Lebensqualität der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt.

Roswitha Moret, Referentin für Santa Maddalena, hat von den unterschiedlichen Belastungsphasen in der Sommersaison berichtet. Zu Spitzenzeiten war es eine Herausforderung, den Alltag aufrechtzuerhalten. Und die Reisebusse, die sich nicht an die Regeln halten, tun ihr Übriges. Es ist ein Drahtseilakt zwischen einem florierenden Tourismus und dem Schutz der Lebensqualität vor Ort. Bürgermeister Peter Pernthaler sieht in den Gesprächen mit der Landesregierung einen wichtigen Schritt, um die Entwicklung des Gebiets aktiv zu steuern.

Die Zahlen sprechen für sich

Die aktuelle Situation wird auch durch den Jahresbericht 2024 der Beobachtungsstelle für nachhaltigen Tourismus in Südtirol (STOST) untermauert. Der Tourismus trägt nicht nur 11,4 % zum regionalen Bruttoinlandsprodukt bei, sondern hat auch im Jahr 2023 mit über 8,4 Millionen Ankünften und 36,1 Millionen Übernachtungen neue Rekordwerte erzielt. Das ist eine beachtliche Steigerung, die zeigt, wie wichtig der Sektor ist. Doch mit dem Wachstum kommen auch Herausforderungen. Overtourism und die damit verbundene Belastung sozialer und natürlicher Ressourcen werden immer mehr zum Thema.

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Die Erholung des Tourismus nach den pandemiebedingten Rückgängen ist erfreulich, aber die Frage bleibt: Wie gelingt es, das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Erfolg und der Erhaltung der Lebensqualität zu halten? Die von Walcher vorgeschlagene Initiativgruppe soll nicht nur kurzfristige Lösungen finden, sondern auch langfristige Strategien entwickeln. Schließlich ist es das Ziel, dass die Attraktivität des Tals mit dem Landschaftsschutz und der Lebensqualität der Bevölkerung vereinbar bleibt. Ein hehres Ziel, das auf jeden Fall Unterstützung verdient.