Berlin im Abwärtstrend: Hotellerie kämpft mit sinkenden Margen und steigenden Kosten
Heute ist der 13.10.2026, und während die Blätter anfangen, sich zu verfärben und die Temperaturen sinken, werfen wir einen Blick auf die aktuelle Lage in der europäischen Hotel- und Gastgewerbebranche. Die wirtschaftliche Belastung, die Unternehmen in der Reisebranche, Freizeitwirtschaft und insbesondere in der Hotellerie spüren, ist laut neuesten Berichten von Weil, Gotshal & Manges deutlich gestiegen. Der Weil European Distress Index liegt bei +1,2 – ein Anstieg von -2,1 im Vorjahr. Das bedeutet nichts Gutes für die Margen, die unter dem Druck von steigenden Treibstoff-, Lohn- und Energiekosten leiden. So ist die Nachfrage nach Reisen und Unterkünften zwar stabil geblieben, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen den Betrieben arg zu.
Besonders in Berlin zeigt sich diese Entwicklung sehr deutlich. Laut Cushman & Wakefield ist das Bruttobetriebsergebnis je verfügbarem Zimmer (GOPPAR) um 12 % auf 50 Euro gesunken. Im Vergleich zu anderen Metropolen wie London und Mailand, die sogar Zuwächse verzeichnen konnten, sieht Berlin ziemlich alt aus. London hat beispielsweise eine positive Entwicklung von +5 % auf 158 Euro, während Mailand mit +34 % auf 115 Euro glänzt. Paris bleibt nach wie vor die unangefochtene Nummer eins mit einem GOPPAR von 161 Euro.
Die Herausforderungen für die Hotellerie
Betrachtet man die Bruttobetriebsergebnismarge, wird die Situation nicht besser. In Berlin beträgt diese lediglich 26 % – die niedrigste im Städtevergleich. Das ist ein Rückgang von 2,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. In Städten wie London und Edinburgh ist die Marge hingegen erfreulich hoch: 47 % und 46 %. Die Branche wird nicht nur durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen belastet, sondern auch durch eine anhaltende geopolitische Unsicherheit. Die Personalkosten, die als wichtigster Kostentreiber gelten, sind im Durchschnitt um 1,7 % gestiegen. Besonders stark betroffen sind Budapest, Paris und Mailand mit Zuwächsen von bis zu 10,6 %.
Aber auch die Beschäftigungslage in der Branche ist einen Blick wert. Im Jahr 2022 beschäftigte die Branche mehr als 32 Millionen Menschen in Europa. Besonders bemerkenswert: Die Fluktuation lag 2023 bei 38 %. Das bedeutet, dass viele Betriebe mit Herausforderungen zu kämpfen haben, um qualifiziertes Personal zu halten. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter liegt immerhin bei 72 von 100 Punkten – doch das ist noch ausbaufähig. Überstunden und Krankheitsabwesenheiten sind ebenfalls an der Tagesordnung. Die Branche hat also noch Luft nach oben.
Ein Blick auf das Konsumentenverhalten
<pEin interessanter Aspekt ist das Konsumentenverhalten, das sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat. 68 % der europäischen Reisenden bevorzugen mittlerweile nachhaltige Unterkünfte. Das zeigt, dass das Thema Umweltbewusstsein im Gastgewerbe immer wichtiger wird. Der Mittelmeerraum bleibt mit 42 % das bevorzugte Reiseziel. Bei Buchungen spielen Preis und Lage eine entscheidende Rolle: 35 % der Reisenden achten darauf, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, während 28 % Wert auf die Lage legen. Das zeigt, dass die Gäste durchaus wählerisch sind und neben Komfort auch auf Nachhaltigkeit achten.
Die durchschnittliche Hotelauslastung in Europa beträgt derzeit 62,3 %. Das ist nicht schlecht, aber definitiv ausbaufähig. Im Vergleich dazu erreichen Mittelklassehotels die höchste Auslastung von 66,2 %. Besonders spannend sind auch die Zahlen zu den Buchungen: 70 % der Erstreisenden buchen digital, und 81 % nutzen soziale Medien zur Reiseplanung. Das zeigt, wie wichtig eine gute Online-Präsenz für die Hotellerie ist.
Nachhaltigkeit im Fokus
Ein weiterer Punkt, der nicht unter den Tisch fallen darf, ist die Nachhaltigkeit. Bis 2023 hatten bereits 35 % der europäischen Hotels mindestens eine Umweltzertifizierung. Angesichts der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Praktiken könnte das für viele Betriebe ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Die Hotels haben ihren Energieverbrauch seit 2020 um 21 % reduziert, was zeigt, dass hier ein Umdenken stattfindet. Die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Nachhaltigkeit im Gastgewerbe stieg von 3,5 Millionen im Jahr 2020 auf 4,2 Millionen im Jahr 2023. Das sind positive Entwicklungen, die Hoffnung machen.
Die Herausforderungen sind gewaltig, und die Branche muss sich neu erfinden, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch trotz aller Widrigkeiten bleibt die Nachfrage nach Reisen und Unterkünften stabil, und das könnte der Schlüssel sein, um aus dieser schwierigen Phase gestärkt hervorzugehen. Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit die Branche die aktuellen Herausforderungen meistern kann und ob sie sich an die neuen Anforderungen der Reisenden anpassen wird.
