Steuererhöhungen auf Alkohol in Marokko: Auswirkungen auf Tourismus und Gastronomie im Haushaltsentwurf 2027
Im Finanzausschuss der marokkanischen Abgeordnetenkammer ging es am 3. November hoch her. Die Abgeordneten diskutierten über die geplanten Steuererhöhungen auf Alkohol- und Tabakprodukte im Haushaltsentwurf für 2027. Die Spannung war förmlich greifbar, als sowohl Vertreter der Regierungsmehrheit als auch der Opposition – darunter Fadoua Rajouani von der Sozialistischen Union der Volkskräfte und Sanaa Fawzi von der Alliance of the Left Federation – ihre Bedenken äußerten. Der Tenor: Höhere Abgaben könnten den Tourismus und den regulären Handel empfindlich treffen. Man stelle sich vor – mehr Kosten für Bier und Wein in Geschäften, Hotels und Restaurants! Das könnte nicht nur die Preise in die Höhe treiben, sondern auch den informellen Handel ankurbeln, wo man ja weiß, dass die Qualität oft auf der Strecke bleibt.
Die Sorgen sind nicht unbegründet. Wenn die Preise steigen, könnte das auch die Gewinnmargen in der Gastronomie und den Einzelhandel drücken. Ein Rückgang in der Nachfrage nach regulierten Produkten könnte die Branche ins Schwanken bringen. Im Ausschuss wurde sogar überlegt, ob lokal produzierte Getränke anders besteuert werden sollten als importierte. Finanzminister Fouzi Lekjaa hat jedoch die Erhöhungen verteidigt – Bier soll demnach um 1,55 Dirham pro Liter teurer werden, während Wein um 1,15 Dirham pro Liter steigen soll. „Das sind doch nur Kleinigkeiten“, so Lekjaa. Er ist der Meinung, dass diese Beträge die Wahl Marokkos als Reiseziel nicht negativ beeinflussen würden.
Folgen für den Tourismus und das Gastgewerbe
Doch was bedeutet das für die Hotellerie und Gastronomie in Marokko? Kritiker warnen vor möglichen Preiserhöhungen, die nicht nur Touristen abschrecken könnten, sondern auch die einheimische Bevölkerung belasten würden. Die Abgeordneten sind sich einig: Ein differenzierter Ansatz ist nötig, um die Auswirkungen auf Betriebe, die sowohl Einheimischen als auch Touristen Alkohol verkaufen, zu mildern.
Die geplanten Änderungen zur Alkoholbesteuerung könnten weitreichende Folgen haben. Der neue Entwurf sieht vor, dass die Steuer künftig mehr vom Verkaufspreis abhängt, nicht nur vom Produktvolumen. Das bedeutet, dass die Abgaben in Zukunft bei 30 % für Bier und Wein und sogar 50 % für bestimmte Spirituosen liegen könnten. Und die Mindestbeträge? Die bleiben bestehen. Das könnte besonders für kleinere Brauereien und Restaurants eine Herausforderung darstellen.
Der Markt im Wandel
Marokkos Alkoholmarkt ist nicht zu unterschätzen. Jährlich werden rund 120 Millionen Liter Alkohol konsumiert, und die staatlichen Einnahmen aus Alkoholsteuern sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Von etwa 709 Millionen MAD im Jahr 2014 auf über 2 Milliarden MAD im Jahr 2022. Die Prognosen für 2027 sind optimistisch – fast 4 Milliarden MAD sollen es werden. Das klingt nach einer goldenen Gelegenheit, könnte aber auch die Preise weiter in die Höhe treiben.
Die Branche steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss Absatz und Margen sichern, während sie gleichzeitig mit illegalen und unversteuerten Produkten konkurrieren muss. Und während der durchschnittliche Konsum pro Kopf gesunken ist, bleibt der Verbrauch unter den Alkoholkonsumenten über 15 Jahren alarmierend hoch. Es ist ein schmaler Grat zwischen Regulierung und Marktverdrängung, auf dem sich die Verantwortlichen bewegen müssen.
Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich die Lage entwickelt – und ob die Abgeordneten einen Weg finden, die Steuerpolitik so zu gestalten, dass sowohl der Tourismus als auch die lokale Wirtschaft nicht auf der Strecke bleiben. Die Plätze in den Restaurants und die Zimmer in den Hotels sollten schließlich auch weiterhin gut gefüllt sein!
