Die US-Alkohol- und Gastronomiebranche steht unter Druck. Eine Koalition aus 58 Verbänden hat sich zusammengeschlossen, um Ausnahmen von Zöllen auf Wein und Spirituosen zu fordern. Diese Maßnahme könnte entscheidend sein, um die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen Restaurants, Bars und Produzenten derzeit konfrontiert sind. Die Gruppe Toasts Not Tariffs hat formelle Stellungnahmen eingereicht, die darauf abzielen, die Regierung dazu zu bewegen, einen fairen und gegenseitigen Handel mit der EU und Großbritannien anzustreben. Ihr Ziel ist es, marktöffnende Abkommen zu sichern und den dauerhaften Zugang für US-Weine und -Spirituosen in allen kanadischen Provinzen zu gewährleisten.
Die Gründe für diese Initiative sind vielschichtig. Der Gastgewerbesektor kämpft mit Inflation, hohen Lebensmittelpreisen, fragilem Beschäftigungswachstum und sinkendem Verbrauchervertrauen. Über 3,5 Millionen Arbeitsplätze in den USA hängen direkt von der Produktion, dem Vertrieb und dem Verkauf von Wein und Spirituosen ab. Diese Sektoren tragen jährlich mit 476 Milliarden Dollar zur Wirtschaftsleistung bei, wobei Alkoholverkäufe etwa 21% des Umsatzes von Full-Service-Restaurants ausmachen. Zölle auf Wein und Spirituosen stellen somit eine direkte Bedrohung für Gastronomiebetriebe dar.
Die Auswirkungen der Zölle auf den Export
Die Herausforderungen, vor denen die US-Weinproduzenten stehen, sind besonders gravierend. Ein Jahr nachdem US-Weine aufgrund von Zöllen aus kanadischen Läden verbannt wurden, meldet das Wine Institute den schwersten Exporteinbruch in der Geschichte des US-Weinhandels. Während 2024 noch 36 Prozent aller US-Weinexporte nach Kanada gingen, sind es 2025 nur noch 12 Prozent. Der Exportwert fiel von umgerechnet 362 Millionen Franken auf lediglich 81 Millionen Franken.
Die kanadischen Alkoholmonopole haben strenge Vorschriften, die den Zugang zu ihrem Markt regeln. In bevölkerungsreichen Provinzen wie Ontario und Quebec werden US-Produkte zunehmend aus dem Sortiment entfernt. Dies wirkt sich besonders auf kleine und mittlere Familienbetriebe aus, die 95 Prozent der US-Weinproduzenten ausmachen. Viele dieser Produzenten haben bereits über eine Million Kisten à zwölf Flaschen Wein speziell für den kanadischen Markt etikettiert, die sich ohne teure Umetikettierungen nicht für andere Exportländer eignen.
Verborgene Herausforderungen im transatlantischen Handel
Die Situation wird durch die grundlegend neu ausgerichtete Handelspolitik der USA, die Anfang 2025 in Kraft trat, weiter kompliziert. Zollerhöhungen haben das Außenhandelsgeschäft deutscher Unternehmen erheblich erschwert. Der durchschnittliche US-Importzoll für EU-Waren stieg von knapp 2% auf mindestens 15%, während Zölle auf Kupfer-, Stahl- und Aluminiumprodukte sogar bis zu 200% betragen können. Diese hohe Zollerhöhung hat dazu geführt, dass deutsche Exporte in die USA von Januar bis November 2025 um rund 15 Milliarden Euro sanken.
Während die EU und die USA im August 2025 eine Einigung zur Begrenzung der US-Zölle erreichten, bleiben Unsicherheiten bestehen. Die Diskussion über die Ratifizierung dieser Zolleinigung im Europäischen Parlament zeigt, dass viele Unternehmen einen proeuropäischen Kurs bei Verhandlungen mit den USA wünschen. Die Forderungen nach einer Stärkung der EU-Souveränität und dem Abbau strategischer Abhängigkeiten werden immer lauter.
In Zeiten, in denen die Weltwirtschaft vor vielfältigen Herausforderungen steht, ist es entscheidend, dass die Akteure im Gastgewerbe und in der Alkoholbranche zusammenarbeiten und sich für einen fairen Handel einsetzen. Nur so können sie die existenziellen Bedrohungen durch Zölle und Handelsbarrieren abwenden.