Reisende mit Wohnmobil oder Camper – die sind nicht immer die idealen Gäste im Gastgewerbe, könnte man denken. Doch in der Schweiz haben einige Hotels und Gasthöfe die Zeichen der Zeit erkannt und bieten Stellplätze für Camping-Touristen an. Ein echter Trend, der nicht erst seit der Coronapandemie besteht, aber durch sie einen kräftigen Schub bekommen hat. Man könnte sagen, die Branche hat die Chance genutzt, um Gäste zu empfangen, die sonst vielleicht nicht in den Genuss ihrer Angebote gekommen wären.

Ein Beispiel ist das Boutique Hotel Römerhof in Arbon/TG, das seit der Pandemie Stellplätze zur Verfügung stellt. Die Idee entstand aus der Not heraus, während der Einschränkungen Gäste zu empfangen. Die Stellplätze sind kostenlos, wenn man im Restaurant mehr als 100 Franken konsumiert – sonst zahlt man 10 Franken pro Nacht. Toiletten im Hotel können genutzt werden, was den Aufenthalt für die Camper deutlich angenehmer macht. Nach der Pandemie blieb die Nachfrage jedoch nicht ganz konstant, im letzten Jahr gab es einen Rückgang. Man fragt sich, ob dieser Trend weiter anhält oder ob es nur ein Strohfeuer war.

Die Vielseitigkeit der Angebote

Das Hotel Ibis Zürich-Adliswil hat während der Pandemie ebenfalls Stellplätze eingerichtet. Hier kam die Idee von einem Mitarbeiter, der selbst Camper ist. Es handelt sich um einfache Stellplätze – ohne Strom- und Wasseranschluss, aber die Duschmöglichkeiten sind situativ verfügbar. Für 35 Franken pro Person und Nacht, inklusive Frühstück, können Camper hier eine Nacht verbringen. Die positiven Erfahrungen mit diesen Gästen zeigen, dass die Lage sehr geschätzt wird. Wer hätte gedacht, dass die Übernachtungen in einem Hotel auch für Camper so attraktiv sein können?

Ein weiteres Highlight ist das Hotel Segnes in Elm/GL, das seit 2023 einen kleinen Campingplatz für sechs Fahrzeuge anbietet. Der Preis liegt bei 28 Franken pro Nacht zuzüglich Gästetaxe, und man hat Zugang zu Stromanschluss und Toiletten. Besonders spannend: Die Gäste erhalten den Glarnerland-Pass, der kostenlosen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und diverse Vergünstigungen bietet. Verpflegung im Hotelrestaurant ist auf Anmeldung möglich, doch Duschmöglichkeiten fehlen momentan. Das zeigt, dass es auch hier noch Raum für Verbesserungen gibt.

Rückgänge und Rückkehr zur Normalität

Während die Campingplätze florieren, sieht die Lage für die Hotellerie im Allgemeinen etwas anders aus. Die Anzahl der Gästeübernachtungen ist seit Beginn der Coronapandemie in vielen Bundesländern prozentual gesunken. Im Jahr 2020 erlebten wir einen Rückgang von durchschnittlich 59,7% bei ausländischen Gästen und 34,8% bei inländischen Gästen. Nur wenige Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Hamburg konnten sich ein wenig erholen und verzeichneten geringe Anstiege bei den Übernachtungen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Rückkehr zur Normalität ist ein langsamer Prozess. Zwar stiegen die Übernachtungen in Deutschland 2024 auf einen Rekord von 496,1 Millionen, was einer Steigerung von 1,9 Prozent im Vergleich zu 2023 entspricht, doch die Hotellerie hat noch einen langen Weg vor sich. Während Ferienunterkünfte das Niveau von 2019 übertrafen, bleibt die Hotellerie 2,2 Prozent darunter. Campingplätze hingegen verzeichneten einen Anstieg der Übernachtungen um beeindruckende 19,9 Prozent im Vergleich zu 2019. Das spricht Bände über den aktuellen Trend.

Die deutsche Tourismusbranche hat sich also gewandelt. Die Anziehungskraft Deutschlands als Reiseland bleibt stark, doch die Hotellerie muss sich den Herausforderungen eines veränderten Reiseverhaltens stellen. Immer mehr Menschen ziehen das Abenteuer auf dem Campingplatz dem Hotelaufenthalt vor. Wer weiß, vielleicht wird das Campen der neue Standard – und die Hotels müssen kreativ werden, um im Wettbewerb zu bestehen. Es bleibt spannend!