Der Aufbruch der Schweizer Weinkultur: Mit Leidenschaft gegen den Abwärtstrend
Die Welt des Schweizer Weins steht vor einem spannenden Wandel! Pierre-Alain Bapst, der seit Anfang März Direktor von Swiss Wine Promotion ist, bringt frischen Wind in die Organisation. Mit einem klaren Ziel vor Augen – die emotionale Verbindung zur Marke „Swisswine“ zu stärken – plant er eine landesweite Kampagne, die Ende September starten soll. Das Ziel? Weinerlebnisse zu schaffen, die in Erinnerung bleiben. Bapst möchte, dass wir alle beim Gedanken an Wein sofort an heimische Crus denken, diese kaufen oder in Restaurants bestellen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, das viel Potenzial birgt.
Bapst sieht Wein als ein regionales Produkt, das in seiner Wertigkeit dem Käse in nichts nachsteht. Er selbst genießt gerne ein Glas Wein, sei es zu einem feinen Essen oder einfach nur zum Entspannen. Und ganz ehrlich, wer kann ihm da widersprechen? Die gesellschaftlichen Regeln, die den Weingenuss auf bestimmte Zeiten beschränken wollen, lehnt er entschieden ab. „Wein gehört zum Leben“, könnte man sagen, und das hat er auch in seiner Zeit als Direktor von Terroir Fribourg gelernt.
Ein Aufruf zur Veränderung in der Gastronomie
Die Gastronomie spielt eine zentrale Rolle im Konsum von Schweizer Wein. Ein großer Teil wird in Restaurants getrunken, und hier sieht Bapst enormes Potenzial für den glasweisen Ausschank. Er wünscht sich, dass jedes Restaurant in der Schweiz mindestens drei Schweizer Weißweine und drei Rotweine im Glas anbietet. Denn die Weinkarte ist für viele Gäste ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl eines Lokals. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist Weiterbildung in der Gastronomie unerlässlich. Swiss Wine Promotion bietet mit dem Swiss Wine Campus eine Plattform, die Servicemitarbeiter schult und sie befähigt, eine breite Palette an Schweizer Weinen anzubieten.
Leider sieht die aktuelle Situation nicht rosig aus. Der Weinkonsum in der Schweiz wird 2024 voraussichtlich bei 218,4 Millionen Litern liegen, was einem Rückgang von 18,6 Millionen Litern im Vergleich zu 2023 entspricht. Besonders betroffen ist der Konsum von Schweizer Rotwein, der um 20,7 % gesunken ist. Solche Zahlen machen nachdenklich und zeigen, dass Bapsts Mission wichtiger denn je ist. Die veränderten Konsumgewohnheiten, vor allem bei jüngeren Menschen, werfen Fragen auf. Sinkender Alkoholkonsum und die gesellschaftliche Dämonisierung von Wein könnten der Grund sein, warum wir uns in einer Abwärtsspirale befinden.
Ein Netzwerk für die Gastronomie
In dieser herausfordernden Zeit ist das Netzwerk „Swiss Wine Gourmet“ entstanden, das Gastronomen unterstützt, die Schweizer Weine in den Vordergrund stellen. Hier wird versucht, das veraltete Image von Schweizer Wein zu überwinden und Konsumenten über Produktionsbedingungen und -kosten zu informieren. Die Gesellschaft hat sich verändert, und es ist an der Zeit, dass sich auch die Wahrnehmung von Wein wandelt. Bapst kritisiert die übertriebene Regulierung und betont, dass Wein zum Essen ein kleineres Problem darstellt als andere Lebensmittelbestandteile wie Zucker oder Salz. Es ist ein Aufruf, die Freude am Wein wiederzuentdecken.
Der Weg ist steinig, aber mit der Leidenschaft und dem Engagement von Menschen wie Pierre-Alain Bapst kann der Schweizer Wein wieder in den Mittelpunkt rücken. Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr auf die heimischen Crus setzen und uns die Zeit nehmen, diesen einzigartigen Genuss zu feiern. Denn irgendwie, ganz ehrlich, haben wir das verdient!
