Das Jahr 2026 ist noch jung, doch die Gastronomie in Nordrhein-Westfalen steht bereits jetzt auf der Kippe. Die Vorweihnachts- und Wintersaison wirft ihre Schatten voraus und die Sorgenfalten bei den Gastronomen und Hoteliers werden tiefer. Laut einer Mitgliederbefragung von Dehoga NRW sind die Prognosen alles andere als rosig; viele Unternehmen verzichten mittlerweile auf Weihnachtsfeiern. Auch der Karneval, der normalerweise für volle Säle sorgt, ist nicht mehr ausgebucht – ein besorgniserregendes Zeichen für die Branche. Die angespannte Lage betrifft nicht nur die Gastronomie, sondern auch die Hotellerie. Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Betriebsschließungen in NRW um 14 Prozent auf rund 3900, während lediglich 3000 Neugründungen entgegenstanden. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Branche in einem Dauerkrisenmodus steckt.

Die wirtschaftliche Lage ist auch durch die Inflations- und Energiekrise belastet. Menschen sparen beim Restaurantbesuch, was sich fatal auf die Umsätze auswirkt. Gerade bei Martinsessen fordern viele Kunden ein Gänsemenü für maximal 25 Euro – eine Herausforderung für die Gastronomen, die aufgrund gestiegener Einkaufskosten die Preise nicht halten können. Während die realen Gastronomieumsätze im August 2026 um 4,2 Prozent unter dem Vorjahreswert lagen, stiegen die nominalen Umsätze um 2,7 Prozent. Das klingt nicht nach einer Wende zum Besseren. Im Gegenteil, die Sorgen um steigende Lebensmittel- und Energiepreise halten die Menschen davon ab, den Gang ins Restaurant zu wagen.

Insolvenzwelle und Fachkräftemangel

Ein weiterer Dämpfer für die Branche ist die steigende Zahl der Insolvenzen. Von 2020 bis 2025 gab es bundesweit über 11.000 Insolvenzen in der Gastronomie. Insbesondere die Jahre 2024 und 2025 waren dramatisch, mit einem Anstieg der Insolvenzen um 26,5 Prozent beziehungsweise 29,6 Prozent. Besonders betroffen sind Restaurants, Gaststätten und Imbissstuben, wo die Insolvenzen um 30,5 Prozent zugenommen haben. Man könnte meinen, die Branche stehe vor dem Aus – das Gefühl der Ohnmacht ist greifbar.

Der Fachkräftemangel scheint sich paradox zu verändern. Während die Anzahl der ausgeschriebenen Fachkräftestellen im Hotel- und Gastgewerbe in NRW bei knapp 3200 liegt, stehen mehr als 7000 qualifizierte Arbeitslose zur Verfügung. Das Institut der deutschen Wirtschaft bewertet die Fachkräftelücke in NRW als faktisch geschlossen. Doch die wirtschaftliche Erholung bleibt fraglich; der Bedarf an Neueinstellungen ist deutlich gesunken. Das unterstreicht die angespannte Personalsituation in vielen Betrieben.

Eine Branche im Umbruch

Ein weiterer Belastungsfaktor ist der steigende Mindestlohn, der zusätzlich Druck auf die ohnehin schon maroden Margen ausübt. Dehoga-Präsident Patrick Rothkopf fordert, die Tarifpolitik und die Festlegung des Mindestlohns wieder den Arbeitgebern und Gewerkschaften zu überlassen. Das klingt nach einem Aufruf zur Rückkehr zu mehr Flexibilität in einer Zeit, in der die Branche dringend Anpassungen benötigt.

Die Verlagerung des Konsums hin zu Lieferdiensten und das sinkende Interesse an Restaurantbesuchen wirft Fragen auf: Wie kann die Gastronomie in diesem sich ständig verändernden Markt bestehen bleiben? Die Eigenkapitalquoten der Betriebe liegen deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, und 38,7 Prozent der Unternehmen haben eine Eigenkapitalquote von weniger als 10 Prozent. Ein beunruhigendes Zeichen!

Die Situation ist angespannt, das Klima frostig. Die Gastronomie hat sich in den letzten Jahren gewandelt und kommt nicht mehr aus dem Quark. Die Herausforderungen sind vielfältig, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Branche anpassen wird. Die Absenkung der Umsatzsteuer könnte vielleicht eine kleine Erleichterung bringen, aber die Frage bleibt: Ist das nicht ein bisschen zu spät für viele? Die Zukunft der Gastronomie wird uns allen noch einige Überraschungen bescheren, dessen können wir uns sicher sein.