Kampf um die Buchung: Österreichs Hotellerie zwischen Direktvertrieb und OTA-Dominanz
Heute ist der 16.09.2026 und die Hotellerie in Österreich steht vor großen Herausforderungen. Ein Thema, das die Branche bewegt, ist die Marktkonzentration im Bereich der Online-Buchungsplattformen (OTAs). Wer hätte gedacht, dass mehr als jede vierte Buchung mittlerweile über solche Plattformen erfolgt? Und das, obwohl Österreichs Hotellerie nach wie vor einen starken Direktvertrieb hat – rund 60% der Buchungen kommen direkt von den Hotels. Georg Imlauer, der Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, hat die Situation treffend beschrieben: Die Dominanz von Booking Holdings und Expedia Group ist eine echte Herausforderung für kleine und mittlere Hotels, die oft um ihre Verhandlungsposition kämpfen müssen.
In Europa haben diese beiden Giganten sage und schreibe 85,4% aller OTA-Buchungen in der Hand. In Österreich sind es sogar 88,5%. Das macht die Sache nicht einfacher. Die kleinen und mittleren Betriebe sehen sich einer starken Konkurrenz gegenüber, und das führt oft zu einer Preissituation, die alles andere als fair ist. Tatsächlich berichten 51% der befragten Hotels von Preisunterbietungen durch OTAs, und 80% der betroffenen Hotels haben dem nicht zugestimmt. Wer hat schon Lust, seine Preise unter Druck setzen zu lassen?
Die Herausforderung der Stornierungen
Ein weiteres Problem, das viele Hotels beschäftigt, sind die Stornierungsraten. Sie sind bei OTA-Buchungen deutlich höher. Während die Stornierungsrate über die eigene Hotelwebsite bei 9,1% liegt, schießt sie bei Expedia auf 11,7% und bei Booking.com sogar auf 19%! Das ist mehr als doppelt so hoch wie bei Direktbuchungen! Diese hohen Raten bringen nicht nur Unsicherheit in die Planung, sondern auch zusätzlichen administrativen Aufwand. Kein Wunder, dass die Branche nach mehr Transparenz und fairen Wettbewerbsbedingungen ruft.
Die „European Hotel Distribution Study 2026“ zeigt, dass diese Themen nicht nur in Österreich, sondern europaweit von Bedeutung sind. Die Studie, die auf Daten von 2.713 Hotels aus 28 europäischen Ländern basiert, weist auf die starke Markt-Konzentration hin. Und das seit 2014 in Zusammenarbeit mit nationalen Hotelverbänden. Es ist also ein Thema, das nicht einfach verschwindet, sondern vielmehr an Bedeutung gewinnt.
Die Zukunft des Hotelvertriebs
Wohin geht die Reise? Der Direktvertrieb wird immer mehr zum entscheidenden Faktor. Hotels können dort nicht nur ihre Preisgestaltung besser kontrollieren, sondern haben auch direkten Kontakt zu ihren Gästen. Das ist nicht nur für die Kundenbindung wichtig, sondern auch für die Zahlungsabwicklung. Immer mehr Betriebe setzen auf eigene Websites und optimieren ihre Vertriebsstrategien. In Deutschland beispielsweise stieg der Anteil der Direktbuchungen von 67,3% auf 59,7%. Das zeigt, dass der Markt in Bewegung ist, wenn auch nicht ohne Widerstände.
Die Nutzung von Channelmanagern hat ebenfalls zugenommen: 66% der Hotels steuern ihre Vertriebskanäle darüber. Immer mehr Betriebe setzen auf innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz, was zeigt, dass die Branche bereit ist, sich anzupassen und weiterzuentwickeln. Eines ist klar: Die Zukunft des Hotelvertriebs wird von einer Vielzahl von Faktoren geprägt sein, und die Akteure müssen flexibel bleiben, um im Spiel zu bleiben.
Die Situation ist also komplex und bringt viele Herausforderungen mit sich. Aber es gibt auch Lichtblicke und Chancen für die Hotels, sich neu zu positionieren und die Kontrolle über ihren Vertrieb zurückzugewinnen. In einer Welt, die sich ständig verändert, ist es wichtig, nicht den Mut zu verlieren und kreative Lösungen zu finden. So bleibt die Branche dynamisch, und das ist schließlich das, was sie ausmacht.
