Heute ist der 4.07.2026 und die Diskussionen rund um die Kollektivvertragsverhandlungen im Tourismus sind in vollem Gange. Die Gewerkschaft vida hat die Verhandlungen mit einer rollierenden Inflation von 3,6 Prozent im Hinterkopf gestartet. Eva Eberhart, die Verhandlungsleiterin, lässt keinen Zweifel daran, dass Abschlüsse unter dieser Inflationsrate zu realen Einkommensverlusten führen würden. Das ist ein ganz schöner Hammer, denkt man sich, vor allem wenn man bedenkt, dass viele Beschäftigte im Tourismussektor an der Armutsgrenze leben. Da fühlt man sich doch ein bisschen hilflos, oder?

Die Arbeitgebervertreter Alois Rainer und Georg Imlauer haben sich auch zu Wort gemeldet. Sie finden ein Angebot von durchschnittlich 3 Prozent fair, schließlich haben die Arbeitgeber in den letzten Jahren trotz aller Krisen in ihre Mitarbeiter investiert. Aber wenn man sich die Forderungen von vida anschaut – eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,8 Prozent, zwölf freie Sonntage und bezahlte Mittagspausen – dann wird schnell klar, dass hier die Wogen hochgehen. Streitereien über Überstundenzuschläge und die Frage, ob Zahlungen auch rechtzeitig erfolgen müssen, tun ihr Übriges. Die Arbeitgeber sind skeptisch, wenn es um die Erhöhung der Überstundenzuschläge auf 65 Prozent geht. Ein bisschen ein schmutziges Spiel, oder?

Der Blick auf die Zahlen

In der Hotellerie und Gastronomie sind zwischen 200.000 und 240.000 Menschen beschäftigt – das sind nicht gerade wenige! Man kann sich vorstellen, wie wichtig es ist, dass hier eine Lösung gefunden wird. Die Regierung hat das Saisonnierskontingent aus Nicht-EU-Staaten auf 8.000 Plätze erhöht, was vida kritisiert. Angesichts von 375.000 Arbeitssuchenden und einer Jugendarbeitslosigkeit von 10 Prozent ist das nicht gerade eine Maßnahme, die das Wohlfühlklima verbessert. Und wenn man sich die touristischen Gesamtausgaben in Österreich anschaut, die von 0,75 Milliarden Euro im Burgenland bis zu 9,67 Milliarden Euro in Tirol reichen, wird klar, wie wichtig dieser Sektor für die Wirtschaft ist.

Der Anteil des Tourismus an der Gesamtbeschäftigung schwankt stark – von 3,5 Prozent in Oberösterreich bis zu 17,3 Prozent in Tirol. Da wird einem bewusst, wie sehr die Branche auf Stabilität angewiesen ist. Und während die Nächtigungszahlen in der Wintersaison 2023/24 um 5,5 Prozent gestiegen sind, bleibt die Frage, ob die Beschäftigten auch von diesen Rekordzahlen profitieren. Denn vida beklagt, dass die Erfolge im Tourismus nicht bei den Beschäftigten ankommen. Ein kritischer Punkt, der nicht ignoriert werden kann!

Ein Blick über die Grenze

<pWenn wir über die Kollektivvertragsverhandlungen sprechen, lohnt sich ein Blick nach Deutschland, wo die ver.di-Tarifkommission ebenfalls nicht untätig bleibt. Am 30.07.2025 wurde zu einem Warnstreik aufgerufen, nachdem in der 7. Verhandlungsrunde kein akzeptables Angebot von der Tarifgemeinschaft des Deutschen Reiseverbandes (DRV-T) vorgelegt wurde. Hier wird eine Gehaltserhöhung von 19,5 % gefordert – das ist eine ganz andere Hausnummer! Die Arbeitgeberseite hat zwar ein neues Angebot präsentierte, das aber weit von den Erwartungen der Beschäftigten entfernt ist. Ein bisschen wie ein Schuss in den Ofen, wenn man sich die Zahlen anschaut.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Vorschläge der DRV-T umfassten unter anderem eine nicht anrechenbare Einmalzahlung von 400 Euro, eine Gehaltserhöhung zum 01.09.2025 um 2,5 % sowie eine weitere Erhöhung im Jahr 2026. Doch die Arbeitsseite hat auch hier die Vorschläge zur Erarbeitung einer umsatzabhängigen Zulage abgelehnt. Kommt einem bekannt vor, nicht wahr? Die Verhandlungen scheinen ein ständiges Hin und Her zu sein.

Wie es im Tourismus weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Unsicherheiten in der Branche sind hoch, und die Beschäftigten warten auf Lösungen, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen. In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage und der anhaltenden Inflation ist es höchste Zeit, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen.