Das Thema rund um die Westbalkanregelung hat in der letzten Zeit ordentlich Staub aufgewirbelt. Das Bundeskabinett hat entschieden, das jährliche Kontingent für die Regelung von 50.000 auf 25.000 Zustimmungen zu halbieren. Eine Entscheidung, die vor allem im Tourismus- und Gastgewerbe auf große Besorgnis stößt. Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schlagen Alarm: Diese Kürzung könnte einen weiteren Riss in die bereits angespannte Personalsituation reißen.

Die Westbalkanregelung, die seit ihrer Einführung im Jahr 2016 als bewährtes Instrument zur Sicherung von Arbeitskräften gilt, ermöglicht es Menschen aus bestimmten Balkanländern, unter vereinfachten Bedingungen nach Deutschland zu kommen. Voraussetzung ist ein konkretes Arbeitsplatzangebot – eine anerkannte berufliche Qualifikation ist dabei nicht immer nötig. Laut einer Studie des BMAS aus dem Jahr 2020 arbeiteten rund 58 Prozent der Eingereisten bereits als Fachkräfte oder Spezialisten. Diese Regelung ist für viele Betriebe – besonders kleine und mittlere Unternehmen – ein wichtiger Weg, um dem akuten Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Die Folgen der Kürzung

Die Kritiker der Kontingentkürzung, darunter auch die AWO, befürchten, dass die Situation für viele Unternehmen noch prekärer wird. Sie warnen davor, dass gerade in der Gastronomie und Hotellerie viele Angebote wegfallen könnten, wenn das Personal fehlt. Ein Punkt, der in der Branche nicht nur für Bauchschmerzen sorgt, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität gefährden könnte. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke macht deutlich, dass zahlreiche Hotels und Restaurants auf internationale Beschäftigte angewiesen sind und die Halbierung der Regelung den Personalmangel nur weiter verschärfen würde.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich ebenfalls klar positioniert. Sie plädiert dafür, das Kontingent bei 50.000 zu belassen, da die Nachfrage nach Arbeitskräften das aktuelle Kontingent bei Weitem übersteigt. Im Dezember 2025 wurden zum Beispiel rund 18.000 Anfragen abgelehnt, weil die Kontingente bereits ausgeschöpft waren. Kommt hinzu, dass aufgrund von langen Bearbeitungszeiten immer wieder Beschäftigungszusagen entfallen oder sich persönliche Umstände ändern, was die Zahl der tatsächlich Beschäftigten weiter verringert.

Ein bewährtes System unter Druck

Durch die Westbalkanregelung sind mittlerweile rund 546.000 Menschen aus den Westbalkanstaaten sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt. Das sind 170.000 mehr als vor fünf Jahren. Trotz der Tatsache, dass die Regelung keine formale Qualifikation voraussetzt, arbeiten etwa 53 Prozent auf Fachkraftniveau. Die Schwerpunkte liegen in Bereichen wie Bau, Transport, Gastronomie und Pflege. Ohne Zweifel ein wichtiger Teil unseres Arbeitsmarktes, der durch die geplante Kürzung gehörig unter Druck geraten könnte.

Die Verbände fordern daher nicht nur eine Rücknahme der Kürzung, sondern auch ein am Arbeitskräftebedarf orientiertes Kontingent und schnellere digitale Verfahren für die Antragsbearbeitung. Eine Forderung, die angesichts der aktuellen Personalsituation mehr als nachvollziehbar ist. Denn eines ist klar: Die Unternehmen brauchen Unterstützung, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Und es bleibt abzuwarten, ob die Entscheidungsträger dies hören und entsprechend handeln.