Mitarbeiterbindung als Schlüssel zur Profitabilität in der Hotellerie
Die Hotellerie hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, vor allem nach den Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte. Umsatz- und Ratensteigerungen sind zwar erfreuliche Nachrichten, doch die Realität zeigt, dass höhere Zimmerraten nicht automatisch zu höheren Gewinnen führen. Die steigenden Personalkosten und die hohe Fluktuation der Mitarbeitenden setzen den Gewinn unter Druck. Hier kommt die Frage auf: Wie können Hotels profitabel bleiben?
Bernhard Patter, Trainer und Geschäftsführer der diavendo GmbH, hat eine klare Antwort darauf. Er sieht die Mitarbeiterentwicklung und –führung als Schlüssel zur Profitabilität. In der Podcastfolge „AUSGEBUCHT!“ spricht Oliver Meyer mit Patter über die essentielle Rolle des Menschen in der Hotellerie. Besonders die jüngeren Generationen haben neue Erwartungen: Flache Hierarchien und eine andere Art der Führung stehen ganz oben auf der Wunschliste. Patter hebt hervor, wie wichtig es ist, die Kommunikation auf Augenhöhe zu verbessern. Mitarbeiter müssen den Sinn ihrer Arbeit erkennen, um motiviert zu bleiben.
Der Wert einer starken Unternehmenskultur
Eine starke Unternehmenskultur kann die Fluktuation senken und die Produktivität steigern. Thomas Hüttl, ein Unternehmer mit über 40 Jahren Erfahrung, beschreibt die Unternehmenskultur als das „unsichtbare Kapital“ eines Unternehmens. Sie zeigt sich in der täglichen Kommunikation und im Umgang mit Problemen. Ein Unternehmen, das über den monetären Anreiz hinaus denkt, fragt sich, warum Mitarbeitende langfristig bleiben sollten. Hüttl bietet sogar zinslose Darlehen für Mitarbeitende in finanziellen Engpässen an – ein echtes Zeichen für Wertschätzung!
Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind nicht zu übersehen. In Österreich, Deutschland und der Schweiz haben qualifizierte Mitarbeitende viele Auswahlmöglichkeiten, was die Fluktuation erhöht. Eine starke Mitarbeiterbindung kann nicht nur Know-how schützen, sondern auch Leistungsträger halten. Diese Bindung beschreibt die Stabilität der Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Arbeitgebern, und sie geht über Gehalt und Sicherheit hinaus. Emotionale, kalkulative und normative Bindungen – all das spielt eine Rolle, wenn es darum geht, wie sich Mitarbeitende in ihrem Unternehmen fühlen.
Führung und Kommunikation als Schlüssel
Ein wichtiger Punkt, den Patter und Hüttl unterstreichen, ist die Rolle der Führung. Gute Mitarbeiterführung beginnt mit Selbstführung. Offenheit, Vertrauen und die Bereitschaft, Probleme anzusprechen, sind entscheidend. Kennzahlen wie Krankheitstage und Fluktuationsraten können Indikatoren für eine starke Unternehmenskultur sein. Wenn sich Mitarbeitende in ihrem Unternehmen wohlfühlen, zeigen sich das in weniger Fehlzeiten und weniger Wechseln. Flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Lösungen sind Teil dieser guten Unternehmenskultur. Es ist fast schon ein Gebot der Stunde, dass Hotels sich auf die Entwicklung von Potenzialen konzentrieren, anstatt sich nur auf bestehende Qualifikationen zu fixieren.
Die Mitarbeiterbindung sollte über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden – vom Eintritt über die Entwicklungsphase bis hin zum Austritt. Respektvolle Prozesse, die positive Beziehungen wahren, sind das A und O. Immaterielle Faktoren wie Anerkennung und eine gute Unternehmenskultur sind oft wichtiger als monetäre Anreize. Sechs Säulen der Mitarbeiterbindung – Führung, Unternehmenskultur, Entwicklung, Flexibilität, Vergütung und Kommunikation – bilden das Fundament, auf dem Hotels ihre Zukunft aufbauen können. Die Frage bleibt, ob sie bereit sind, diese Herausforderungen anzunehmen und das Potenzial ihrer Mitarbeitenden voll auszuschöpfen.
