Steuer-Schock oder Chance? Die Dezentralisierung der Übernachtungssteuer in England und ihre Folgen für die Hotelbranche
Heute ist der 11.09.2026 und die Hotelbranche in England steht vor einer entscheidenden Wende. Premierminister Andy Burnham hat eine Dezentralisierung angekündigt, die es den Bürgermeistern ermöglicht, eine Übernachtungssteuer auf Hotels, Airbnb und Campingplätze zu erheben. Das ist nicht nur eine neue Einnahmequelle für Städte und Gemeinden, sondern könnte auch weitreichende Folgen für die gesamte Branche haben. Hier wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, das seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurde.
Die Reaktionen auf diese Ankündigung fallen jedoch sehr unterschiedlich aus. Während viele Bürgermeister die neue Steuerkompetenz begrüßen – Londons Bürgermeister Sadiq Khan zählt zu den Befürwortern – warnen Wirtschaftsverbände wie UK Hospitality vor den negativen Folgen. Allen Simpson, Geschäftsführer von UK Hospitality, spricht von katastrophalen Konsequenzen und einem drohenden Verlust von bis zu 33.000 Arbeitsplätzen. Das klingt dramatisch, aber die Bedenken sind nicht unbegründet. Urlauber könnten zusätzlich 1,6 Milliarden Pfund an Steuern zahlen müssen, was die Hotelpreise in die Höhe treiben und möglicherweise Gäste abschrecken könnte.
Die Meinungen sind geteilt
Die meisten englischen Bürgermeister scheinen sich auf ein Limit von maximal fünf Prozent für die Steuer zu einigen, was im Vergleich zu anderen europäischen Städten wie Berlin (7,5%), Dresden (6%) oder Köln und Leipzig (5%) recht moderat wirkt. Zum Vergleich: In Rom muss man bis zu 10 Euro pro Nacht zahlen, während Paris für Luxusunterkünfte über 15 Euro verlangt. Trotzdem befürchten Hoteliers, dass die steigenden Preise den erhofften Umsatz vermasseln könnten.
Ein Blick auf das Wynfrid House zeigt, dass die Betriebskosten bereits durch steigende Energiekosten und Mindestlohn unter Druck stehen. Die zusätzliche Steuer könnte das Fass zum Überlaufen bringen. Craig Beaumont von der Federation of Small Businesses bezeichnet die Pläne als einen Schlag ins Gesicht der Gastwirtschaft – und da fragt man sich, wie viel Belastung die Branche noch aushalten kann, ohne dass die Gäste ausbleiben.
Die Zahlen sprechen für sich
Jährlich werden in England über 130 Millionen Übernachtungen in Hotels registriert. Eine geschätzte Abgabe von drei Prozent in London könnte jährlich 350 Millionen Pfund einbringen. Das klingt nach einer Verlockung für die Kommunen, doch die Frage bleibt: Ist es das wert? Die CBI hat die Pläne als enttäuschend bezeichnet und warnt vor zusätzlicher Bürokratie für Hotels. Und das in Zeiten, in denen die Branche ohnehin schon mit den Nachwirkungen der Pandemie kämpft. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Verantwortlichen bewegen.
Ein weiterer Punkt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte: Die britischen Hotels sind mit 20 Prozent Mehrwertsteuer belastet – das ist deutlich mehr als in vielen anderen europäischen Ländern, wo die Mehrwertsteuer oft bei 7 Prozent liegt. Das lässt sich schwer mit der angestrebten Wettbewerbsfähigkeit vereinbaren, und genau hier könnte sich das Blatt wenden. Die Unsicherheiten sind groß, und es bleibt spannend zu beobachten, wie die Branche auf diese Entwicklungen reagiert.

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