Studie „Hospitality 2035“ beleuchtet Herausforderungen und Chancen für die Hotelbranche in Berlin und Zürich
Die Hotelbranche steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Dicon, die den eingängigen Titel „Hospitality 2035 – Wie sich die wirtschaftliche Logik der Hotellerie verändert“ trägt, beleuchtet die Herausforderungen und Chancen, die auf die Hoteliers zukommen. Am 9. November in Berlin und am 17. November in Zürich werden die Ergebnisse präsentiert – ein Termin, den sich jeder Hotelbetreiber, Eigentümer und Investor rot im Kalender anstreichen sollte.
Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant. Steigende Personal- und Betriebskosten, ein akuter Fachkräftemangel, der Einfluss von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung sowie die veränderten Erwartungen der Gäste setzen die traditionellen Hotelkonzepte unter Druck. Dicon wirft die entscheidende Frage auf: Wie können Hotels unter den neuen wirtschaftlichen Bedingungen weiterhin profitabel betrieben werden? Die Studie beschreibt einen seit Jahren anhaltenden Konzentrationsprozess, bei dem größere Hotelbetriebe an Bedeutung gewinnen, während die Zahl kleinerer Häuser stetig abnimmt. Zwischen 2010 und 2025 sank die Zahl der Hotelbetriebe in Deutschland um rund 11 Prozent oder 1.478 Betriebe. Besonders betroffen sind kleinere Hotels, Gasthöfe und Pensionen.
Technologische Innovationen und ihre Auswirkungen
Die Entwicklungen in der Technologie sind unaufhaltsam. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und digitale Technologien gelten als die treibenden Kräfte der nächsten Transformationsphase. Sie haben das Potenzial, nicht nur die Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, sondern auch die Organisation von Personal, Flächen und Kapital grundlegend zu ändern. Intelligente Gebäudeautomation könnte in Zukunft dazu beitragen, Energieverbräuche zu optimieren, neue Technologien zu integrieren und Betriebsabläufe effizienter zu gestalten. Die Frage ist, ob und wie kleinere und mittlere Betriebe diese neuen Technologien umsetzen können, ohne ihre individuelle Ausrichtung zu verlieren.
Die Studie „Hospitality 2035“ wurde unter Federführung von Dicon und dem Berliner Hotelexperten Roland Schwecke erstellt. Sie enthält strategische Ansätze, die auf die Herausforderungen der Branche zielen. Ein zentrales Konzept ist die Leitidee „Privathotel nach außen, Konzernlogik nach innen“. Dies bedeutet, dass die persönliche Gastfreundschaft nach außen hin erhalten bleibt, während im Hintergrund effiziente Prozesse und gemeinsame Standards etabliert werden sollen.
Einsichten und Ausblicke aus der Branche
Die Präsentation in Berlin findet im Pullman Berlin Schweizerhof statt und umfasst eine Podiumsdiskussion, an der namhafte Branchenvertreter teilnehmen, darunter Christoph Kolodziej von Accor und Gerhard Maringer von Numa. Diese Diskussion könnte entscheidend dafür sein, welche Modelle in der Zukunft tragfähig sein werden. Laut dem aktuellen Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026“, der vom Hotelverband Deutschland (IHA) veröffentlicht wurde, erholt sich die deutsche Hotellerie zwar, hat jedoch das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht. Die durchschnittliche Zimmerauslastung stieg auf 68,1 Prozent, während der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro sank. Ein gewisser Margendruck bleibt bestehen, und die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschlechtert sich.
Hohe Kosten belasten die Margen, und die Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe stiegen um 40,1 Prozent – ein besorgniserregender Trend. Die IHA fordert daher wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie, um den Druck auf die Hotellerie zu mindern. Die Herausforderungen sind vielfältig: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die Einbindung von Hotels in lokale Ökosysteme stehen ganz oben auf der Agenda. Die Branche muss sich strategisch auf verschiedene Entwicklungen vorbereiten und gleichzeitig innovative Konzepte wie den „Synergy Hub“ oder das „Self-Driving Hotel“ in Betracht ziehen.
Die Diskussionen rund um die Zukunft der Hotellerie sind nicht nur notwendig, sondern auch spannend. Die Frage bleibt, wie die einzelnen Betriebe, besonders die kleineren und mittleren, auf diese Veränderungen reagieren werden. Das große Bild ist dabei klar: Es geht um eine Mischung aus individueller Gastfreundschaft und professionellen, skalierbaren Strukturen, um in einer sich schnell verändernden Welt nicht unterzugehen.
