Die stille Revolution der Online-Bewertungen in Deutschlands Gastgewerbe
Heute ist der 20.07.2026. In der Welt der Gaststätten und Hotels in Deutschland braut sich etwas zusammen. Immer mehr Restaurants und Hotels entscheiden sich dafür, Online-Bewertungen zu löschen. Eine aktuelle Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die über 3.700 Gastbetriebe untersucht hat, zeigt, dass zwischen 11 und 30 Prozent der Bewertungen je nach Stadt verschwunden sind. Ein beachtlicher Anteil, oder? Besonders in großen Städten wie Frankfurt, Berlin und Köln sind die Löschungsraten alarmierend hoch.
Jürgen Benad, Geschäftsführer des Dehoga-Bundesverbands, hebt hervor, wie wichtig sachliche Kritik für die Außendarstellung der Betriebe ist. Dennoch gibt es viele Gründe, warum Bewertungen entfernt werden, häufig weil sie als beleidigend, gefälscht oder schlichtweg unwahr wahrgenommen werden. Und das ist kein Einzelfall. Immer mehr Gaststätten berichten von Druckversuchen durch verärgerte Gäste, die mit schlechten Bewertungen drohen, sollte nicht nach ihren Wünschen gehandelt werden. Das ist schon eine perfide Art, um Rabatte zu erhalten, oder?
Löschungen im Fokus
Wenn wir uns die Zahlen genauer anschauen, ist das Bild ziemlich eindeutig. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland über 756.500 Beiträge wegen „illegalem Inhalt“ auf Google Maps gelöscht. Und fast 99,9 Prozent dieser Löschungen betrafen Deutschland. Ein Phänomen, das nicht nur die großen Städte betrifft. Auch in Leipzig, wo etwa 20 Prozent der Profile einen Löschhinweis tragen, und in Dresden, wo es etwa 15 Prozent sind, wird das Problem sichtbar. In Halle und Magdeburg sind es ebenfalls circa 15 Prozent. Kleinere Orte wie Wernigerode oder Aschersleben zeigen einen Anteil von rund 10 Prozent, während es in Lutherstadt Wittenberg und Stendal nur 5 Prozent sind.
Das ist schon krass, wenn man bedenkt, dass Google seit einigen Wochen einen Hinweis anzeigt, wenn Bewertungen gelöscht wurden. Diese Transparenzmaßnahme soll auf eine hohe Zahl von Beschwerden wegen Diffamierung hinweisen. Professor Steffen Kroschwald betont, wie entscheidend Google-Bewertungen für die Kaufentscheidungen der Verbraucher sind. Dennoch – und das ist wichtig – ist die Verlässlichkeit dieser Bewertungen oft fragwürdig. Skepsis gegenüber Online-Bewertungen ist also durchaus angebracht, da negative Bewertungen gelöscht und positive unter Umständen einfach erstellt werden können.
Die Löschindustrie
In der Branche spricht man mittlerweile von einer „Löschindustrie“. Immer mehr Dienstleister und Kanzleien nutzen Löschverfahren als Geschäftsmodell. Rund die Hälfte der betroffenen Betriebe hat zwischen einer und maximal 20 Bewertungen gelöscht. Ein kleiner Teil hat sogar bis zu 250 Bewertungen entfernt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Oft werden Löschanträge mit der Behauptung begründet, dass die Bewertungen nicht auf realen Besuchen basieren oder beleidigend sind. Besonders häufig geschieht dies bei negativen Bewertungen, die aus der Zeit nach Übernahmen oder während der Corona-Pandemie stammen.
Ein weiteres Problem ist, dass viele Verbraucher nicht die Zeit oder die Belege haben, um gegen Löschungen vorzugehen. Einige Gastronomen beauftragen externe Dienstleister, gerade dann, wenn es um Diffamierungen geht. Das Ganze hat also einen faden Beigeschmack. Gastronomen raten dazu, Sterne nicht isoliert zu betrachten. Vielmehr sollte man den Inhalt der Rezensionen und die Reaktion der Betriebe auf Kritik in den Blick nehmen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich dieser Trend weiterentwickelt und ob sich die Sicht der Verbraucher auf Online-Bewertungen ändern wird.
