Luftfahrt im Stillstand: Deutschlands verzweifelter Kampf gegen die europäische Stagnation
Heute ist der 7.07.2026. Die Luftfahrtbranche in Deutschland scheint sich in einer Art Stillstand zu befinden, die im europäischen Vergleich mehr als nur auffällt. Laut einer aktuellen Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) ist der Rückstand des deutschen Luftverkehrs auf die Entwicklung in Europa seit dem Ende der Corona-Pandemie so gravierend wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr 2026 beträgt das Sitzplatzvolumen bei Flügen von und nach Deutschland nur 87% im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit – also dem ersten Halbjahr 2019. Ein Blick auf die europäischen Nachbarn zeigt, wie stark der Unterschied ist: Länder wie Polen, Griechenland und Portugal haben sich mit 146%, 143% und 125% des Vorkrisenniveaus deutlich erholt. Dagegen sind wir hierzulande, zusammen mit Finnland (86%) und Schweden (77%), das Schlusslicht.
Die Differenz zu den anderen europäischen Ländern hat sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023 sogar auf 26 Prozentpunkte erhöht. Das klingt nicht nur nach einem Rückschlag, sondern hat auch weitreichende wirtschaftliche Folgen. Für den Zeitraum von 2023 bis 2025 werden die Verluste inflationsbereinigt auf etwa 40 Milliarden Euro geschätzt. Das betrifft nicht nur die Airlines selbst, sondern auch zahlreiche Zulieferer wie Cateringunternehmen, Treibstofflieferanten und natürlich die gesamte Hotel- und Gastronomiebranche, die auf Reisende angewiesen sind. Und wenn wir ehrlich sind, ist das eine besorgniserregende Entwicklung.
Politische Reaktionen und Forderungen
Christoph Ploß, der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, fordert jetzt schnelles Handeln. Er macht die hohen Standortkosten deutscher Flughäfen im internationalen Vergleich verantwortlich für diese Stagnation. Auch wenn die Bundesregierung zum 1. Juli die Luftverkehrsteuer gesenkt hat, ist das nur ein erster Schritt. Weitere Senkungen der Standortkosten, wie Flughafengebühren, Infrastruktur- und Sicherheitskosten, sind notwendig, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Die Warnungen sind deutlich: Sollten wir nicht aktiv werden, könnten weitere Airlines ihre Flugzeuge aus Deutschland abziehen, und die verbleibenden Flüge würden teurer. Das ist ein Teufelskreis, den wir dringend durchbrechen müssen. Die Luftfahrt steht im direkten Zusammenhang mit der Tourismusbranche, und wenn die Flüge teurer werden oder ganz wegfallen, wird das nicht nur die Reisenden, sondern auch die Hotels und Restaurants hart treffen. Die Unsicherheit über die Zukunft des Luftverkehrs in Deutschland könnte schnell zu einem ernsthaften Problem für die gesamte Branche werden.
