Neuer Wind für die Hotellerie: Der Umbruch nach der Revo-Insolvenz
Heute ist der 15.09.2026 und die Hotellerie in Deutschland steht vor einem der größten Umbrüche seit Jahren. Die Insolvenz der Revo Hospitality Group hat die Branche aufgeschreckt. Nach dem Zusammenbruch dieser Berliner Hotelbetreibergruppe sind nun 154 von insgesamt 178 betroffenen Unterkünften auf dem Weg in neue Hände. Das klingt nach einer kleinen Sensation, nicht wahr? Und tatsächlich – die Übergabe an neue Investoren soll bereits bis Anfang Oktober abgeschlossen sein. Diese Entwicklung könnte ein Lichtblick im tiefen Tal der Insolvenzen sein, das die Beherbergungsbranche in den letzten Jahren geprägt hat.
Die Revo-Gruppe war kein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Hotellandschaft. Unter dem Namen H-Hotels sowie für namhafte Marken wie Steigenberger, Dorint und Ibis betrieb sie Hotels in 135 Städten. Doch werfen wir einen Blick auf die Gründe für die Insolvenz: Eine herausfordernde Marktlage, steigende Kosten und ein hastiges Wachstum führten zur Krise. Das Portfolio der Revo war zudem heterogen und deckte von Zwei- bis Fünf-Sterne-Hotels ein breites Spektrum ab. Besonders die Kosten für Energie und Personal belasteten das Geschäft enorm, was letztlich zu den Insolvenzanträgen von 138 Hotelgesellschaften im Januar und Februar 2026 führte.
Übernahme durch internationale Gruppen
Der Eigentümerwechsel ist in vollem Gange. Fünf internationale Hotelgruppen sowie Einzelinvestoren haben sich die 154 Hotels geschnappt. Darunter die indische Prism-Gruppe, die 29 Hotels übernimmt und plant, ihre Marken Sunday und Belvilla in Deutschland einzuführen. Die Fattal-Gruppe aus Israel sichert sich 22 Standorte unter der Marke Leonardo. Auch die Budgethotelkette B&B Hotels wird in zwölf Häusern sichtbar, die zuvor als H-Hotels oder Ibis Styles betrieben wurden. Eine spannende Zeit für die Hotellerie – in Deutschland und darüber hinaus.
Die Zahl der erhaltenen Arbeitsplätze ist bemerkenswert, denn in nur acht Monaten konnten die meisten der 5.450 Stellen in den Hotels gerettet werden. Lediglich 250 Arbeitsplätze sind aufgrund des Einstiegs der Prism-Gruppe betroffen, was im Vergleich zu den anfänglichen Befürchtungen der Gewerkschaft NGG, die von 500 Stellen sprach, positiv zu bewerten ist.
Die Zukunft der Branche im Blick
Doch während sich diese Hoffnungsschimmer abzeichnen, steht die gesamte Branche vor großen Herausforderungen. 2025 verzeichnete Deutschland einen Übernachtungsrekord, doch gleichzeitig stiegen die Insolvenzen im Gastgewerbe um 41,5 Prozent. Der Hotelverband Deutschland berichtete von einem Anstieg der Beherbergungsinsolvenzen, der über dem Vorkrisenniveau liegt. Es ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite die Rekordzahlen, auf der anderen die Schattenseiten der Branche.
Die strukturelle Margenkrise zeigt sich deutlich in den sinkenden Erträgen je verfügbarem Zimmer (RevPAR). Mit einem Rückgang auf 74 Euro wird die Notwendigkeit von Anpassungen in der Preisgestaltung immer deutlicher. Der gesetzliche Mindestlohn, der in den kommenden Jahren auf bis zu 14,60 Euro angehoben werden soll, wird die Kosten für die ohnehin schon stark personalintensive Hotellerie weiter belasten.
Die Entwicklungen rund um die Revo Hospitality Group sind also nur ein Teil eines viel größeren Ganzen. Während neue Investoren frischen Wind in die Branche bringen, bleibt abzuwarten, wie sich die Hotellerie in Deutschland weiter entwickeln wird. Der Markt ist in Bewegung – und das mit einer Geschwindigkeit, die kaum einer voraussehen konnte.
