In den letzten Jahren hat sich in Italien ein Rechtsstreit entwickelt, der nicht nur Touristen, sondern auch Hotelbesitzer aufhorchen lässt. Der Oberste Gerichtshof Italiens hat nun entschieden, dass in Restaurants und Hotels, sogar in Fünf-Sterne-Häusern, kein Anspruch auf kostenloses Leitungswasser besteht. Das klingt irgendwie seltsam, oder? Aber es basiert auf einer Klage, die eine Urlauberin gegen das Fünf-Sterne-Hotel Sassongher in Corvara in Badia eingereicht hat.

Die Frau, die über Weihnachten und Neujahr 2019/2020 für über 5700 Euro ein Halbpensionspaket gebucht hatte, war auf der Suche nach einem einfachen Glas Leitungswasser. Sie war sogar bereit, dafür eine Servicegebühr zu zahlen. Doch das Hotel lehnte ab und bot ihr lediglich Mineralwasser für bis zu sieben Euro pro 0,75-Liter-Flasche an. Das ist schon ein stolzer Preis für etwas, das viele als selbstverständlich ansehen. Die Urlauberin klagte daraufhin auf rund 2700 Euro Schadensersatz, da sie Wasser als ein universelles Menschenrecht ansieht. Das klingt erst mal nachvollziehbar. Wer will nicht einfach mal Wasser, ohne gleich die Geldbörse zu zücken?

Das Urteil des Kassationsgerichts

Nach mehreren Instanzen, einschließlich dem Friedensgericht in Rom und dem Berufungsgericht, wurde die Klage letztendlich vom Kassationsgerichtshof abgewiesen. Das Gericht stellte klar, dass italienisches Recht keine Vorschrift enthält, die Hotels oder Restaurants dazu verpflichtet, Leitungswasser anzubieten. Das bedeutet, dass Gäste zwar selbst für ihr Trinkwasser sorgen können, jedoch keinen rechtlichen Anspruch darauf haben. Ein interessanter Aspekt dabei ist, dass die Entscheidung auch die unternehmerische Freiheit der Hotelbesitzer unterstreicht. Das Hotel hat das Recht zu entscheiden, welche Getränke es anbietet – und das umfasst auch die Entscheidung, kein Leitungswasser bereitzustellen.

In Süditalien ist es übrigens üblich, kostenloses Wasser zu servieren, während dies in anderen Teilen des Landes variieren kann. In Rom gibt es dazu über 2600 öffentliche Trinkwasserbrunnen, die kostenloses Wasser anbieten. Diese Brunnen, auch als Nasoni bekannt, sind aus historischen Aquädukten gespeist und gelten als sauber und hochwertig. Ein echter Vorteil, wenn man durch die Stadt schlendert!

Kostenlose Wasserangebote in Deutschland

Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass dort ebenfalls kein gesetzliches Recht auf kostenloses Leitungswasser existiert. Die EU-Trinkwasserrichtlinie empfiehlt zwar, es günstig anzubieten, doch diese Empfehlung ist nicht bindend. Das bedeutet, dass auch hierzulande Gäste in Restaurants oft für ihr Wasser zahlen müssen, wenn sie nicht zum nächsten Wasserhahn greifen wollen. Man könnte also sagen, die Situation ist nicht nur in Italien kurios, sondern zieht sich durch ganz Europa.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Entscheidung des italienischen Kassationsgerichtshofs hat in der Branche für einiges an Gesprächsstoff gesorgt. Während viele vielleicht auf ein Umdenken in den Luxushotels hoffen, zeigt sich, dass dies ein Teil der unternehmerischen Entscheidung bleibt. Wer hätte gedacht, dass eine so simple Anfrage nach Leitungswasser so viel Aufregung auslösen kann? Es wird spannend sein zu beobachten, ob Hotels in Zukunft ihre Wasserangebote überdenken oder ob die Preispolitik unverändert bleibt.