Das Jahr 2026 hat die Reisebranche vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Der Konflikt im Iran hat nicht nur die Sicherheitslage in der Region beeinflusst, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf Reisende und Reiseveranstalter. Die Schweizer Reisebranche zieht nun eine erste Bilanz – und die ist alles andere als rosig. Zwischen Anfang März und Mitte Mai mussten über 1600 Reisende aus der Krisenregion zurückgeholt werden. Eine beachtliche Zahl, die zeigt, wie sehr die Situation die Mobilität der Menschen einschränkt. Die Rückholaktionen, die mit Sonderflügen und anderen Maßnahmen organisiert wurden, haben die Reiseanbieter mit zusätzlichen Kosten in Höhe von über zwei Millionen Franken belastet. Das ist kein Pappenstiel!
Besonders betroffen von den Rückholaktionen waren nicht nur Kriegsgebiete, sondern auch bedeutende Metropolen wie Dubai und Doha, die als wichtige Reise- und Umsteigezentren gelten. Die Situation hat eine allgemeine Verunsicherung für Reisen in die Region am Persischen Golf zur Folge. Im Gegensatz dazu zeigen sich für andere Reiseziele keine derartigen Sorgen. Das hat dazu geführt, dass Reisende tendenziell kurzfristiger und flexibler buchen – ein klarer Trend, der zur neuen Normalität zu werden scheint.
Die Herausforderung für Reiseveranstalter
Die operativen Herausforderungen, vor denen die Reiseveranstalter standen, waren enorm. Preiserhöhungen der Fluggesellschaften sorgten für zusätzlichen Druck. Mehr als 3400 Umbuchungen und über 20.000 Kundenkontakte in dieser kurzen Zeitspanne verdeutlichen, wie intensiv die Situation war. Ein 24-Stunden-Pikettdienst, der Ende Februar eingerichtet wurde, war entscheidend, um den Austausch mit Reisenden, Behörden und lokalen Partnern aufrechtzuerhalten. Umbuchungen auf alternative Flugverbindungen und Transfers zu anderen Flughäfen wurden organisiert, um die Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten.
Die Swiss hat ihre Direktflüge nach Dubai bis einschließlich 13. September 2026 ausgesetzt. Reisende nach Tel Aviv können ab dem 1. August 2026 wieder mit Flügen rechnen. Dennoch rät das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) weiterhin von touristischen und nicht dringenden Reisen in mehrere Golfstaaten ab. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt und ob die Reisenden ihr Vertrauen in diese Destinationen zurückgewinnen können.
Krisenmanagement als Schlüssel zum Erfolg
In Krisenzeiten zeigt sich, wie wichtig ein effektives Krisenmanagement ist. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Nach einem Erdbeben, das um 3:47 Uhr morgens stattfand, hatten Reiseveranstalter 23 Gäste in vier Hotels in der betroffenen Stadt untergebracht. Die Kommunikation brach für 18 Minuten ab – eine schier ewige Zeit für Reisende, die auf Informationen warteten. Als die Verbindung wiederhergestellt wurde, war glücklicherweise jeder Gast in Sicherheit. Doch diese Erfahrung machte deutlich, dass Krisenmanagementpläne oft unzureichend sind, wenn sie nicht auf funktionierende Kommunikation bauen.
Ein strukturiertes Krisenmanagement ist entscheidend. Es erfordert nicht nur Vorbereitung und klare Entscheidungsrahmen, sondern auch einen effektiven On-Trip Support Service. Die verschiedenen Krisenkategorien – seien es Naturkatastrophen, politische Unruhen oder Gesundheitsnotfälle – benötigen spezifische Protokolle und vorab zugewiesene Rollen im Krisenmanagement-Team. Der Krisenkoordinator, häufig der CEO oder Operations Director, trifft letztendlich die entscheidenden Entscheidungen. Diese Hierarchie in der Kommunikation verhindert Verwirrung und sorgt dafür, dass schnell und effektiv gehandelt werden kann.
Die Reisebranche befindet sich in einem ständigen Wandel, und die aktuellen Ereignisse verdeutlichen einmal mehr, wie wichtig es ist, auf Krisen vorbereitet zu sein. Ob durch politische Unruhen oder Naturkatastrophen – die Welt des Reisens ist voller Unwägbarkeiten. Die Fähigkeit, schnell und flexibel zu reagieren, wird in der Zukunft über den Erfolg von Reiseanbietern entscheiden. Das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen, wird eine der größten Herausforderungen sein, mit denen die Branche konfrontiert ist.