In der Reisebranche ist die Stimmung derzeit angespannt. André Lüthi, Präsident der Globetrotter Group, berichtet von einem Rückgang der Neubuchungen zwischen 10 und 20 Prozent im April 2023. Reisende scheinen abzuwarten, wie sich die geopolitische Lage entwickelt, bevor sie Fernreisen buchen. Besonders die Unsicherheiten im Nahen Osten, insbesondere im Hinblick auf den Iran-Krieg, führen dazu, dass viele Urlauber auf die Bremse treten. Die Auswirkungen sind spürbar: Flugtickets sind 20 bis 30 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Die Kerosinknappheit, die durch die Blockade der Straße von Hormus und andere geopolitische Spannungen verursacht wird, trägt zur Preissteigerung bei. Als ob das nicht genug wäre, zwingen Einschränkungen an großen Drehkreuzen in der Golfregion die Reisebranche, nach Alternativen für ihre Kunden zu suchen.
Lüthi empfindet die Ratschläge des Schweizer Aussendepartements EDA, von Reisen in die Golfstaaten abzuraten, als verwirrend. Er fordert präzisere Empfehlungen, die zwischen Aufenthalten im Land und Flughafentransit unterscheiden. Dennoch gibt es einen Lichtblick: Die Buchungen für skandinavische Länder, Irland und Island nehmen zu. Island könnte diesen Sommer besonders überrannt werden, was den Reisenden die Möglichkeit bietet, der Hektik zu entkommen und die Natur in vollen Zügen zu genießen.
Kerosinpreise und ihre Folgen
Die Kerosinpreise haben sich seit Beginn des Iran-Kriegs mehr als verdoppelt und lagen im April bei etwa 1.800 US-Dollar pro Tonne. Diese Preissteigerungen haben direkte Auswirkungen auf die Flugpreise und das Reiseverhalten. Airlines wie Air France-KLM erhöhen bereits die Preise für Langstrecken-Economy-Tickets um 50 Euro pro Hin- und Rückflug. Auch Lufthansa und Ryanair warnen vor weiteren Preissteigerungen. Laut Transport & Environment steigen die Treibstoffkosten um 29 Euro pro Passagier für Flüge innerhalb Europas und um 88 Euro für Langstreckenflüge.
Die Unsicherheit über die Kerosinversorgung ist ebenfalls ein Thema. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat derzeit keine konkreten Daten zur Kerosinversorgung. Während die EU-Kommission meldet, dass es keine Treibstoff-Engpässe in der Europäischen Union gibt, warnt die Internationale Energieagentur vor möglichen Engpässen in Europa in etwa sechs Wochen. In Deutschland wird zwar eine höhere Resilienz bei der Kerosinversorgung festgestellt, dennoch wird mehr als die Hälfte des Bedarfs von rund neun Millionen Tonnen pro Jahr importiert.
Auswirkungen auf Reisende
Die steigenden Kerosinkosten führen nicht nur zu höheren Flugpreisen, sondern auch zu einem Risiko von Angebotskürzungen. Airlines haben bereits begonnen, Verbindungen zu streichen oder Jets außer Betrieb zu nehmen. Bei kurzfristigen Annullierungen sind die Passagiere jedoch geschützt: Sie haben Anspruch auf einen Ersatzflug oder die Erstattung des Ticketpreises. Bei Pauschalreisen gibt es zudem gesetzlichen Insolvenzschutz, der Reisenden in schwierigen Situationen Sicherheit bietet.
Reisende sollten nun besonders aufmerksam sein und flexible Stornobedingungen bei Unterkünften und Mietwagen beachten. Klare Tarifbedingungen und Umbuchungs- sowie Erstattungsregeln sind bei Einzelbuchungen von Flügen unerlässlich. Derzeit bleibt abzuwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt und welche Alternativen die Reisebranche ihren Kunden bieten wird. Die Hoffnung auf eine nachhaltigere Reiseweise mit weniger Kurztrips und längeren Aufenthalten in einem Land bleibt jedoch ein positiver Aspekt in diesen herausfordernden Zeiten.