Schweizer Reisemarkt zwischen Krisenmanagement und Hoffnungsfunken
Der aktuelle Zustand des Schweizer Reisemarkts könnte als eine Achterbahnfahrt beschrieben werden – und das nicht nur aufgrund der unbeständigen Buchungszahlen. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 sieht sich die Branche mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Die Rückführung gestrandeter Reisender, zahlreiche Umbuchungen und Stornierungen sind an der Tagesordnung. Martin Wittwer, der Präsident des Schweizer Reise-Verbands (SRV), hat die Lage kürzlich treffend zusammengefasst: Der Umsatz im Schweizer Reisemarkt liegt rund 15 Prozent unter den Werten des Vorjahres. Da fragt man sich, wie lange das noch so weitergehen kann.
Im Frühling 2026 war die Nachfrage in der Branche deutlich abgeflacht. Dennoch zeigt sich seit Juni 2026 eine zaghafte Belebung des Geschäfts – eine Buchungswelle bleibt jedoch aus. Die Realität ist, dass rund drei Viertel der Reisebüros und Veranstalter hinter ihren Zahlen von 2025 zurückbleiben. Nur etwa 25 Prozent der Unternehmen erreichen das Niveau des Vorjahres oder überschreiten es. Besonders heftig getroffen wurden Reisebüros, die Individualreisen in den Nahen Osten oder Fernost anbieten.
Rückholaktionen und zusätzliche Herausforderungen
Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen Anfang März und Mitte Mai 2026 mussten über 1600 Personen aus der Krisenregion zurückgeholt werden. Die Kosten für die Reiseanbieter belaufen sich auf über zwei Millionen Franken – eine Summe, die sicherlich nicht leicht zu verschmerzen ist. Die Rückholaktionen wurden durch Sonderflüge und spezielle Rückreiseaktionen organisiert, und ein 24-Stunden-Pikettdienst wurde eingerichtet, um Reisende zu unterstützen. Dabei zeigt sich, dass nicht nur die Kriegsgebiete betroffen sind, sondern auch große Metropolen und wichtige Reise- und Umsteigezentren wie Dubai und Doha. Die Rückholungen fanden überwiegend aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman statt.
Die Herausforderung für die Reiseveranstalter ist groß, besonders angesichts der Preiserhöhungen bei den Fluggesellschaften. Umbuchungen auf alternative Flugverbindungen und Transfers zu anderen Flughäfen mussten organisiert werden – alles unter erheblichem Druck und mit vielen Unsicherheiten. Die Rückkehr der gestrandeten Schweizer Reisenden, die sich zwischenzeitlich von 5200 auf etwa 1900 reduziert hat, zeigt, wie dramatisch die Situation war.
Die Zukunft im Blick
Trotz der düsteren Lage gibt es einen Funken Optimismus in der Branche. Einige Unternehmen beobachten die Marktentwicklungen und halten Szenarien bereit, sollte sich die Lage im Nahen Osten stabilisieren. Ein möglicher Nachholeffekt könnte die Situation auflockern, wenn eine Friedensvereinbarung zwischen Iran und den USA tatsächlich in Sicht wäre. Wittwer hat zudem auf die neu eingeführten Reiseempfehlungen für Golf-Hubs hingewiesen, die dazu beitragen könnten, die Unsicherheiten zu verringern.
Die Reisebüros sind also gefordert, flexibel zu bleiben. Die Buchungen erfolgen entweder sehr kurzfristig oder für Reisen bis zu einem Jahr im Voraus. Das zeigt, dass Reisende tendenziell flexibler buchen – während bei stark nachgefragten Reisen nach wie vor ein Frühbucher-Trend besteht. Auch wenn die Lage angespannt ist, bleibt die Hoffnung, dass die Branche sich wieder erholen kann.
Und während all das geschieht, bleibt das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) unermüdlich in Kontakt mit den Reisenden. Es betont die Eigenverantwortung der Reisenden und fordert dazu auf, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. In einer Zeit, in der Reisende durch wiederholte Flugraum-Sperrungen und steigende Flugpreise vor großen Herausforderungen stehen, ist das eine wichtige Botschaft. Nach wie vor bleibt der Bund in der Pflicht, ein gewisses Maß an Unterstützung zu bieten, auch wenn die Eigenverantwortung klar kommuniziert wird.
