Steuern im Paradies: Die Malediven stehen vor einem Wendepunkt
Die Malediven stehen vor einer bedeutenden Veränderung, die die Reisebranche ordentlich durchrütteln könnte. Ab dem 1. Oktober 2026 wird die Tourism Goods and Services Tax (TGST) von 17% auf bestimmte Leistungen ausländischer Reiseunternehmen ausgeweitet. Das klingt erstmal nach einem trockenen Thema, aber hinter den Zahlen steckt eine Menge Unsicherheit und Fragen, die Unternehmen aktuell umtreiben. Die maledivische Regierung plant diese Umstellung, um die Steuerpflicht für Inbound-Tourismusprodukte – also Unterkunft, Mahlzeiten, Transport und all die anderen schönen Dinge, die einen Urlaub in den Tropen ausmachen – zu erweitern. Die Herausforderung? Viele Unternehmen haben sich auf die neue Regelung noch nicht eingestellt.
Am 15. September 2026 fand bereits eine Online-Informationsveranstaltung des maledivischen Ministeriums für Tourismus und Zivilluftfahrt sowie der Maldives Inland Revenue Authority (MIRA) statt. Die Veranstaltung war ausgebucht, aber viele Interessierte schauten in die Röhre. Fragen zur praktischen Umsetzung blieben offen – besonders zu Themen wie der Anwendung von Vorschriften in komplexen Vertriebsketten, der Berechnung der Steuer und den erforderlichen Nachweisen. Das maledivische Finanzministerium hat zwar Unterstützung zugesichert, etwa bei der Registrierung im MIRA-Portal oder der Rechnungsstellung, doch die Unsicherheit bleibt.
Herausforderungen für die Reiseveranstalter
Die Einführung dieser neuen GST-Regelung könnte für viele ausländische Reiseveranstalter und Reisebüros einen erheblichen administrativen Aufwand nach sich ziehen. Das weiß auch der Deutsche Reiseverband (DRV). Der Verband kritisiert die kurzfristige Einführung und weist darauf hin, dass die gesetzliche Grundlage erst am 31. August verabschiedet wurde. Viele Reisen für die bevorstehende Wintersaison sind bereits verkauft worden. Preise stehen fest, Marketingmaßnahmen sind abgeschlossen – und nun das? Das ist, gelinde gesagt, ein bisschen viel auf einmal.
Der DRV fordert eine Verschiebung der Einführung um mindestens sechs Monate sowie klare Übergangsregelungen für bereits verkaufte Reisen. Auch kleinere Unternehmen sollen bei der Registrierung und den Meldeprozessen nicht überfordert werden. Es wird gefordert, dass für sie angemessene Schwellenwerte oder vereinfachte Verfahren eingeführt werden. Der DRV hat sogar eine Botschaft aus der Republik Malediven in Berlin erhalten, die besagt, dass die Bedenken ernst genommen werden. Aber das sind alles nur Worte – die Umsetzung bleibt abzuwarten.
Ein Dialog ist notwendig
Die Unsicherheit in der Branche könnte dazu führen, dass Reisebüros weniger aktiv Malediven-Reisen anbieten. Das wäre echt schade, denn die Malediven sind ein beliebtes Reiseziel. Die Maldives Tax Academy plant im September 2026 weitere Online-Veranstaltungen zur GST auf Inbound-Tourismusprodukte, um die offenen Fragen zu klären. Aber wird das ausreichen?
Ein offener Dialog zwischen den maledivischen Behörden und den Branchenverbänden ist dringend notwendig. Nur so kann eine Lösung gefunden werden, die für alle Beteiligten tragbar ist. Die Bedarfslage ist klar, und die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Die Branche braucht Zeit, um neue Vorgaben in Verträge, Kalkulationen und Systeme einzuarbeiten. Es bleibt also spannend, ob und wie sich die Lage bis zur Einführung der neuen Regelung am 1. Oktober 2026 entwickeln wird.
