Am 29.04.2026 wurde beim Forum der Hochschule München über die Zukunft der Arbeitswelt diskutiert, und dabei stand die Tourismusbranche im Fokus. Andrea Tien, Inhaberin des Hotels Bergeblick in Bad Tölz, berichtete über innovative Arbeitsmodelle, die in ihrem Betrieb bereits erfolgreich umgesetzt werden. In Zeiten der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz ist es wichtiger denn je, neue Wege zu gehen. Der Begriff „New Work“ beschreibt diese modernen, flexiblen und vor allem menschlichen Arbeitsmodelle, die das Hotel Bergeblick aktiv verfolgt.
Die Herausforderungen in der Hotellerie sind bekannt: lange Arbeitszeiten, wenig Flexibilität und ein akuter Fachkräftemangel. Mit 32 Mitarbeitern, darunter 20 Festangestellte, setzt Tien auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, ohne dabei die Qualität für die Gäste zu beeinträchtigen. Ihr Ziel ist es, eine bessere Work-Life-Balance und sinnstiftende Arbeit zu fördern. Flexible Arbeitszeiten und Dienstpläne, die das Privatleben der Mitarbeiter berücksichtigen, sind zentrale Elemente ihres Ansatzes.
Führungskräfte als Teamkollegen
Ein weiterer innovativer Aspekt im Hotel Bergeblick ist die Umgestaltung der Hierarchien. Teamleiter agieren nicht als klassische Chefs, sondern als Kollegen, was den Zusammenhalt im Team stärkt und die Zusammenarbeit fördert. Durch den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Personaleinsatzplanung, Arbeitszeiterfassung und beim Online-Check-in wird das Hotel nahezu papierlos betrieben, was wertvolle Zeit für die Betreuung der Gäste schafft. Körperlich schwere Arbeiten wie der Wäscheservice und die Fensterreinigung sind ausgelagert, was zusätzlich zur Entlastung der Mitarbeiter beiträgt.
Die positiven Ergebnisse dieser Veränderungen sind deutlich sichtbar: Das Hotel verzeichnet kaum Fluktuation, wenig Krankmeldungen und hat fast ausschließlich regionale Mitarbeitende. Zudem gibt es kontinuierlich neue Bewerbungen, was zeigt, dass die Bemühungen um attraktive Arbeitsbedingungen Früchte tragen. Bei dem Forum waren auch andere Referenten wie Marcus Fränkle vom Hotel Der Blaue Reiter in Karlsruhe und Vertreter des Achensee Tourismus anwesend. Gemeinsam diskutieren sie im Rahmen des Projekts „New Work im Tourismus“ über die Zukunft der Branche.
Lebensqualität im Fokus
Der Tourismusverband Achensee spielt eine entscheidende Rolle in der touristischen Entwicklung der Region und ist aktiver Gestalter eines lebenswerten, zukunftsfähigen Achensees. Im Rahmen des EU-Interreg-Projekts „New Work im Tourismus“ wird die Initiative „Job-Life Achensee“ umgesetzt, die darauf abzielt, die Region Achensee als attraktiven Arbeits- und Lebensraum für Einheimische und externe Fachkräfte zu präsentieren. Der Fokus liegt auf der Lebensqualität in Tourismusregionen, nicht nur auf der Urlaubsqualität.
Durch moderne Arbeitsmodelle, starke Betriebe und flexible Lebensentwürfe soll eine aktive Wandlung der Region gefördert werden. Das Projekt bündelt Wissen, vernetzt Menschen und schafft Werkzeuge, wie beispielsweise eine Workation-Datenbank, um die Arbeitswelt im Tourismus neu zu denken. Die Chance, diesen Wandel aktiv mitzugestalten, wird von vielen Unternehmen als Verpflichtung angesehen, innovative Wege zu gehen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
Herausforderungen und Potenziale
Die Debatte um New Work ist nicht nur im Tourismus von Bedeutung. Technische Innovationen und die Digitalisierung fordern Unternehmen in allen Branchen heraus, entsprechende Arbeitsformen zu implementieren. Laut einer Kurzexpertise des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales stehen Unternehmen unter Druck, New Work-Konzepte zu integrieren, während Beschäftigte durch diese Veränderungen auch Unsicherheiten erleben. Es ist klar, dass weiterer Forschungs- und Handlungsbedarf besteht, um die Potenziale von New Work besser zu erfassen und die Bedürfnisse der Beschäftigten zu unterstützen.
Das Hotel Bergeblick und die Initiativen am Achensee sind hervorragende Beispiele dafür, wie durch innovative Ansätze in der Arbeitswelt nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht, sondern auch die Qualität für die Gäste nachhaltig gesichert werden kann. Der Weg ist noch lang, aber die ersten Schritte in Richtung einer neuen Arbeitswelt sind bereits getan.