Sommer in der Klimakrise: Die Zukunft des Reisens zwischen Hitzewellen und Coolcations
Die Sommerzeit naht und mit ihr die Sehnsucht nach Urlaub, Entspannung und der Chance, ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Die Reisebranche, darunter Reiseveranstalter, Hotels, Gaststätten und Fluggesellschaften, freut sich auf die Hochsaison. Doch die Klimakrise wirbelt alles durcheinander. Plötzlich ist der Sommer nicht mehr das, was er mal war. Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Stürme – extreme Wetterereignisse verändern die Urlaubsziele weltweit und machen den Tourismus unberechenbar. Wo man früher sicher sein konnte, dass es zur Hauptreisezeit schön ist, ist das heute nicht mehr so. Ein Umdenken ist gefragt – sowohl bei Reisenden als auch bei den Anbietern. Regen- und Trockenzeiten? Fehlanzeige!
Hotels investieren mittlerweile in Klimaanlagen, um den Komfort für ihre Gäste zu gewährleisten, während gleichzeitig die Infrastruktur unter der Hitze leidet – überhitzte Bahnstrecken und beschädigte Straßen sind nur die Spitze des Eisbergs. Prof. Dr. Harald Zeiss, ein Experte auf dem Gebiet des Tourismusmanagements, warnt vor einer besorgniserregenden Tendenz: Die Sommer in Deutschland werden heißer, die Kosten für Urlauber steigen. Reisende, die vielleicht einmal an die Mittelmeerküste fuhren, könnten sich bald nach kühleren Zielen wie Skandinavien umsehen – ein Phänomen, das als „Coolcation“ bekannt ist. Aber auch hier gibt es eine Herausforderung: In vielen skandinavischen Ländern fehlt die nötige touristische Infrastruktur, um den Anstieg der Besucherzahlen zu bewältigen.
Nachhaltigkeit im Urlaub – ein schmaler Grat
Ein weiteres Thema, das immer mehr in den Fokus rückt, ist die Nachhaltigkeit. Die Buchung von Reisen wird zwar zunehmend mit einem gewissen Umweltbewusstsein verknüpft, dennoch sind es oft andere Faktoren wie Preis, Bequemlichkeit und Nähe zum Flughafen, die die endgültige Entscheidung beeinflussen. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Nachhaltigkeitsmerkmale nur einen kleinen Teil der Gesamtausgaben ausmachen. Reisende, die Nachhaltigkeit als entscheidend empfinden, haben unterdurchschnittliche Reiseausgaben. Das könnte daran liegen, dass sie oft kürzere Distanzen wählen und ihre Unterkunft sowie Verkehrsmittel bewusster auswählen. Es gibt also nicht den einen Weg, nachhaltig zu reisen – es hängt von den individuellen Entscheidungen ab.
Die Lücke zwischen dem Wunsch nach nachhaltigen Reisen und der tatsächlichen Umsetzung bleibt riesig. Politische Maßnahmen sind dringend notwendig. Eine klimafreundlichere Infrastruktur, bessere Flugrouten und der Ausbau erneuerbarer Energien sind nur einige der Punkte, die dringend angepackt werden müssen. Kleine Veränderungen in Hotels können dabei helfen, Wasser, Energie und Wäsche zu sparen, ohne dass der Komfort für die Gäste leidet. Das ist zwar kein Allheilmittel, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
Die Herausforderung des Tourismus in Zahlen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2019 gab es über 1,5 Milliarden touristische Ankünfte weltweit. Die UNWTO prognostiziert für 2036 sogar bis zu 1,9 Milliarden Ankünfte. Das bedeutet, dass der Transportbedarf für An- und Abreise sowie vor Ort erheblich zu den Treibhausgasemissionen beiträgt. Schätzungen zufolge stammen etwa 8% der globalen Treibhausgasemissionen vom Tourismus, und 75% davon gehen auf das Konto der Verkehrsmittel. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein Flug zu den Kanaren verursacht pro Passagier ca. 1,5 Tonnen CO2. Das ist ein großer Brocken, wenn man bedenkt, dass ein deutscher Tourist auf den Kanaren 2016 etwa 5,7 Millionen Tonnen CO2 erzeugte.
Immer mehr Deutsche wünschen sich, sozial- und umweltverträglich zu reisen – laut der Reiseanalyse 2022 liegt dieser Anteil bei 47%. Die Bereitschaft, die eigenen Flugreisen zu kompensieren, ist ebenfalls gestiegen, doch dennoch bleibt der praktische Umsetzung der nachhaltigen Reisewünsche oft ein großer Abstand. Tipps zur Reduzierung des Klima-Fußabdrucks sind nicht nur sinnvoll, sondern auch praktisch: Nähere Reiseziele wählen, nachhaltige Optionen in Betracht ziehen, umweltfreundlich anreisen, und vor Ort auf motorisierte Ausfahrten verzichten. All das sind Schritte, die jeder für sich selbst gehen kann.
Die Herausforderung, den Tourismus nachhaltiger zu gestalten, liegt auf der Hand. Es wird Zeit, dass wir alle einen Beitrag leisten, um unsere Reisewelt ein Stück weit umweltfreundlicher zu machen. Und vielleicht bringt uns die ein oder andere „Coolcation“ ja nicht nur kühlere Temperaturen, sondern auch ein besseres Gewissen – ganz ohne Hitzewellen und Unwetter!
