Heute ist der 3.11.2026

Die politischen Wellen schlagen hoch in Deutschland, und besonders die jüngsten Wahlergebnisse der AfD werfen Schatten auf die Tourismusbranche. Bei den Landtagswahlen konnte die AfD in Sachsen-Anhalt satte 43,8 Prozent der Stimmen einfahren, was ihr 39 Sitze einbrachte. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 38,2 Prozent und in Berlin immerhin noch 16,3 Prozent. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD sogar den Ministerpräsidenten stellen – ein Gedanke, der nicht nur bei den Politkern, sondern auch bei den Akteuren der Tourismuswirtschaft für Skepsis sorgt.

Martin Schulze, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sachsen-Anhalt, bringt es auf den Punkt: „Tourismus beruht auf Gastfreundschaft, Vielfalt und Weltoffenheit.“ Diese Werte sind nicht nur moralische Leitlinien, sondern auch wirtschaftlich unerlässlich für den Erfolg der Branche. Im Live-Talk auf fvw.de, moderiert von Alexander Krug und Lea Sommer, wurden die möglichen Folgen dieser politischen Entwicklung für den Tourismus diskutiert. Es standen einige kritische Punkte im Raum, unter anderem die Bedenken der Branche gegenüber den Positionen der AfD und deren Vorstellungen zur Gestaltung des Tourismus.

Tourismus und die AfD: Eine heikle Beziehung

Die Skepsis gegenüber der AfD ist in der Branche weit verbreitet. Die Teilnehmer des Talks, darunter Anke Budde, Präsidentin des ASR-Bundesverbands, und Dario Seifert, AfD-Abgeordneter, diskutierten die unzureichenden Punkte im Wahlprogramm der AfD. Besonders die Auswirkungen einer restriktiven Migrationspolitik wurden als kritisch betrachtet, da sie den Fachkräftemangel im Tourismus weiter verschärfen könnte. Es ist ein Dilemma: Während die AfD mehr Inlandstourismus fordert, könnte eine strikte Migrationspolitik die benötigten Arbeitskräfte fernhalten.

Ein weiterer besorgniserregender Aspekt sind die möglichen Folgen dauerhafter Grenzkontrollen. Diese könnten nicht nur den internationalen Tourismus beeinträchtigen, sondern auch das Bild Deutschlands im Ausland nachhaltig schädigen. Bei einem Blick auf die wirtschaftliche Lage ist es klar: 21 Prozent der Bevölkerung, also etwa 17,3 Millionen Menschen, können sich keinen einwöchigen Urlaub leisten. Besonders Alleinerziehende sind betroffen, hier liegt der Anteil bei rund 39 Prozent. Das ist eine alarmierende Zahl, die Kaufmann von der AfD-Fraktion jedoch als Resultat einer verfehlten Wirtschaftspolitik der anderen Parteien interpretiert.

Wirtschaftliche Bedenken und politische Forderungen

Kaufmann macht deutlich, dass die AfD die Reisefreiheit für EU-Bürger und den internationalen Tourismus nicht infrage stellt. Stattdessen richtet sich ihre Kritik gegen die Defizite des Schengen-Systems im Umgang mit unkontrollierter Migration. Grenzkontrollen, so Kaufmann, seien nicht das Ende der Reisefreiheit, sondern ein notwendiger Schritt, um illegale Einreisen zu verhindern. Er fordert, dass ausreisepflichtige Personen, Terroristen und Straftäter Deutschland unverzüglich verlassen müssen. „Diese Personen sind keine Touristen und bringen der Branche keine Einnahmen“, sagt er.

Ein weiteres Thema, das Kaufmann ansprach, ist die Preisexplosion im Gastronomiegewerbe. Mit einem Antrag zur Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent für Speisen und Getränke möchte die AfD Gastronomiebetriebe entlasten und Arbeitsplätze sichern. Es wird deutlich, dass eine starke Tourismuswirtschaft Menschen benötigt, die sich Urlaub und Restaurantbesuche leisten können.

Die Debatte um die Rolle der AfD im Tourismus ist also alles andere als entschieden. Die Branche steht an einem Scheideweg, an dem sie sich klar positionieren muss. Die Herausforderungen sind vielfältig und die Meinungen gespalten. Eines ist jedoch sicher: Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, in welche Richtung sich der Tourismus in Deutschland entwickeln wird. Die Frage bleibt, ob die Werte von Gastfreundschaft und Weltoffenheit auch in Zukunft das Fundament unserer touristischen Landschaft bilden können.