Touristensteuer in England: Ein schmaler Grat zwischen Einnahmen und Gästeverlust
Heute ist der 13.09.2026. In England könnte es bald etwas teurer werden für all jene, die einen Kurztrip oder einen längeren Aufenthalt planen. Warum? Die Regierung hat den Bürgermeistern die Möglichkeit gegeben, eine Touristensteuer einzuführen. Das bedeutet, dass Übernachtungsgäste zur Kasse gebeten werden könnten – und das ohne feste Obergrenze. Allerdings wird erwartet, dass die Abgabe unter 5 % der Unterkunftskosten bleibt. Auf der einen Seite könnte das den lokalen Kassen etwas Luft verschaffen, aber auf der anderen Seite gibt es bereits Widerstand aus der Gastronomie- und Hotelbranche.
In vielen europäischen Ländern sind solche Steuern längst Realität. In Edinburgh etwa gibt es seit Juli eine Abgabe von 5 % auf alle kostenpflichtigen Übernachtungen. Diese gilt für maximal fünf aufeinanderfolgende Nächte und bleibt das ganze Jahr über konstant. Manchester hat es 2023 gewagt und eine Touristensteuer von 1 Pfund pro Zimmer und Nacht eingeführt. In Wales dürfen Kommunen ab April 2027 bis zu 1,30 Pfund pro Person und Nacht erheben. Man fragt sich, ob diese neuen Regelungen auch in England Fuß fassen werden und welche Auswirkungen das auf die Reisenden haben könnte.
Kritik und Bedenken aus der Branche
Die Kritik an der neuen Abgabe ist laut. Viele befürchten, dass die Steuer potenzielle Gäste abschrecken wird – und das ist in der ohnehin angespannten Situation der Hotelbranche nicht gerade hilfreich. UKHospitality warnt, dass eine 5 % Abgabe bis 2030 zu fast 12 Millionen weniger Übernachtungen führen könnte. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Hoteliers, sondern könnte auch den tourismusbezogenen Umsatz um 1,8 Milliarden Pfund (rund 2,1 Milliarden Euro) schmälern. Nicht zu vergessen die fast 33.000 Arbeitsplätze, die verloren gehen könnten. Das klingt irgendwie beunruhigend, oder?
Besonders besorgniserregend ist, dass 29 % der Reisenden aus den USA, Frankreich und Deutschland bei einer Gebühr von 10 € lieber ein anderes Ziel wählen oder sogar ganz auf die Reise verzichten würden. Das könnte das Vereinigte Königreich als attraktives Reiseziel in den Hintergrund drängen. Kritiker warnen auch, dass 39 % der Briten ihren Urlaub eher im Ausland verbringen oder gänzlich auf Ferien im eigenen Land verzichten würden, wenn eine Gebühr von 10 Pfund erhoben wird. Die Frage bleibt: Ist der finanzielle Gewinn dieser Abgabe die potenziellen Verluste wert?
Ein Blick über die Grenzen
Schaut man sich die Situation in anderen Ländern an, stellt man fest, dass viele Touristensteuer-Modelle bereits etabliert sind und die Gäste damit leben können. Doch wie lange wird das gut gehen? Die Frage bleibt, ob die neuen Regelungen in England tatsächlich den erhofften Effekt haben oder ob sie letztlich nur zu einer Abwanderung von Reisenden führen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie die Bürgermeister in England entscheiden und wie sich die Lage bis Ende 2029 entwickelt, wenn die ersten Gebühren eingeführt werden sollen.
Es ist ein schmaler Grat zwischen der Notwendigkeit, lokale Kassen zu füllen und dem Risiko, die eigenen Gäste zu verlieren. Die kommenden Jahre könnten entscheidend sein für die Zukunft des Tourismus im Vereinigten Königreich. Ob die neuen Regelungen tatsächlich auf fruchtbaren Boden fallen oder eher als Bumerang wirken, bleibt abzuwarten.
