Heute ist der 28.05.2026. Ein Blick auf die niedersächsische Tourismuswirtschaft offenbart, dass trotz Rekord-Übernachtungszahlen im Jahr 2025 die Stimmung im Gastgewerbe auf einem Tiefpunkt angekommen ist. Hohe Kosten für Lebensmittel und Energie sowie geopolitische Unsicherheiten setzen den Betrieben zu und belasten die Branche enorm. Eine Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN), die rund 400 Betriebe befragte, zeigt, dass sich der Konjunkturklimaindex im Gastgewerbe auf den niedrigsten Wert seit Frühjahr 2021, nämlich 85 Punkte, gesenkt hat. Nur 25 % der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, während 40 % mit einer ungünstigeren Entwicklung rechnen.
Die größten Sorgen der Branchenakteure sind die Preise für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe, welche 87 % als höchste Risiken einstufen, gefolgt von Arbeitskosten (74 %) und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (63 %). Inmitten dieser Herausforderungen ist die Preissensibilität der Urlauber gestiegen. Viele Gäste achten nun mehr denn je auf ihre Ausgaben, was den Spielraum für Preiserhöhungen stark einschränkt. Der Druck auf die Betriebe wächst, und das Risiko von Insolvenzen steigt. Sogar die Reisebranche ist betroffen: 69 % der Reisebüros und -veranstalter rechnen mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung, was nicht gerade Hoffnung für die nahende Saison macht.
Hoffnungsschimmer im Inlandstourismus
Doch es gibt auch Lichtblicke. Der Start in die Tourismussaison in Niedersachsen war alles andere als schlecht – gutes Wetter über Ostern und die Maifeiertage trugen dazu bei, dass die Stimmung bei den Betrieben zwar verhalten bleibt, aber nicht völlig verloren ist. Die Saisonumfrage der IHK Niedersachsen zeigt einen leichten Anstieg des Konjunkturklimaindex auf 90,6 Punkte. Immerhin bewerten 25 % der Betriebe ihre Lage als gut, 47 % als befriedigend und nur 28 % als schlecht. Es gibt also ein gewisses Maß an Optimismus, wenn auch verhalten.
Allerdings sinkt der Umsatz im Vergleich zur Frühjahrsumfrage 2024, was die Sorgen der Unternehmen weiter nährt. 44 % planen Preiserhöhungen für die nächste Saison, während 42 % der Betriebe Schwierigkeiten haben, offene Stellen langfristig zu besetzen. Besondere Herausforderungen stellen die hohen Arbeitskosten dar, die auf einem Allzeithoch liegen. Angekündigte Erhöhungen des Mindestlohns auf 15 Euro und steigende Sozialversicherungsbeiträge lassen viele Unternehmer nervös werden.
Risiken und Chancen im Tourismus
Die größte Herausforderung für die Reisebüros ist ebenfalls die wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die 66 % als größtes Risiko einstufen. Während die Umsätze der Reisebüros im Durchschnitt stabil geblieben sind, gibt es gerade im Bereich der Geschäftsreisen einen spürbaren Rückgang. Der Klimaindex der Reisebüros ist von 112 auf 101 Punkte gefallen, was die angespannten Verhältnisse unterstreicht. Fast die Hälfte der Betriebe rechnet mit einer gleichbleibenden Situation, was zwar nicht optimal, aber auch nicht katastrophal ist.
Dennoch bleibt die Hoffnung, dass der Inlandstourismus von diesen Entwicklungen profitieren kann. Die IHK Niedersachsen sieht sogar die Möglichkeit, dass 2026 Rekordwerte erreicht werden könnten. Die Reiselust der Menschen bleibt trotz aller Krisen ungebrochen, und die sorgfältigere Abwägung von Fernreisen könnte dazu führen, dass mehr Urlauber sich für die heimischen Gefilde entscheiden. Ein Hoffnungsschimmer inmitten von Herausforderungen, die die Branche fest im Griff haben.