Die letzten Jahre waren für das Thüringer Gastgewerbe eine wahre Achterbahnfahrt der Emotionen. Während der Corona-Pandemie hat die Branche massive Beschäftigungsverluste hinnehmen müssen. Viele Beschäftigte haben das Handtuch geworfen und sind in andere, vermeintlich attraktivere Branchen gewechselt. Man könnte sagen, die Luft ist raus. Laut aktuellen Berichten ist die Zahl der ausländischen Mitarbeiter im Gastgewerbe jedoch geradezu explodiert – um sage und schreibe 63 Prozent! Das zeigt, dass man auf ausländische Fachkräfte setzt, um die Lücken zu füllen, die die Pandemie hinterlassen hat.

Die Situation ist paradox: Auf der einen Seite gibt es über 22.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Thüringer Gastgewerbe, auf der anderen Seite melden die Betriebe nur etwa halb so viele freie Stellen wie vor der Pandemie. Und das, obwohl die Minijobs im Gastgewerbe von 15.600 im Jahr 2019 auf 17.300 im Jahr 2022 gestiegen sind. Wie sich das alles zusammenfügt? Nun, die Betriebe arbeiten oft mit einem kleineren Personalbestand, haben ihre Öffnungszeiten eingeschränkt und kämpfen gegen steigende Kosten und eine schwache Konjunktur. Ein Teufelskreis, könnte man sagen.

Attraktivität und Herausforderungen im Gastgewerbe

Die Attraktivität des Gastgewerbes ist ein weiteres großes Thema. Laut einer Studie im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist die Branche unter Druck wie nie zuvor. Viele Menschen haben während der Pandemie den Wechsel in einen anderen Beruf gewagt – über 25 Prozent der Beschäftigten haben sich umorientiert. Gerade die Jüngeren, unter 25 Jahren, kehren nur selten zurück. Und wie sieht es mit den Azubis aus? Die Zahl der Ausbildungsplätze ist dramatisch gesunken, um 22 Prozent während der Pandemie, was bedeutet, dass im Jahr 2022 nur noch knapp 37.000 Azubis in der Branche tätig waren – zwei Drittel weniger als vor 15 Jahren! Das ist schon ein herber Schlag.

Der finanzielle Anreiz bleibt dabei gering, selbst mit der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde. Nur etwa 36 Prozent der Neueinstellungen sind sozialversicherungspflichtig, und viele Betriebe zahlen keinen Tariflohn. Die Branche wird nach wie vor als Niedriglohnsektor wahrgenommen, und das schreckt potenzielle Mitarbeiter ab. Arbeitgeber sind gefordert, die Bedingungen zu verbessern und die Tätigkeiten attraktiver zu gestalten, um die dringend benötigten Fachkräfte zurückzugewinnen oder neue zu gewinnen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die eigenen Gegebenheiten.

Die Suche nach Lösungen

Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit hat bereits neue Wege zur Fachkräftesicherung empfohlen. Dazu gehören unter anderem die Qualifizierung bestehender Mitarbeiter, moderne Arbeitszeitmodelle und angepasste Geschäftsmodelle, die den Personalbedarf besser decken. Es ist klar, dass die Branche nicht einfach zurück zur „Normalität“ kann. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen, die qualifizierte Fachkrafttätigkeiten suchen, ist auf die Hälfte des Vor-Corona-Werts gesunken. Gleichzeitig sind die offenen Stellen zwar gestiegen, liegen aber weiterhin unter dem Niveau von vor der Pandemie.

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Die Herausforderungen sind also vielfältig. Es gilt, die Berufe im Gastgewerbe attraktiver darzustellen, Perspektiven aufzuzeigen und die Work-Life-Balance zu verbessern. Ein umfassendes Engagement in der Berufsorientierung und das Werben um Quereinsteiger aus anderen Branchen können helfen, die Lücken zu schließen. Besonders die Rekrutierung ausländischer Beschäftigter könnte eine Lösung sein, um den akuten Fachkräftemangel zu bekämpfen.