Thüringens Gastgewerbe zwischen Tradition und Transformation: Ein Aufruf zur Rettung der ländlichen Kulinarik
Heute ist der 8.06.2026 und wir blicken auf die aktuelle Lage im Thüringer Gastgewerbe. Es ist eine Zeit, in der sich die Gastronomie in einem ständigen Wandel befindet – und das nicht nur wegen der vorangegangenen Corona-Pandemie. Während sich die Situation in den Städten nach dem Einbruch stabilisiert hat, sieht es auf dem Land ganz anders aus. Hier gibt es ein „schleichendes Sterben“ von Gasthäusern und Kneipen, was nicht nur traurig, sondern auch besorgniserregend ist.
Die Thüringer scheinen ihr Geld in der Konjunkturflaute zusammenzuhalten – sie gehen seltener essen und buchen weniger Hotelübernachtungen. Das ist ein echtes Dilemma für die Branche. Dirk Ellinger, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, spricht von zu geringen Einnahmen und einem Mangel an Nachfolgern als Hauptgründe für die Schließungen. Zwischen 2019 und 2025 mussten 612 Betriebe in Thüringen ihre Türen schließen, das sind über 12 Prozent. Und die Prognosen sind alles andere als rosig: 44 Prozent der Betriebe haben negative Erwartungen für 2026.
Die Zahlen sprechen für sich
Aktuell gibt es in Thüringen etwa 4.257 gastgewerbliche Unternehmen. Viele davon sind Familienbetriebe, die auf ein starkes Fundament von über 22.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten angewiesen sind. Trotzdem ist der Umsatz im Gastgewerbe auf etwa 1,5 Milliarden Euro gesunken, und die Lage wird als angespannt beschrieben. Ein Viertel der Betriebe beurteilt ihre Geschäftslage als schlecht, während 12 Prozent von einer guten Lage sprechen. Das ist schon ein krasser Unterschied!
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Einige Betreiber setzen auf eine mögliche Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf 7 Prozent, um die gestiegenen Kosten für Personal, Lebensmittel und Energie ein Stück weit auszugleichen. Aber ganz ehrlich: Flächendeckende Preissenkungen sind nicht zu erwarten. Viele Gastronomen geben die gestiegenen Kosten nicht vollständig an die Gäste weiter – und das sorgt für eine gewisse Unsicherheit.
Die Perspektive auf dem Land
In ländlichen Regionen reagieren Gastronomen auf den Personalmangel mit eingeschränkten Öffnungszeiten oder müssen sogar Geschäftsaufgaben in Betracht ziehen. Zudem gibt es immer weniger Interessenten für Betriebsübernahmen, was die Situation noch verschärft. Dirk Ellinger warnt vor den Folgen dieser Entwicklung. Es ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine kulturelle: Gasthäuser sind oft der soziale Mittelpunkt eines Dorfes.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste in Thüringen beträgt momentan 2,6 Tage. In der Region Rhön kann man sogar mit 4,3 Tagen rechnen, während in Erfurt die Gäste im Schnitt nur 1,8 Tage verweilen. Das zeigt, wie unterschiedlich die touristischen Ströme sind. So verzeichneten Thüringens Hoteliers und Gastronomen im letzten Jahr über zehn Millionen Übernachtungen – ein Lichtblick in einer eher trüben Lage.
Ein Blick in die Zukunft
Die Auslastung der Gästezimmer lag im ersten Quartal 2025 bei 44,5 Prozent, während der deutsche Durchschnitt bei 50,1 Prozent liegt. Ein wenig optimistischer klingt die Prognose des Dehoga für 2025: Sie erwarten eine positive Geschäftsentwicklung, vorausgesetzt, die Kosten steigen nicht massiv weiter. Aber die Herausforderungen sind groß. Die Branche fordert flexiblere Regelungen beim Arbeitszeitgesetz und weniger Bürokratie – und das ist mehr als verständlich.
Abschließend bleibt zu sagen: Thüringens Gastgewerbe steht vor großen Herausforderungen, aber auch Chancen. Es bleibt spannend, wie sich die Situation entwickeln wird. Werden wir die kleinen, charmanten Gasthäuser auf dem Land weiterhin genießen können? Die Hoffnung stirbt zuletzt!
