Heute ist der 1.06.2026. Während sich die Hotellerie in Genf auf einen der bedeutendsten Gipfel der letzten Jahre vorbereitet, gibt es bereits jetzt dunkle Wolken über der Branche. Der G7-Gipfel, der vom 15. bis 17. Juni in Evian stattfindet, hat die Genfer Hotellerie nachhaltig belastet. Bereits jetzt, einige Wochen vor dem Event, berichten die Hoteliers von einem Buchungsrückgang, der zwischen 10 und 15 Prozent liegt. Xavier Rey, Präsident der Genfer Hoteliervereinigung (SHG), spricht von einem spürbaren Rückgang, der für den Juni, normalerweise ein starker Monat für Geschäftsreisende, besonders schmerzhaft ist.
Die Genfer Kantonsregierung hat Unternehmen geraten, auf Homeoffice zu setzen, was die Situation noch verschärft. Stammkunden werden von mehreren Hotels über ein eingeschränktes touristisches und geschäftliches Angebot informiert. Die Stornoquote in SHG-Hotels liegt momentan bei rund 15 Prozent. Ohne spezielle Sondertarife könnte diese Quote sogar auf 20 Prozent steigen, was die Unsicherheit in der Branche nur weiter verstärkt. Und das, obwohl die Buchungen bereits vor dem Gipfel zurückgingen, was die Verunsicherung nur noch verstärkt.
Die Angst vor Ausschreitungen
Die Sorgen der Genfer Wirtschaftskreise sind nicht unbegründet. Die Furcht vor Ausschreitungen, ähnlich denen beim G8-Gipfel 2003 in Evian, schwebt wie ein Schatten über der Stadt. Die interaktive Karte auf der linksextremen Website Renversé, die Genfer Unternehmen als „Schufte des Kapitalismus“ darstellt, verstärkt diese Ängste zusätzlich. Der Verband Fédération des Entreprises Romandes (FER) und zahlreiche weitere Verbände haben bereits ein Verbot von Demonstrationen und Sicherheitsgarantien für Geschäfte gefordert. Doch bisher blieb ein Appell an den Kanton zur Ergreifung präventiver Maßnahmen gegen mögliche linksextreme Gewalt unbeantwortet.
Arnaud Bürgin, Generaldirektor der FER Genève, hat seinen Unmut über das Schweigen der Behörden geäußert. Carole-Anne Kast, die für die Sicherheit in der Genfer Kantonsregierung zuständig ist, weist den Untätigkeitsvorwurf zurück und betont, dass die Behörden seit Monaten an Sicherheitsstrategien arbeiten. Auch ein Demonstrationsverbot wird nicht ausgeschlossen, sollte die Bedrohungslage als zu hoch eingeschätzt werden. Interessanterweise ist am 14. Juni eine Demonstration in Genf geplant, was die Situation weiter verkompliziert.
Die Auswirkungen auf die Hotellerie
Die Hotels in Genf stehen vor der Herausforderung, einladend zu bleiben, während sie auf Schutzwände oder Absperrungen verzichten, um den Gästen ein Gefühl von Gastfreundschaft zu vermitteln. Doch diese präventiven Schutzmaßnahmen würden zusätzliche Kosten verursachen, die in der ohnehin schon angespannten Situation nicht tragbar sind. Die Ungewissheit über mögliche Sachschäden und lange Reparaturzeiten trägt nur zur allgemeinen Nervosität bei. Die Genfer Regierung prüft zwar einen Entschädigungsmechanismus für Schäden an Geschäften, aber eine Entschädigung für Umsatzeinbußen steht nicht zur Debatte.
Wie es weitergeht? Niemand kann es genau sagen. Rey rechnet nicht mit einer kurzfristigen Erholung der Nachfrage. Die Sorgen um die wirtschaftliche Stabilität in Genf werden in den kommenden Wochen sicherlich nicht abreißen. Die Hotellerie sieht sich einer nie dagewesenen Herausforderung gegenüber, und die kommenden Tage werden zeigen, wie sich die Lage entwickeln wird – oder auch nicht.