Die Hotelbranche steht momentan vor enormen Herausforderungen, und der Sommer 2023 könnte zu einem Flächenbrand führen. Dirk Iserlohe hat kürzlich die Preissenkungen in Ostseehotels scharf kritisiert. „Preise und RevPAR sollten steigen, nicht fallen“, ist er sich sicher. Der Druck auf den deutschen Hotelmarkt ist unübersehbar, nicht zuletzt durch die Insolvenz der Revo Hospitality Group, die als Inhaber von 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern agierte. Die Insolvenz hat nicht nur die Branche erschüttert, sondern auch 450 Stellen in der Berliner Unternehmenszentrale gekostet. In den Hotels selbst blieben zwar die meisten der 5450 Arbeitsplätze erhalten, doch die Unsicherheit bleibt groß.

Die Revo Hospitality Group, die in den letzten Jahren stark gewachsen war, stellte im Januar und Februar 2026 Insolvenzanträge in Eigenverwaltung. Der Verkauf von etwa 120 Hotels an internationale Käufer ist zwar ein kleiner Lichtblick, doch die genauen Käufer und Kaufpreise sind bis dato noch nicht kommuniziert worden. Der Druck, die eigene Überlebensfähigkeit zu sichern, ist enorm. Die Insolvenzursachen sind vielfältig, aber steigende Kosten und ein rasantes Wachstum haben dem Unternehmen schwer zugesetzt. Es ist ein klassisches Beispiel für die Schwierigkeiten, die viele Unternehmen in der Branche durchleben.

Der Druck auf die Hotellerie steigt

Die Honestis AG, bekannt für ihre Dorint Hotels, warnt eindringlich vor einem Preiskampf, der die Qualität und Wertschöpfung in der Branche beeinträchtigen könnte. Eigentümer erfahren oft aus der Presse von neuen Betreibern, während Bieter sich über chaotische Datenräume und Kommunikationsverbote beschweren. Insolvenz-Anwälte üben zusätzlich Druck auf Vermieter aus, was die Situation nicht gerade erleichtert. Man fragt sich, wo das alles hinführen soll. Einzel-Betreiber wandeln sich zusehends zu europäischen Plattformen, was die Betriebs- und Kostenrisiken auf die Betreiber verlagert, während die Franchisegeber sicher vergütet werden.

Die Notwendigkeit zur Neugestaltung der Geschäftsmodelle wird immer klarer. Wolfgang M. Neumann sucht den Dialog mit Beatriz Morgado von der Pestana Group, um aus vergangenen Fehlern zu lernen. Die Herausforderungen sind vielfältig: Hohe Kostenbelastungen, zunehmende Bürokratie und indexierte Mietverträge setzen den Betreibern zu. Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass auch in Großbritannien unter Premier Andy Burnham keine Verbesserung der Steuerbedingungen für Hotels in Aussicht steht. Dort sind die Gewerbesteuern für Hotels um satte 115% gestiegen! Ein massiver Druck, der sich wie ein Schatten über die gesamte Branche legt.

Die Rolle von Innovation und Technologie

Inmitten all dieser Schwierigkeiten gibt es jedoch auch Lichtblicke. Google hat IHG als ersten Partner für bezahlte KI-Hotelwerbung ausgewählt. Innovative Ansätze könnten helfen, die Branche aus der Krise zu führen – zumindest ist das die Hoffnung. Zudem lanciert die Falkensteiner Hotels ein eigenes Loyalty-Programm, um Gäste langfristig zu binden. Solche Maßnahmen könnten nicht nur kurzfristige Effekte, sondern auch langfristige Bindung an die Marke erzeugen. Diese Art von Kreativität wird dringend benötigt.

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Eine weitere interessante Entwicklung ist die Suche einer Hotelgruppe aus den Malediven nach „Heritage“-Immobilien in Italien und Europa. Die Welt ist im Wandel, und das gilt auch für die Hotellerie. Die Statistiken zeigen, dass die meisten Übernachtungen in deutschen Ferienwohnungen in Herbergen mit unter 10 Betten stattfinden – auch bei Airbnb. Ein trendiger, aber gleichzeitig herausfordernder Markt, der den großen Ketten ordentlich Konkurrenz macht.

Ein Blick in die Zukunft

Der Hotelverband Deutschland (IHA) hat seinen Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026“ veröffentlicht, der als eines der wichtigsten Standardwerke der Branche gilt. Der Report zeigt, dass die deutsche Hotellerie ihren Erholungskurs im Jahr 2025 fortsetzte, jedoch das Vorkrisenniveau noch lange nicht erreicht hat. Die durchschnittliche Zimmerauslastung stieg zwar um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, doch der durchschnittliche Netto-Zimmerpreis sank um 2,8 Prozent auf 109 Euro. Das Ergebnis? Ein Rückgang des RevPAR auf 74 Euro.

Insgesamt befindet sich der deutsche Hotelmarkt in einer Phase der preisgetriebenen Konsolidierung nach den Nachholeffekten der Post-Corona-Jahre. Die Nachfrage zeigt sich jedoch positiv mit 497,4 Millionen Übernachtungen – einem neuen Höchstwert für das Beherbergungsgewerbe in Deutschland. Dennoch stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe um 40,1 Prozent und lag damit über dem Vorkrisenniveau. Zentrale Herausforderungen wie hohe Kosten, Bürokratie und der Mangel an Fachkräften bleiben bestehen.

Die Branche braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen. Otto Lindner, IHA-Vorsitzender, betont die Wichtigkeit einer dauerhaften Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent. Aber auch Bürokratieabbau, Energiepreise und die Sicherung von Fachkräften müssen auf die Agenda. Auf diesen 340 Seiten des Branchenreports gibt es nicht nur Statistiken, sondern auch wertvolle Einblicke in Regulierung, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Es bleibt spannend!