Jean-Claude Bourgueil schließt nach 49 Jahren das Restaurant „Im Schiffchen“ in Düsseldorf-Kaiserswerth
Nach 49 Jahren im Gourmet-Himmel schließt der französische Spitzenkoch Jean-Claude Bourgueil schweren Herzens die Türen seines legendären Restaurants „Im Schiffchen“ in Düsseldorf-Kaiserswerth. Die Nachricht kommt nicht nur für die Stammgäste überraschend, sondern trifft auch viele, die die kulinarischen Künste des 79-Jährigen über die Jahrzehnte hinweg schätzten. Bourgueil, der 1977 das Zepter in die Hand nahm, nennt persönliche Gründe für seinen Abschied. Er selbst beschreibt seine Zeit dort als „großartige Sternenreise“, die nun zu Ende geht.
In seiner Abschiedsbotschaft, die über die sozialen Medien verbreitet wurde, dankt er seinen Gästen, Freunden und Kollegen: „Adieu und Danke an Sie alle.“ Nicht weniger als 124 Michelin-Sterne sammelte Bourgueil in seiner Karriere – eine beeindruckende Zahl, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Dabei begann seine Reise bereits im zarten Alter von 13 Jahren, als er seine Kochlehre in Frankreich startete.
Ein Rückblick auf eine glanzvolle Karriere
Die kulinarische Laufbahn des gebürtigen Franzosen ist eine Geschichte voller Höhen und kulinarischer Meisterwerke. Nach Stationen in renommierten Restaurants, wie dem Restaurant Horcher in Madrid und dem Hilton in Düsseldorf, übernahm er 1977 „Im Schiffchen“. Das Restaurant war zuvor insolvent und hatte nur begrenzte Kapazitäten – Bourgueil und seine Frau Jeannine warteten anfangs sogar auf der Eingangstreppe, um Gäste zu empfangen. Doch durch Mundpropaganda und unermüdlichen Einsatz entwickelte sich das Restaurant schnell zu einem der besten in Deutschland.
Bereits 1979 konnte das Restaurant den ersten Michelin-Stern feiern, gefolgt von einem zweiten im Jahr 1983 und der Krönung mit dem dritten Stern 1987. Dieser sollte bis 2006 gehalten werden. Bourgueil war nicht nur ein Meister am Herd, sondern auch ein Visionär, der das gastronomische Angebot in Düsseldorf maßgeblich prägte. Er eröffnete mehrere Restaurants im historischen Gebäude, unter anderem den „Aalschokker“, der 1986 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.
Ein Abschied mit Wehmut
Die Entscheidung zur Schließung kam nicht aus heiterem Himmel. Trotz Gesprächen mit sechs potenziellen Nachfolgern konnte keine Einigung erzielt werden. In der Folge kündigte Bourgueil zehn Mitarbeiter – ein schwerer Schritt für den Gourmet, der stets als Mentor für viele in der Branche galt. Lediglich die Restaurantleiterin bleibt bis zur vollständigen Abwicklung beschäftigt. Die Auflösung von „Im Schiffchen“ soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein, mit einem großen Verkauf von Erinnerungsstücken und Weinen, die im November und Dezember 2026 stattfinden werden.
Der Weinkeller des Restaurants umfasst über 2.000 Flaschen, darunter auch Weine aus Bourgueils Geburtsjahr 1947. Über die Jahre hinweg hat der Spitzenkoch zahlreiche Gerichte kreiert, die in Erinnerung bleiben – wie der in Kamillenblüten gedämpfte Hummer oder Taube mit mediterran-nordafrikanischen Einflüssen. Diese Kreationen sind nicht nur ein Genuss für den Gaumen, sondern auch ein Teil von Bourgueils Erbe, das er mit Leidenschaft und Hingabe geschaffen hat.
Ein Erbe, das bleibt
Mit seinem Abschied verliert die Gastronomieszene nicht nur einen Meisterkoch, sondern auch einen Menschen, der das gastronomische Klima Düsseldorfs geprägt hat. Bourgueils Einfluss reicht weit über die Sterne und Auszeichnungen hinaus; es ist die Art, wie er die deutsche und französische Küche fusionierte und dabei immer die Wurzeln seiner Heimat im Herzen trug.
Sein Restaurant war nicht nur ein Ort des Essens, sondern auch ein Treffpunkt für viele Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur. Die Erinnerungen an „Im Schiffchen“ werden weiterhin in Gesprächen und Geschichten leben. So bleibt Bourgueils Reise nicht nur eine Geschichte über kulinarische Erfolge, sondern auch eine, die das Herz vieler Menschen berührt hat.
