Kompromiss oder Kampf? Der neue Kollektivvertrag als Wendepunkt für die Hotellerie
In der Hotellerie und Gastronomie brodelt es, und das nicht erst seit gestern. Überraschend kam die Einigung im Kollektivvertrag, die die Gewerkschaft Vida am 1. Oktober bekanntgab. Ein Thema, das so viele betrifft – etwa 250.000 Beschäftigte in Österreich stehen hier im Mittelpunkt. Nach monatelangen, teils angespannten Verhandlungen, in denen es mehr als einmal ordentlich geknallt hat, wurde endlich ein Kompromiss gefunden. Die Vorgehensweise der Vida, die die Neuigkeiten zuerst an die Medien ließ, sorgte für Unmut. Georg Imlauer und Alois Rainer, zwei bedeutende Stimmen aus der Branche, betonten, dass solche Ankündigungen normalerweise gemeinsam erfolgen sollten. Das hat die Gemüter ordentlich erhitzt.
Doch was genau bringt dieser neue Kollektivvertrag? Ab Oktober 2026 dürfen sich die Beschäftigten über durchschnittliche Lohnsteigerungen von 3,02 Prozent freuen. Lehrlinge, die oft die Zukunft der Branche repräsentieren, erhalten sogar 3,44 Prozent mehr. Die niedrigste Lohngruppe, die Lohngruppe 5, kann sich über ein Plus von 3,48 Prozent freuen. Und das ist noch nicht alles – eine fixe Prämie von 275 Euro wurde für die meisten Beschäftigten vereinbart. Arbeitgeber können zudem freiwillig eine steuerfreie Prämie von bis zu 500 Euro auszahlen. Das ist fast wie ein kleiner Lichtblick in der oft trüben Realität.
Ruhe nach dem Sturm?
Die Verhandlungen waren nicht einfach. Nach vier gescheiterten Runden und einem einseitigen Abbruch durch die Wirtschaftskammer, der für viele wie ein Schlag ins Gesicht wirkte, mussten die Gespräche wieder aufgenommen werden. Protestaktionen seitens der Gewerkschaft vida sorgten dafür, dass die Arbeitgeberseite ins Schwitzen geriet. Es war nicht nur ein Kräftemessen, sondern auch ein Spiel um Respekt und Wertschätzung. Die Verhandlungen wurden als respektvoll und auf Augenhöhe beschrieben, was in solch einem Klima nicht selbstverständlich ist. Roman Hebenstreit, der vida-Vorsitzende, machte deutlich, dass faire Löhne für die Zukunft der Branche unerlässlich sind. Es ist ein Statement, das nicht nur für die aktuellen Arbeitnehmer gilt, sondern auch für die, die vielleicht noch kommen werden.
Die Kritik an der Arbeitsmarktpolitik im Tourismus ist nicht neu, und sie wird immer lauter. Es scheint, als ob die bestehenden Arbeitnehmer nicht ausreichend bezahlt werden, während gleichzeitig ausländische Arbeitskräfte angeworben werden. Das schürt ein wenig den Unmut, denn die Forderungen nach vollständigem Inflationsausgleich für alle Beschäftigten sind mehr als berechtigt. Georg Imlauer bezeichnete das Ergebnis als fairen Kompromiss, während Alois Rainer auf die positive Entwicklung der Reallöhne verweist, trotz der angespannten Betriebsergebnisse. Ein echter Balanceakt, wenn man bedenkt, wie es in vielen Betrieben aussieht.
Ein Signal in stürmischen Zeiten
Die ÖHV, die Österreichische Hoteliervereinigung, sieht in diesem Kollektivvertrag ein wichtiges Signal in der aktuellen Wirtschaftslage. Der Abschluss betrifft alle Arbeiter und Angestellten im Hotel- und Gastgewerbe und ergänzt den seit November 2024 geltenden überarbeiteten Rahmenkollektivvertrag der Branche. Inmitten all der Unsicherheiten und Herausforderungen, die die Branche plagen, könnte dies ein Schritt in die richtige Richtung sein. Ein bisschen Hoffnung in einem Meer aus Herausforderungen.
