Die Hotelbranche steht an einem Wendepunkt, und es knistert förmlich in der Luft. Kürzlich fand der PATA-Gipfel in Gyeongju und Pohang, Südkorea, mit über 550 Delegierten aus 35 Destinationen statt. Hier wurde ein zentrales Thema heiß diskutiert: die Messbarkeit von Nachhaltigkeit in der Hotelbranche. Angesichts der sich verschärfenden EU-Berichtspflichten wird der Druck auf die Hotels immer größer, nicht nur schöne Geschichten über ihre grünen Initiativen zu erzählen, sondern auch handfeste, überprüfbare Daten zu präsentieren.

Die neue EU-Richtlinie zur Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD), die am 5. Januar 2023 in Kraft trat, erweitert die Verpflichtungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erheblich. Während die Non-Financial Reporting Directive (NFRD) seit 2014 für 11.600 Unternehmen galt, steigt diese Zahl nun auf 49.000. Dies betrifft große Kapitalgesellschaften, kapitalmarktorientierte KMU und Drittstaatenunternehmen mit bestimmten Umsatzgrenzen. Kleinstunternehmen sind von der Berichtspflicht ausgenommen, aber die großen Player müssen sich auf eine gründliche Überprüfung ihrer Nachhaltigkeitsdaten gefasst machen. Ab 2024 müssen Unternehmen von öffentlichem Interesse mit über 500 Mitarbeiter*innen ihre Berichterstattung entsprechend anpassen. Und das ist erst der Anfang!

Der Druck auf die Branche wächst

Der Druck, der auf den Schultern der Hotelmanager lastet, wird von verschiedenen Seiten immer größer. Investoren und zunehmend anspruchsvolle Gäste verlangen nach belegbaren Nachweisen für die Umweltversprechen der Hotels. Das Konzept der „Net Positive Hospitality“ zielt darauf ab, dass die Branche aktiv Ökosysteme wiederherstellt, anstatt nur zu konsumieren. Ein Beispiel dafür ist die Radisson Hotel Group, die kürzlich ihren Responsible Business Report 2025 veröffentlicht hat. Die Zahlen sind beeindruckend: 23% weniger Emissionsintensität pro Quadratmeter im Vergleich zu 2019 und 78 Hotels, die 100% Ökostrom nutzen. Das ist schon eine Ansage!

Aber die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Die Scope-3-Emissionen, die 70-90% des CO2-Fußabdrucks der Hotellerie ausmachen, bleiben ein großes Thema. Die Lebensmittelbeschaffung, die bis zu 40% des CO2-Fußabdrucks ausmacht, erfordert besondere Aufmerksamkeit. Accor hat festgestellt, dass Gastronomie 17% und Biodiversität sogar 80% seines CO2-Fußabdrucks ausmacht. Hier sind große Ketten gefordert: Sie verlangen von ihren Zulieferern jährliche Daten zu Treibhausgasen und Abfallquoten. Kleinere Hotels stehen unter Druck, um ihre umweltbewussten Kunden nicht zu verlieren.

Ein Blick in die Zukunft

Was bringt die Zukunft? Ein Ausblick auf 2027 kündigt die GSTC-Konferenz auf den Bahamas an, mit Themen wie Insel-Resilienz und naturbasierter Tourismus. Auch der World Sustainable Hospitality Alliance Gipfel in Paris im Dezember 2026 verspricht spannende Diskussionen zur Messung der Fortschritte in der Branche. Die EU-Kommission hat bereits Schritte unternommen, um die Berichterstattung zu vereinfachen, und ein digitales Portal für Vorlagen und Leitlinien eingerichtet. Das Ziel ist klar: Bürokratie abbauen und die Einhaltung der Vorschriften erleichtern. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten keine über die freiwillige Berichterstattung hinausgehenden Informationen bereitstellen müssen. Das könnte einigen Hotels ein wenig Luft verschaffen.

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Die neu eingeführten Vorschriften zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zielen darauf ab, einheitlichere Standards zu schaffen und die Rechenschaftspflicht über Nachhaltigkeitsaspekte zu erhöhen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird ein verpflichtender Teil des Lageberichts und muss extern geprüft werden. Ein vielversprechender Schritt, der die Branche auf ein neues Level heben könnte. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Hotellerie an diese neuen Herausforderungen anpasst und welche kreativen Lösungen sie entwickeln wird, um sowohl den Gästen als auch der Umwelt gerecht zu werden.