Österreichs Hotellerie im Sturm: Fachkräftemangel und Zukunftsherausforderungen meistern
Die österreichische Hotellerie steht vor gewaltigen Herausforderungen, die nicht nur lokal, sondern auch im Vergleich zu anderen Ländern der DACH-Region und ganz Europa spürbar sind. Die ÖHV, die Österreichische Hotelvereinigung, wird weithin als der beste Interessensverband des Landes angesehen. Doch trotz dieser starken Vertretung wird die Branche mit einem wahren Sturm von Schwierigkeiten konfrontiert, die sich in Intensität und Ursachen stark von denen in Deutschland und der Schweiz unterscheiden. Besonders betroffen ist Österreich aufgrund seiner starken Abhängigkeit vom Tourismus und der alpinen Prägung.
Ein Thema, das immer wieder zur Sprache kommt, ist der akute Fachkräftemangel. In vielen alpinen Regionen und Saisonbetrieben ist dieser Mangel besonders spürbar. Laut der WKO sind sage und schreibe 78 % der Unternehmen in Österreich von einem Mangel an Arbeits- und Fachkräften betroffen. Der Beruf des Kochs oder der Köchin steht dabei ganz oben auf der Liste der meistgesuchten Berufe in der Branche. Und das ist nicht die einzige Herausforderung! Die hohen Lohnnebenkosten, die 2028 um einen Prozentpunkt gesenkt werden sollen, belasten die Unternehmen zusätzlich. In vielen Ferien- und Landhotels machen die Personalkosten mehr als 40 % des Umsatzes aus – kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass die Energiekosten obendrein eine erhebliche Belastung darstellen.
Der Fachkräfteengpass im Detail
Der Fachkräfteengpass wird durch den BMASGPK AMS Fachkräfteengpass-Gesamtindikator bewertet, der auf einer Skala von -2 bis +2 agiert. Hierbei fließen verschiedene Teilindikatoren ein, die die Situation am Arbeitsmarkt regelmäßig abbilden. Der erste Teilindikator misst den Stellenandrang, während der zweite die Zugänge an offenen AMS-Stellen analysiert. Der dritte Teilindikator, basierend auf Webdaten, beleuchtet die Nachfrageseite des Gesamtstellenmarktes. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Berufe, die weniger als 20 offene Stellen haben, automatisch einen Scoringwert von -2 erhalten. Dies wirft ein deutliches Licht auf die prekären Verhältnisse, die viele Betriebe zu bewältigen haben.
Für die Hotellerie ist die starke Saisonalität ein weiteres großes Thema. Die Abhängigkeit vom Winter- und Sommertourismus bringt zusätzliche Unsicherheiten mit sich. Und wo wir schon von Unsicherheiten sprechen: Die Inflation trägt nicht gerade zur Stabilität bei. Die Preisentwicklung wird negativ beeinflusst, was letztlich auch die Gäste betrifft. Wenn die Kosten für Dienstleistungen steigen, hat das direkte Auswirkungen auf die Buchungen und die Zufriedenheit der Gäste.
Die Herausforderungen der Zukunft
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass der Wandel der Arbeitswelt nicht neu ist, aber die Geschwindigkeit, mit der sich alles ändert, ist mittlerweile atemberaubend. Die Covid-19-Pandemie und die geopolitischen Spannungen, insbesondere die kriegerische Eskalation in der Ukraine, haben diesen Prozess beschleunigt. Digitalisierung und Ökologisierung sind die neuen Schlagwörter, die die Branche umtreiben. Und dann ist da noch die Herausforderung der demographischen Veränderungen: Geburtenstarke Jahrgänge scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus, während die nachrückenden Kohorten schwächer besetzt sind. Das lässt einen schon nachdenklich werden.
Die Analyse des AMS Österreich thematisiert den Fachkräftebedarf bis 2030/2035 und zeigt auf, welche Kompetenzen in der Zukunft gefragt sein werden. Es ist klar, dass die Branche nicht nur reagieren, sondern auch proaktiv handeln muss. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, bedarf es kreativer Lösungen und neuer Ansätze. Schließlich geht es nicht nur um den Erhalt der Betriebe, sondern auch um die Sicherstellung einer hohen Servicequalität und damit um die Zufriedenheit der Gäste. In einer Zeit, in der alles im Wandel ist, bleibt nur die Frage: Wie geht es weiter?
