Heute ist der 17.06.2026 und während sich die Welt um uns herum ständig verändert, bleibt die Hotellerie ein faszinierendes und herausforderndes Feld. Dr. Giuliano Bianchi, Professor an der EHL Hospitality Business School, hat die Brisanz geopolitischer Unsicherheiten in der internationalen Hotellerie beleuchtet. Geopolitische Spannungen sind nicht mehr nur abstrakte Nachrichten aus fernen Ländern. Sie haben sich in unsere Realität eingeschlichen – und zwar direkt ins Portemonnaie der Hotelbetreiber. Und wenn man sich die gegenwärtigen Herausforderungen ansieht, wird schnell klar: Die Branche muss sich anpassen und zwar radikal!

Die Auswirkungen von Energiekrisen, Lieferkettenproblemen und einem akuten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sind nicht zu übersehen. Diese Unsicherheiten sind mittlerweile zu einem strukturellen Kosten- und Preisfaktor geworden. In Städten wie Amsterdam, Lissabon und Wien steigen die Hotelpreise, obwohl die Auslastung oft hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der Grund? Wohlhabende Gäste sind bereit, tief in die Tasche zu greifen – sie verlangen Zuverlässigkeit und operative Sicherheit, was die ganze Preisgestaltung auf den Kopf stellt.

Resilienz als Wettbewerbsvorteil

Resilienz wird zunehmend als das neue Luxusprodukt betrachtet. Hotels, die es schaffen, operative Puffer einzuplanen und alternative Lieferanten zu integrieren, haben einen entscheidenden Vorteil. Die klassische „Go“- versus „No-Go“-Logik hat ausgedient; die Unsicherheit ist nun ein fester Bestandteil des wirtschaftlichen Umfelds. Geopolitische Risiken müssen in die Preisgestaltung, Betriebsmodelle und Beschaffungsstrategien integriert werden. Das ist nicht einfach – es erfordert einen strategischen Weitblick und eine gewisse Flexibilität, die in der Vergangenheit oft nicht notwendig war.

Die Hotels müssen auch personelle Reserven planen und ihre Energieversorgung sichern. Man kann sich vorstellen, wie viel Energie – im wahrsten Sinne des Wortes – in diese Vorbereitungen fließt. Und auch wenn man die Märkte formal als offen betrachtet, sollte man die Wahrscheinlichkeit von Störungen nicht unterschätzen. Die Hotellerie entwickelt sich immer mehr in Richtung einer Kalkulation von Unsicherheiten, ähnlich wie wir das aus der Finanz- und Luftfahrtindustrie kennen. Ein gewisses Maß an Unvorhersehbarkeit wird also zum Alltag.

Preise und Zahlungsbereitschaft

Die Preisentwicklungen in den genannten Städten sind bemerkenswert. Trotz schwächerer Nachfrage steigen die Preise weiter. Und hier zeigt sich, dass Luxushotels besonders von der Zahlungsbereitschaft wohlhabender Gäste profitieren. Sicherheit und Stabilität sind nicht nur Schlagworte, sie sind echte Kaufanreize. Die Gäste sind bereit, höhere Zimmerpreise zu akzeptieren, wenn sie dafür eine gewisse Gewissheit erhalten – das ist fast schon eine Art neue Währung in der Hotellerie.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Tatsache, dass Resilienz nun als Wettbewerbsvorteil gilt, spricht Bände über die Richtung, in die sich die Branche bewegt. Unternehmen müssen Unsicherheiten in ihre Geschäftsmodelle integrieren und ihr einen wirtschaftlichen Wert zuordnen. Die zukünftigen Zimmerpreise werden auch die Kosten für Stabilität und Krisenresistenz widerspiegeln. Man fragt sich, wie lange es dauert, bis diese Veränderungen vollständig in die Branche eingepreist werden. Fest steht: Die Hotellerie ist im Umbruch und die Anpassungsfähigkeit wird mehr denn je gefragt sein.