Steht die Schweizer Hotellerie vor dem Abgrund?
Heute ist der 17.06.2026 und die Hotelbranche in der Schweiz steht vor einer entscheidenden Wende. Der Nationalrat hat kürzlich entschieden, die Verlängerung des Mehrwertsteuer-Sondersatzes für Beherbergungsleistungen abzulehnen. Mit 105 zu 75 Stimmen und 15 Enthaltungen fiel das Votum, das für viele in der Branche einen herben Rückschlag darstellt. Die momentane Mehrwertsteuer von 3,8 % könnte somit Ende 2027 auslaufen, und ohne gesetzliche Regelung würde der Normalsatz von 8,1 % in Kraft treten. Eine echte Herausforderung für die Hotellerie, die sich gerade von den Krisenzeiten erholt.
Die Mitte, unter der Führung von Präsident Philipp Matthias Bregy, hat sich klar hinter die Hotellerie gestellt. Nach der Abstimmung äußerte Bregy seine Enttäuschung über den Entscheid und betonte die zentrale Rolle des Tourismus für die Schweiz. Besonders für die Bergregionen und kleine sowie mittlere Hotelbetriebe ist die Unterstützung durch den Sondersatz wichtig. Es gibt einen klaren Appell an den Ständerat, sich für die Branche einzusetzen und diese Regelung aufrechtzuerhalten.
Hintergründe und Diskussionen
Der steuerliche Sondersatz für die Beherbergungsbranche wurde seit seiner Einführung im Jahr 1996 bereits sechsmal verlängert. Ursprünglich wurde er eingeführt, um die Hotels in Krisenzeiten zu unterstützen, und seither haben die Gäste in der Schweiz nur die Hälfte der regulären Mehrwertsteuer gezahlt. Trotz der aktuellen Rekordzahlen in der Branche, wie Bregy anmerkt, war die Mehrheit im Nationalrat gegen eine weitere Verlängerung. Besonders die FDP hat sich klar positioniert, während die SP und die Grünen ebenfalls gegen den Sondersatz argumentiert haben. SP-Co-Präsident Cédric Wermuth kritisierte die Entlastung einer profitablen Branche und forderte stattdessen Steuererhöhungen für andere Sektoren.
Ein weiteres Stichwort in dieser Diskussion ist die Unsicherheit, die im Sommer 2026 droht – insbesondere durch internationale Entwicklungen und mögliche Engpässe bei der Kerosinversorgung. Christian Hürlimann, Direktor von HotellerieSuisse, hat den Nationalratsentscheid als widersprüchliches Signal an die Branche gewertet. Schließlich steht die Hotellerie im internationalen Wettbewerb und ist auf Planungssicherheit angewiesen. Der Branchenverband zeigt sich unzufrieden und appelliert an den Ständerat, den Sondersatz zu unterstützen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entscheidung des Nationalrats ist noch nicht endgültig. Der Ständerat wird bald über die Materie beraten und die Diskussionen dürften weitergehen. Es bleibt abzuwarten, wie die politische Landschaft auf die Bedürfnisse der Hotellerie reagiert. Der Druck auf die Politiker wächst, denn der Tourismus ist nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für viele Menschen in den Bergregionen von zentraler Bedeutung.
Der Wind in der Schweizer Hotellerie hat sich gedreht, und die Frage bleibt: Wie wird sich die Politik auf die Branche auswirken? Die Unsicherheiten sind groß, und die Hoffnung auf eine positive Wende bleibt bestehen. Die Branche steht zusammen und kämpft, um auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Wirtschaft zu sein.
