Sturmwarnung für die Schweizer Hotellerie: Mehrwertsteuer-Sondersatz in Gefahr
Ein Sturm zieht auf in der Schweizer Hotellerie! Der Nationalrat hat entschieden, den Mehrwertsteuer-Sondersatz für die Hotellerie nach mehr als drei Jahrzehnten nicht zu verlängern. Zukünftig wird der Sondersatz von 3,8 Prozent also der Vergangenheit angehören. Der reguläre Satz liegt bei 8,1 Prozent – das ist ein erheblicher Sprung. Die Reaktionen auf diesen Entscheid sind so unterschiedlich wie die Hotels selbst, und die Diskussionen in Bern sind hitzig. Reto Nause von der Mitte bezeichnet die Entscheidung als Steuererhöhung und warnt, dass insbesondere kleinere Hotels und mittelgroße Tourismus-Destinationen darunter leiden werden. Ein Punkt, der nicht von der Hand zu weisen ist, wenn man bedenkt, wie viele Familienbetriebe und KMUs in der Branche tätig sind.
Auf der anderen Seite argumentiert Jürg Grossen von der GLP, dass die Hotellerie aktuell eine hohe Auslastung hat. Ein Sondersatz von 300 Millionen Franken sei nicht gerechtfertigt, wenn die Betriebe gut gefüllt sind. Ursula Zybach von der SP hingegen kritisiert, dass vor allem große Hotelketten von dem Sondersatz profitiert hätten und fordert mehr Unterstützung für kleinere Hotels. Ernst Wandfluh von der SVP sieht die Hotellerie als wichtige Exportindustrie, die sich im starken Wettbewerb befindet. In einer Zeit, in der digitale Buchungsplattformen das Spiel dominieren, sind solche Überlegungen mehr als nur akademische Diskussionen.
Die Perspektiven der Branche
Die Beherbergungsbranche steht unter enormem Druck. Viele Hotels, insbesondere die 3-Sterne-Betriebe und Familienunternehmen, kämpfen mit begrenzter Preissetzungsmacht. Preiserhöhungen könnten zu weniger Buchungen und damit zu geringeren Erträgen führen. Hotelleriesuisse hat sich kritisch zu den jüngsten Entscheidungen des Parlaments geäußert und warnt vor widersprüchlichen Signalen an die Branche. Denn während der Bundesrat aufgefordert wurde, eine gesetzliche Grundlage für die Fortführung des Sondersatzes bis 2035 zu erarbeiten, hat der Nationalrat nicht einmal über einen Antrag abgestimmt, der einen halbierten Mehrwertsteuersatz für kleinere Hotels gefordert hätte. Das ist ein Widerspruch, den die Branche schwer nachvollziehen kann.
Ein Lichtblick für die Branche ist, dass die nationalrätliche Kommission mit einer knappen Mehrheit für die Verlängerung des Sondersatzes gestimmt hat. Aber die endgültige Entscheidung steht noch aus. Die nächste Beratung im Ständerat könnte alles entscheiden – und das kommt in einer Zeit, in der die Branche ohnehin mit Herausforderungen wie Verkehr, Raum, Umwelt und Akzeptanz in der Bevölkerung kämpft. Hotelleriesuisse plant sogar, im Juni 2026 eine Toolbox zur Tourismusakzeptanz zu lancieren. Ein Schritt, der dringend notwendig scheint, um die Branche auf die nächste Stufe zu heben.
In der Tat wird es spannend zu beobachten, wie sich die Dinge entwickeln. Die Branche benötigt Planungssicherheit, um in einem zunehmend umkämpften Markt bestehen zu können. Die Diskussionen und Entscheidungen der nächsten Monate werden entscheidend sein, nicht nur für die großen Hotelketten, sondern auch für die vielen kleinen, charmanten Betriebe, die das Rückgrat des Schweizer Tourismus bilden. Die Frage bleibt, ob der Nationalrat den Mut aufbringt, die richtigen Weichen zu stellen, bevor es zu spät ist. Denn in der Hotellerie zählt jeder Tag – und jede Buchung.
