Es gibt Neuigkeiten aus dem malerischen Davos, die die Hotelbranche aufhorchen lassen. Das traditionsreiche Fünf-Sterne-Hotel Seehof, das seit 1869 Gäste empfängt, wird ab dem 14. Juni 2026 geschlossen. Ein schwerer Schlag für die Region, die durch den Tourismus lebt. Betreiberin des Seehofs ist die Revo Hospitality Group, die das Hotel seit Januar 2025 gepachtet hat. Diese Maßnahme wird als Teil eines umfassenden Plans zur Optimierung der Abläufe zwischen dem Seehof und dem Grandhotel Belvédère in Davos gesehen, das ebenfalls von Revo geführt wird. Bestehende Buchungen im Seehof werden in das Belvédère übertragen, was den Gästen ein wenig Sicherheit in dieser unsicheren Zeit bieten soll.
Die Schließung ist allerdings nicht ganz freiwillig. Sie erfolgt im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung der Revo Hospitality Group. Berichten zufolge wurden keine Angaben zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter gemacht, doch ein Teil wird im Grandhotel Belvédère weiterarbeiten. Für die anderen bietet das Unternehmen Unterstützung bei der Jobsuche an – eine Geste, die in diesen turbulenten Zeiten nicht unbemerkt bleibt. Ernst „Aschi“ Wyrsch, ein ehemaliger Hotelmanager, äußerte Bedauern über die Schließung, war jedoch nicht überrascht. Das sind die Herausforderungen, mit denen wir alle konfrontiert sind.
Finanzielle Turbulenzen
Die Revo Hospitality Group steckt in finanziellen Schwierigkeiten und plant eine Sanierung in Eigenverwaltung bis zum Sommer. Rund 140 Gesellschaften der Gruppe haben Insolvenz beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg beantragt. Dabei sind etwa 125 Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz betroffen – das sind rund 5.500 Mitarbeiter, die weiterhin für die Gruppe arbeiten. Das Insolvenzverfahren wird von gerichtlich bestellten Sachwaltern überwacht, was bedeutet, dass die Situation ernst ist.
Die Gründe für die finanziellen Probleme sind vielschichtig. Gestiegene Lohnkosten, Mindestlöhne sowie höhere Mieten, Energie- und Lebensmittelpreise setzen dem Unternehmen zu. Die Expansion der Revo Hospitality Group in den letzten Jahren, bei der die Zahl der Hotels von 51 im Jahr 2020 auf 250 anstieg, hat zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen geführt. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Die Akquisition neuer Hotels war mit hohen Kosten verbunden, während die Übernachtungszahlen und der geplante Umsatz für 2025 nicht wie erhofft stiegen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Eigenverwaltung soll eine schnelle Stabilisierung ermöglichen und eine geordnete Übergabe an einen Investor vorbereiten. Rechtsanwalt Gordon Geiser von GT Restructuring wurde als Geschäftsführer der betroffenen Gesellschaften eingesetzt. Interessanterweise wurden zahlreiche Revo-Häuser, darunter Marken wie Mercure, Mövenpick und Pullman, nicht mehr über die Reservierungssysteme von Accor und große Buchungsportale angeboten. Das wirft Fragen auf, wie es mit der Revo Hospitality Group weitergeht.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Die Wiederaufnahme des Betriebs des Seehofs ist für die Wintersaison 2026/27 geplant, aber ob das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Die Herausforderungen in der Hotelbranche sind real, und die Revo Hospitality Group ist nur ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen viele Unternehmen konfrontiert sind. Ein bisschen Hoffnung bleibt, dass die Tradition des Seehofs nicht ganz verloren geht und wir vielleicht bald wieder die Gäste in diesem schönen Hotel begrüßen können.